Document 280 · Letter
21 March 1815
Vienna
Peter Friedrich von Triebenfeld, Councillor of War and Forests, Hohenlohe-Ingelfingen's agent → Prince Friedrich Ludwig of Hohenlohe-Ingelfingen
Triebenfeld regrets that Eberhard is not coming and that no settlement has been reached with the Curland heiresses; he fears delay by Cosmar and Stägemann. He says Prince August has not yet revoked the power of attorney, and that nothing can be done with Prince Adolph regarding Koszęcin. On the Polish estates the Prince Chancellor replied; Triebenfeld is not to write to the Emperor. He adds news from Vienna: Napoleon's march on Paris, Wellington's departure, and Talleyrand's quarrel with Emperor Alexander. He asks that Eberhard be sent quickly.
Triebenfeld bedauert, dass Eberhard nicht kommt und kein Vergleich mit den curischen Erbinnen zustande gebracht ist; er fürchtet Verschleppung durch Cosmar und Stägemann. Fürst August hat die Vollmacht noch nicht aufgehoben; mit Prinz Adolph ist wegen Koszęcin nichts zu machen. Zu den polnischen Gütern antwortete der Fürst Kanzler; an den Kaiser soll Triebenfeld nicht schreiben. Dazu Wiener Nachrichten: Napoleons Marsch auf Paris, Wellingtons Abreise, Talleyrands Streit mit Kaiser Alexander. Er bittet, Eberhard eilig zu schicken.
- 280
- Durchlauchtigster Fürst
- Gnädigster Herr!
- Da dieser Stunde erhielte ich Ewr Durchlaucht verehrte beide Schreiben vom 10ten und 13ten
- Mit innigster Betrübnis, entnehme ich daraus, daß aus der Herkunft dH. p Eberhard wohl nichts werde
- wird. Sehr traurig ist der Fall, daß kein reeller Vergleich mit den Curischen Erbinnen zu Stande
- gebracht ist, und es steht zu befürchten, das Cosmar und Stägemann ſich blos auf diese Geſchicht
- allein berufen, stüzzen, und die Sache nun auf der langen Bahn schlappen werden.
- wäre Eberhard hergekommen, hätte er die sichere Erklärung der Prinzeßinnen, und wann
- auch um 50 oder 100/m rt Thuerer erhalten, so hätte man die Approbation des Königl.
- und Staats Kanzlers gewiß zum Vorſchuß der Gelder erhalten, und es wäre weiter
- nichts geschehen, als daß die Administration einige Jahre weiter hinaus gedauret hätte,
- Einen neuern, Schreckſchuß daß ſich der König durchaus mit der Sache nicht befaßen wollen,
- würde man hier ſchmall bewürkt haben, und da hätte Eberhard gewiß leicht und ſehen
- res Spiel gehabt — den aus Eberhard Schreiben, nach welchem Henneberg allen Vergleich
- untersagt hat — und aus den Reden des H. p. Stägemann errathe ich nun wohl daß alle
- darauf gefüßt ist, daß der König bis nach seiner Retour die Sache abzumachen den
- Cur. Erbinnen versprochen hat — das zu behaben würde inzwischen bey den jezigen Kriege-
- rischen Aussichten ein leichts sein. Es wird nur Eberhard Gegenwart erfordert
- umsomehr als die Cur: Prinzeßinnen Geld bedürfen —
- daß im Testament der alten Fürſten wegen Pr Adolphs Volljährigkeit ſo ein Rabulistischer
- Spitzbübischer Riegel vorgeschoben ist — behindert vieles — ich dachte es ja gleich —
- was kan er thun wann er auch Majorain heißt und über nichts disponiren darf —
- Es wäre das Einzige daß er mit über Cosmars Verwaltung klagen, und zur völligen
- Überwältigung des Kerls behülflich sein könten —
- daß Fürst August die Vollmacht noch nicht aufgehoben hat ist mehr als schrecklich
- Thut er indes nicht ſo ſoll er von ſeine 18000 rt. aus die Majorats Güter in die erſtern
- 20 Jahre nichts schmecken — die 100000 rt wird er leider wohl sehen haben — Pappiern
- hat ja Sp: Cosmar — Inzwischen ſtehen diese jezt ziemlich gut. Nur Gott weiß wie
- langen — B[arbe]: der sich ehrerbietigst empfiehlt, sieht Pourtalès Ankunft
- nun täglich entgegen — Mit P Adolph ist wegen Koschentin nichts zu machen —
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Durchlauchtigster Fürst
Gnädigster Herr!
Da dieser Stunde erhielte ich Ewr Durchlaucht verehrte beide Schreiben vom 10ten und 13ten Mit innigster Betrübnis, entnehme ich daraus, daß aus der Herkunft dH. p Eberhard wohl nichts werde wird. Sehr traurig ist der Fall, daß kein reeller Vergleich mit den Curischen Erbinnen zu Stande gebracht ist, und es steht zu befürchten, das Cosmar und Stägemann ſich blos auf diese Geſchicht allein berufen, stüzzen, und die Sache nun auf der langen Bahn schlappen werden. wäre Eberhard hergekommen, hätte er die sichere Erklärung der Prinzeßinnen, und wann auch um 50 oder 100/m rt Thuerer erhalten, so hätte man die Approbation des Königl. und Staats Kanzlers gewiß zum Vorſchuß der Gelder erhalten, und es wäre weiter nichts geschehen, als daß die Administration einige Jahre weiter hinaus gedauret hätte, Einen neuern, Schreckſchuß daß ſich der König durchaus mit der Sache nicht befaßen wollen, würde man hier ſchmall bewürkt haben, und da hätte Eberhard gewiß leicht und ſehen res Spiel gehabt — den aus Eberhard Schreiben, nach welchem Henneberg allen Vergleich untersagt hat — und aus den Reden des H. p. Stägemann errathe ich nun wohl daß alle darauf gefüßt ist, daß der König bis nach seiner Retour die Sache abzumachen den Cur. Erbinnen versprochen hat — das zu behaben würde inzwischen bey den jezigen Kriegerischen Aussichten ein leichts sein. Es wird nur Eberhard Gegenwart erfordert umsomehr als die Cur: Prinzeßinnen Geld bedürfen — daß im Testament der alten Fürſten wegen Pr Adolphs Volljährigkeit ſo ein Rabulistischer Spitzbübischer Riegel vorgeschoben ist — behindert vieles — ich dachte es ja gleich — was kan er thun wann er auch Majorain heißt und über nichts disponiren darf — Es wäre das Einzige daß er mit über Cosmars Verwaltung klagen, und zur völligen Überwältigung des Kerls behülflich sein könten — daß Fürst August die Vollmacht noch nicht aufgehoben hat ist mehr als schrecklich Thut er indes nicht ſo ſoll er von ſeine 18,000 rt. aus die Majorats Güter in die erſtern 20 Jahre nichts schmecken — die 100,000 rt wird er leider wohl sehen haben — Pappiern hat ja Sp: Cosmar — Inzwischen ſtehen diese jezt ziemlich gut. Nur Gott weiß wie langen — B[arbe]: der sich ehrerbietigst empfiehlt, sieht Pourtalès Ankunft nun täglich entgegen — Mit P Adolph ist wegen Koschentin nichts zu machen —
- da rechnen ich im geringsten nun nicht drauf — jezt kan nichts geschehen, als den
- Cosmar im geraden Wege zu überlaufen, und wie ich hoffe sollen sich dazu
- die Mittel aufinden laßen —
- In den Pohl[nischen] Güter Angelegenheit hat mir der Fürst Kanzler daßelbe geant
- wortet was Ewr Durchlaucht lezthin Zerboni schrieb — und an Kayser sol ich nicht schreiben
- die Großen annehmen sich machen ein ander Complimente um die Geschäftsmänner
- verkaufen, Gott und die Welt —
- Næpolian macht die Allgewaltigen jezt wieder aus ihren Schlummer — es steht
- nur zu befürchten daß er sie aus den Zusammenhang bringen wird —
- Mit schnellen Schritten eilt der geachtete auf Paris zu — und ob gleich starck
- Corps von uns und andere an Frandreichs Gränzen stehen, so will man sich
- nicht ehender rühren bis über das hin und her Complimentiren Bonaparte
- in Paris sein wird — O Temp[ora]: o Mor[es]:
- Wellington ist heute zur Armee abgegangen — und in wenig Tagen heiß es
- würde F Talleyrand auch abgehen. Zwischen F[ürst]. Talleyrand und dem R[ussischen]. K[aiser]. Allex[ander] ist eine
- heftige Unterredung in Hotel des F[ürst]. Wellington gewesen — F[ürst]. Talleyrand hat dem R.
- Kayser gerade hin geſagt daß er an allem ſchuld ſey, und daß das Blut
- was jezt wieder fließen würde alles über seinen Kopf kommen und er allein
- dafür Gott dareinst verantwortlich sein müße —
- von allem Seiten wird marſchirt und wie ſah es kriegeriſcher aus als jezt — Indes
- wettet man daß kein allgemeiner Krieg werden wird —
- dem kleinen König von Rom hat man von hier wegstohlen wollen
- Es sind bis am Rhein Relais gelegt aller Orte haben 8 Pferde im Bereitschaft
- gestanden — Heute heißt es hier gar Monsieur sey von Bonaparte gefangen
- offiziel ist darüber nichts um folglich wird die Sachen auch nicht geglaubt —
- Der König ist dem Bonaparte, von Paris bis Melun entgegen gegangen
- aber auch dies bezweifelt mann —
da rechnen ich im geringsten nun nicht drauf — jezt kan nichts geschehen, als den Cosmar im geraden Wege zu überlaufen, und wie ich hoffe sollen sich dazu die Mittel aufinden laßen — In den Pohl[nischen] Güter Angelegenheit hat mir der Fürst Kanzler daßelbe geant wortet was Ewr Durchlaucht lezthin Zerboni schrieb — und an Kayser sol ich nicht schreiben die Großen annehmen sich machen ein ander Complimente um die Geschäftsmänner verkaufen, Gott und die Welt — Næpolian macht die Allgewaltigen jezt wieder aus ihren Schlummer — es steht nur zu befürchten daß er sie aus den Zusammenhang bringen wird — Mit schnellen Schritten eilt der geachtete auf Paris zu — und ob gleich starck Corps von uns und andere an Frandreichs Gränzen stehen, so will man sich nicht ehender rühren bis über das hin und her Complimentiren Bonaparte in Paris sein wird — O Temp[ora]: o Mor[es]:
Wellington ist heute zur Armee abgegangen — und in wenig Tagen heiß es würde F Talleyrand auch abgehen. Zwischen F[ürst]. Talleyrand und dem R[ussischen]. K[aiser]. Allex[ander] ist eine heftige Unterredung in Hotel des F[ürst]. Wellington gewesen — F[ürst]. Talleyrand hat dem R. Kayser gerade hin geſagt daß er an allem ſchuld ſey, und daß das Blut was jezt wieder fließen würde alles über seinen Kopf kommen und er allein dafür Gott dareinst verantwortlich sein müße — von allem Seiten wird marſchirt und wie ſah es kriegeriſcher aus als jezt — Indes wettet man daß kein allgemeiner Krieg werden wird — dem kleinen König von Rom hat man von hier wegstohlen wollen Es sind bis am Rhein Relais gelegt aller Orte haben 8 Pferde im Bereitschaft gestanden — Heute heißt es hier gar Monsieur sey von Bonaparte gefangen offiziel ist darüber nichts um folglich wird die Sachen auch nicht geglaubt — Der König ist dem Bonaparte, von Paris bis Melun entgegen gegangen aber auch dies bezweifelt mann —
- Die Sachen ſtehen sonderbare —
- Dem König vom Würtemberg ist alles untersagt und von Congress gegen
- seine Verfügungen gegen die Stande protestirt — Die Post will fort —
- Ich ersterbe
- Ewr Durchlaucht
- Ist es möglich so schicke
- Ewr durchl. eilig den Eberhard
- Wien den 21ten Merz
- 1815
- treu gehorsamster
- Diener v Triebenfeld
Die Sachen ſtehen sonderbare — Dem König vom Würtemberg ist alles untersagt und von Congress gegen seine Verfügungen gegen die Stande protestirt — Die Post will fort — Ich ersterbe
Ewr Durchlaucht Ist es möglich so schicke Ewr durchl. eilig den Eberhard Wien den 21ten Merz 1815 treu gehorsamster Diener v Triebenfeld


