Document 276 · Letter
4 March 1815 [supplied]
Vienna
Peter Friedrich von Triebenfeld, Councillor of War and Forests, Hohenlohe-Ingelfingen's agent → Prince Friedrich Ludwig of Hohenlohe-Ingelfingen
Triebenfeld sends a worrying letter from Eberhard written at Brzeg and asks for it back. He says Stägemann has not yet brought the matter forward and that Hardenberg has again promised help. He says he has only ever asked for 112,000 Rthl to satisfy the Curische heirs and to administer the estates under the Prince. He urgently asks that Eberhard be sent to Vienna for a settlement with the princesses. The petition concerning the Polish estates is ready; what is lacking is an order from the State Chancellor and money for translations.
Triebenfeld schickt ein beunruhigendes Schreiben Eberhards aus Brzeg und bittet es zurück. Stägemann hat die Sache noch nicht vorgetragen, Hardenberg hat erneut Hilfe zugesagt. Verlangt habe er stets nur 112000 Rthl zur Befriedigung der Curischen Erben und Verwaltung der Güter unter dem Fürsten. Er bittet dringend, Eberhard für einen Vergleich mit den Prinzessinnen nach Wien zu senden. Die Eingabe wegen der polnischen Güter ist fertig, es fehlen Befehl des Staatskanzlers und Geld für Übersetzungen.
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- Durchlauchtigster Fürst
- Gnädigster Fürst und Herr!
- Der Herr Minister v Humboldt hatte mir eine Sache übertragen, in welcher ich
- ein hell zu sehen, nach Brieg schreiben — ich wandte mich damit an dH. Just[iz]. Com[missarius]: Eberhard
- bey deßen gestern erhaltenen Antwort, bekam ich beygebener abschrift Schreiben —
- Ich bin darüber mir zermahnt, und ich so wie Jedermann weiß nicht was er darzu
- denken soll. Verfügt ist hier nicht das geringste, den alles liegt noch bey dem Geheimen Staats
- Rath Stägemann der noch keinen Vortrag desfals gehabt hat. Ist alſo nach Berlin was
- geſchrieben, ſo iſt es eine Verrätherey die nur aus Brieg ſelbſte ihren Urſprung haben kan.
- vor ein paar Tagen hat Fürst Hardenberg noch wieder feyerlichst erklärt, daß er
- Durchlaucht gewiß helfen würde, und morgen geht der Fürst Bartenſtein mit einer Erinnerung
- wieder zu ihm — Jeder ist sich des glücklichsten Ausgangs gewärtigt — Nur jezt lähmt
- mich die Eberhardsche Nachricht Zunge und Hand — Stets habe ich nur die 112000 rt verlangt
- womit die Curischen Erben befriediget werden solten, und gebeten daß unter Ewr
- Durchlaucht Aegidy die Güter wegen Tilgung des Vorschußes von 112000 rt. administriert
- werden mögten. Alles andere findet sich den von selbst — dies ist die Ansicht
- eines jeden —
- Der J[ustiz]. C[ommissarius]. Eberhard sagt in seinen Schreiben, daß wenn er hier sein können, er
- gewiß mit den Prinzeßinnen den Vergleich abgeschlossen und zu Stande gebracht
- haben würde — Die Prinzeßinnen sind ja nach hier und bleiben auch hier — wäre es
- daher in der Welt möglich ſo ſenden Ewr Durchlaucht ihm doch herr, den ſpannten
- dieße auch die Saiten höher so könte man gleich den Fürsten Kanzler davon Vortrag
- machen und alles bestens Leiten —
- die in Eberhard Schreiben erwähnte Antwort des Königs, war den Prinzeßinnen 8 Tage
- nach der Ankunft des Monarchen hier in Wien, wo ihm die 3 Frauen sehr hart bestürmten
- gegeben / was ich Ewer Durchlaucht auch ſogleich ſchrieb — der König ſagte darin
- "daß er sich hier mit der Sache nicht befaßen könne, das müße bis zu seiner Rückkunft
- in Berlin bleiben —"
- Der König ist aber so viel ich weiß, nicht im geringsten gemeint, sich damit zu befaßen
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Durchlauchtigster Fürst
Gnädigster Fürst und Herr!
Der Herr Minister v Humboldt hatte mir eine Sache übertragen, in welcher ich ein hell zu sehen, nach Brieg schreiben — ich wandte mich damit an dH. Just[iz]. Com[missarius]: Eberhard bey deßen gestern erhaltenen Antwort, bekam ich beygebener abschrift Schreiben — Ich bin darüber mir zermahnt, und ich so wie Jedermann weiß nicht was er darzu denken soll. Verfügt ist hier nicht das geringste, den alles liegt noch bey dem Geheimen Staats Rath Stägemann der noch keinen Vortrag desfals gehabt hat. Ist alſo nach Berlin was geſchrieben, ſo iſt es eine Verrätherey die nur aus Brieg ſelbſte ihren Urſprung haben kan. vor ein paar Tagen hat Fürst Hardenberg noch wieder feyerlichst erklärt, daß er Durchlaucht gewiß helfen würde, und morgen geht der Fürst Bartenſtein mit einer Erinnerung wieder zu ihm — Jeder ist sich des glücklichsten Ausgangs gewärtigt — Nur jezt lähmt mich die Eberhardsche Nachricht Zunge und Hand — Stets habe ich nur die 112,000 rt verlangt womit die Curischen Erben befriediget werden solten, und gebeten daß unter Ewr Durchlaucht Aegidy die Güter wegen Tilgung des Vorschußes von 112,000 rt. administriert werden mögten. Alles andere findet sich den von selbst — dies ist die Ansicht eines jeden — Der J[ustiz]. C[ommissarius]. Eberhard sagt in seinen Schreiben, daß wenn er hier sein können, er gewiß mit den Prinzeßinnen den Vergleich abgeschlossen und zu Stande gebracht haben würde — Die Prinzeßinnen sind ja nach hier und bleiben auch hier — wäre es daher in der Welt möglich ſo ſenden Ewr Durchlaucht ihm doch herr, den ſpannten dieße auch die Saiten höher so könte man gleich den Fürsten Kanzler davon Vortrag machen und alles bestens Leiten — die in Eberhard Schreiben erwähnte Antwort des Königs, war den Prinzeßinnen 8 Tage nach der Ankunft des Monarchen hier in Wien, wo ihm die 3 Frauen sehr hart bestürmten gegeben / was ich Ewer Durchlaucht auch ſogleich ſchrieb — der König ſagte darin "daß er sich hier mit der Sache nicht befaßen könne, das müße bis zu seiner Rückkunft in Berlin bleiben —" Der König ist aber so viel ich weiß, nicht im geringsten gemeint, sich damit zu befaßen
- Er hat es auch selbst nach dem Landrecht nicht nöthig. Den nachdiesen kan man nur den
- Garanten angehen, wenn alle Mittel versucht und alle Fonds erschöpft sind —
- So viel ich aber gewiß weiß, und Ewr Durchlaucht unter den Siegel des Geheimnißes
- envertrauen kan, ist jene Königl. Antwort nur eine Politische Wendung, die dHErn
- Minister v Humboldt Exe. entwarfen — Mann wolte die Niece des Fürsten
- Talleyrands, die hezzige große Freunden des Fürsten Metternichs nicht vor den
- Kopf stoßen, wann gab daher der 3 Damen das äußerst artige Schreiben
- mit der Versicherung, daß der König sich nach seiner Zurückkunft in Berlin die
- Sache würde vorlegen laßen — von Abmachung oder Befriedigung steht darin
- kein Wort.
- könte nun H. p Eberhard eiligst herkommen, so würde ich sorgen daß den Damen von fält und en[...] so
- bono modo gesagt würde, man zweifle, daß sich der König ge mit der Sache be-
- faßen, sondern seinerst gegebene Erklärung treu bleiben würde — Sie würde
- den schon andern Seiten wieder aufziehen, und sich schnell vergleichen.
- Übrigens sieht es hier sehr baut aus — Die Bescheidenheit muß sich im dichtesten — Schleier
- hüllen, über Dinge die Tag und Nacht — geschehen — zu nicht grauer Ferner stehen.
- sehr Gewitter schwangern Wolcken —
- Der König von Sachsen ist in Preßburg angekommen und weigert sich den ihm
- zugestandenen Theil von Sachsen anzunehmen — Er besteht auf ganz Sachsen —
- Mann glaubt indes daß er sich wohl am Ende bequemen wird — den
- thäte er nicht so würde Sachsen durchaus von Preußen starck besezt werden —
- die Ruße Kayserin geht in wenigen Tagen von hier ab nach Baden — dahin folgt
- Ihr der Kayser den 16ten der König reiset 10 Tage nachher gerade nach Berlin
- dorten kömt der Ruße auch der hiesige Kayser bey von sie an 12 Tage zusammen
- bleiben werden —
- Die Eingabe wegen die Pohl[nischen] Güter liegt fertig, ich erwarte blos den Befehl des Fürsten
- Kanzlers und Geld um die Übersezzungen einlösen zu können.
- das Eberhardsche Schreiben ſchicke ich originaliter mit, das Schreibe, fäll mir ſehr schwer —
- Indes erbitte ich es mir zurück.
- In tiefsten Respect ersterbe
- Ewr Durchlaucht
- Wien den 4 ten März 1815.
- ganz gehorsamster Diener
- v Triebenfeld
Er hat es auch selbst nach dem Landrecht nicht nöthig. Den nachdiesen kan man nur den Garanten angehen, wenn alle Mittel versucht und alle Fonds erschöpft sind — So viel ich aber gewiß weiß, und Ewr Durchlaucht unter den Siegel des Geheimnißes envertrauen kan, ist jene Königl. Antwort nur eine Politische Wendung, die dHErn Minister v Humboldt Exe. entwarfen — Mann wolte die Niece des Fürsten Talleyrands, die hezzige große Freunden des Fürsten Metternichs nicht vor den Kopf stoßen, wann gab daher der 3 Damen das äußerst artige Schreiben mit der Versicherung, daß der König sich nach seiner Zurückkunft in Berlin die Sache würde vorlegen laßen — von Abmachung oder Befriedigung steht darin kein Wort.
könte nun H. p Eberhard eiligst herkommen, so würde ich sorgen daß den Damen von fält und en[...] so bono modo gesagt würde, man zweifle, daß sich der König ge mit der Sache befaßen, sondern seinerst gegebene Erklärung treu bleiben würde — Sie würde den schon andern Seiten wieder aufziehen, und sich schnell vergleichen. Übrigens sieht es hier sehr baut aus — Die Bescheidenheit muß sich im dichtesten — Schleier hüllen, über Dinge die Tag und Nacht — geschehen — zu nicht grauer Ferner stehen. sehr Gewitter schwangern Wolcken — Der König von Sachsen ist in Preßburg angekommen und weigert sich den ihm zugestandenen Theil von Sachsen anzunehmen — Er besteht auf ganz Sachsen — Mann glaubt indes daß er sich wohl am Ende bequemen wird — den thäte er nicht so würde Sachsen durchaus von Preußen starck besezt werden — die Ruße Kayserin geht in wenigen Tagen von hier ab nach Baden — dahin folgt Ihr der Kayser den 16ten der König reiset 10 Tage nachher gerade nach Berlin dorten kömt der Ruße auch der hiesige Kayser bey von sie an 12 Tage zusammen bleiben werden — Die Eingabe wegen die Pohl[nischen] Güter liegt fertig, ich erwarte blos den Befehl des Fürsten Kanzlers und Geld um die Übersezzungen einlösen zu können. das Eberhardsche Schreiben ſchicke ich originaliter mit, das Schreibe, fäll mir ſehr schwer — Indes erbitte ich es mir zurück.
In tiefsten Respect ersterbe
Ewr Durchlaucht
Wien den 4 ten März 1815.
ganz gehorsamster Diener
v Triebenfeld

