Traces in the Sand

Document 254 · Letter

November 1814 [inferred]

Vienna

Peter Friedrich von Triebenfeld, Councillor of War and Forests, Hohenlohe-Ingelfingen's agent → Prince Friedrich Ludwig of Hohenlohe-Ingelfingen

Triebenfeld complains that he is left without an answer and without money, and demands funds. He says he asked for 1,400 Rthl for four to five weeks but received only 640 Rthl, and that within fourteen days he will need a further 600 Rthl or 200 #. He promises the return of the Polish estates, the paying off of the Curian debt of 461,000 Rthl, and release from the Koszęcin ties. The Prince is to say nothing about the sale of Koszęcin. Enclosures: two receipts and the request to send 200 Rthl to his daughter.

One line per manuscript line, with broken words hyphenated and stray break marks removed. Editorial decisions are set out in About the edition.
Page 1lines 1-25
  1. 254
  2. Es ist sehr traurig daß ich stets so lange auf Antwort und Unterstüzzung
  3. warten muß. Da alles so überschwenglich glücklich durch des ehrlichen B[arbe] —
  4. Bemühen geht, ſo will ich nicht gerne abbrechen ſondern alles bis am erwünſchten
  5. Ziele bringen — daß dies nun hier in diesen Zeitläuften nicht mit leeren
  6. Händen geschehen kan ist doch wohl leicht zu ermeßen —
  7. täglich muß ich mit den Männern zusammen sind welche eigentlich würken
  8. den der Fürst Kanzler ist zu selten zu ſehen und hat auch in Wahrheit
  9. nicht Zeit sich mit Sachen der Art abzugeben. Nur diese Guten Männer
  10. die stets um ihm sind, allein müßen würken und alles leiten —
  11. kein Abend vergeht, wo sie mich nicht besuchen — 20-30 fl. sind den Weg
  12. ich weiß nicht wo sie bleiben — Mann sagt auf gute Nachrichten schmeckt ein
  13. guter Trunck, und wahrlich ich gebe ihm gerne den Männer der Art verdienen
  14. ihm — Ich glaubte 4 — 5 Wochen hier zu sein, dazu forderte ich 1400 rt. Nun
  15. sizze ich schon an 12 Wahne hier und auf der langen Zeit habe ich 640 rt.
  16. erhalten — heut bin ich nun schon Barben 94 # schuldig — Schicken
  17. Sie nun auch 100 # was bleibt mir den Barben muß ich sein Geld
  18. abgeben — Es beträgt dann was ich erhalten habe 940 rt
  19. das reicht nun aber gewiß und wahrhaftig nicht auf eine so raſend
  20. lange Zeit — Meine Sachen stehen dorten schlecht ich verlaße Kinder
  21. und das Meine, den da einmahl alles glücklich geht, so will ich Ihre
  22. Sachen nun auch ganz am erwünschten Ziele bringen — und Ihnen
  23. wie es von jeher mein Wunsch war ganz retten — wornach ich
  24. auf mit allem Rechte wieder Rettung von Ihnen gnädigster Fürst hoffe
  25. darf — Es ist keine Kleinigkeit waß ich hier schon gethan habe und noch
Page 2lines 26-53
  1. bewürken ſoll —
  2. 1. Ihre Pohlnische Güter müßen Sie wieder erhalten
  3. dadurch bekommen Sie Luft und werfen Leixner und den S. Juden Meyer Bernhard
  4. 2. Wird die Curische Schuld getilgt
  5. da werden Sie 461000 rt Schulde, loß und der König sieht Sie gerechtfertiget
  6. 3. werden Sie Cosmarn
  7. und ſtehen wieder als Herr in alle Ihre Güter mit Ruhm und Ehre bedeckt
  8. 4. Wird Ihnen der Monarch gerecht werden müßen,
  9. und Sie für alle Leiden entschädigen und selbst von Ihrer Ehre jeden Mackel nehmen,
  10. 5. dürfen Sie nicht mehr am Gespött der Menschen sein noch weniger ihrer Kinder
  11. Gnade leben
  12. 6. kommen Sie aus den Koschentiner Banden
  13. und das auf der Vorteilhafteste und Honetteſten Art —
  14. Alles dies bewürke ich diesmahl hier, da wäre es doch mehr als grausam
  15. wenn Sie mich dafür Nothleiden, heugeren, und zum Gespött der Menschen werden
  16. ließen — Schon wäre dies geſchehen, ich hätte wie ein Schuft abziehe müßen
  17. hatte mich nicht der redlichen Barbe so brüderlich ausgeholfen —
  18. sechs Hundert Thaler oder 200 # muß ich par force noch ohne die 100 # die unterwegens
  19. sein sollen in höchstens 14 Tagen her haben, den sonsten steht die ganze Masche
  20. still — Ihre Noth darf jezt dorten nicht so drückend seyn — Treten Sie Ihre
  21. Blutigel jezt dorten, die werden schon von sich geben, den Sie B[arbe] — werden
  22. nach der festgesezten Untersuchung wohl einsehen, daß es kein Schaas und
  23. Bei leerer Schall mehr ist, auch daß ihres Abgotts Reich nunmehro ein
  24. Ende haben wird —
  25. Glauben Sie gnädigster Herr daß ich ehender viel lieber ein Vomitiv nehmen mögte als Ihnen
  26. um Geld quälen — Ich kan aber nicht anders wenn ich mit den Männern fortarbeiten
  27. soll. Es ist was ich fordere nur zum Lebensunterhalt. An Kleidung bleibe ich
  28. immer ein Langenhund und daher habe ich noch sehr wenig Menschen gesehen
Page 3lines 54-80
  1. alle Luftbarkeiten und alle mächtige Aufzüge kenne ich nur der Tage nach, ich
  2. darf mich also keine Vorwürfe wachen, daß ich die geforderte Gelder verschwendet
  3. aber anders als in Ihr Interesse verwandt hätte —
  4. Übrigens bitte ich Ewr Durchlaucht, sie an mir zu ſendende Briefe ganz unter der
  5. Adresse des König Preußl Ober Post Direktor Herrn Mann in Wien gehen zu laßen,
  6. das heißt das Schreiben an mir wird gehörig verſiegelt mit der Adresse ver-
  7. sehen, und den ein Umschlag gemacht und die völlige Adresse an dem Ober
  8. Post Director Mann gemacht — Es ist ja dies eine leichte Mühe und die
  9. Briefe gehen, sicherer und geſchwinder, beſonders wann Sie ſelbige nach
  10. Neisse auf der Post alle Woche 2 mahl schicken — Den von hier geht die Preu[ssen?]
  11. Post wöchentl. 2 mahl nach Breslau und kömt 2 mahl an —
  12. Sie können ja meine Pferde dazu gebrauchen laßen — jezt allein giltes Gnä-
  13. digster Fürst nun muß man sich rühren und nichts sparen —
  14. wo die Blanquete, wo der Brief am Fürsten, wo die 100 # liegen, weil
  15. Gott, ich ſizze hier und mögte Verzweifeln, weil ich ohne alle Nachricht
  16. von Ewr Durchlaucht bin — dies brauchte nicht zu sein wenn Sie stets
  17. die Briefe nach Neisse auf der Preußen Post und unter obiger Addresse
  18. gäben — Indes will ich schon alle Leiden dulden, wenn nur von Brieger
  19. O[ber] L[andes] Gericht ein guter Bericht eingeht — dafür sorgen Sie dorten ja
  20. auf das Beste —
  21. von den Koschentiner Verkauf sagen Ewr Durchlaucht ja zu früh
  22. Niemandem was, den wem die Creditorn einen reichen Käufer wittwen
  23. so werden sie wenig vom Capital fallen laßen wollen, dies muß so
  24. wie wir den Schluß zeddel von Gr. Portales dem vorher schwele,
  25. abgemacht werden, Sie können daher den Revers für B allein im Stellen schreiben
  26. und untersiegeln — Es ist dies für einem ehrlichen Mann Sicherheit genug.
  27. v Triebenfeld
Page 4lines 81-84
  1. 254 a)
  2. Sechzig Stück Fr d'or habe ich von dem Carl erhin
  3. welches ich beſcheinige
  4. v Triebenfeld
Page 5lines 85-92
  1. 254 b)
  2. daß ich von den Herrn Referendarius Bally ein versiegeln
  3. Beutelchen mit funfzig Fr d'or ein behändiget erhalten haben
  4. welches nebst ein Schreiben von der Hochfürstliche durch lasse
  5. überschult worden, solches bescheinigen. Auch werde ich alles
  6. nöthige so wie dies morgen Er hochfürstliche Durchlaucht
  7. Unterthänigsten Bericht erstatten Breslau den 2ten May 1809
  8. v Triebenfeld
Page 6lines 93-118
  1. 254 c)
  2. An meine Tochter geruhen Euer Durchlaucht zweyhundert rt. zu senden, damit
  3. diese nicht Hunger crepiren. — Ich bitte sehr darum den aus Pohlen kommt nichts heraus
  4. alles ist dorten gesperrt — und von hier kan ich nichts senden den ich lebe hier
  5. ſelbſt auf Credit — Sollten Sie es nicht ſchnell bewerkſtelligen wollen, ſo haben Sie
  6. gnädiger Herr die einzige Gnade und laßen es mir auf das allermütigste wißen
  7. damit ich nach Hause eilen und Rath schaffen kan — die Vorwürfe von meinen
  8. Kindern / die ich auch würklich um Ihre Geschäfte willen total vernachläßige / zerschneiden
  9. mir das Herz — ungern lebe ich ohne Calcul — ich berechnete gleich daß ich unter
  10. 1400 rtl. nicht weisen sollen — Das Geld was ich p. 7br und p. Oktobr. meine Kinder,
  11. ſenden ſolte hohlte der Satan auf die Reiſe von Meseritz und Schlawenschitz pp
  12. ich glaubte gewiß das bey Euer Durchlaucht zu finden was ich geschrieben, leider wäre
  13. es 1000 rt weniger mit 400 rt. ging ich hierher 240 rt. haben Sie nachgesandt
  14. davon soll ich leben — hier wo der geringste Secretair wöchentlich 100 # Zulage
  15. erhält — 2 Monath bin ich hier — 100 # habe ich schon erborgt, dort darben meine Kin-
  16. der — Wie soll das enden, und wie soch ich hier wegkommen?
  17. Ich thue für Sie alles — ich mache mich um Ihrentwillen viel Feinde und scheue nichts
  18. um Sie mein Fürst aus alle Labirinthe zu reißen, und dafür laßen Sie auch und
  19. meine Kinder die nur dancklichste Noth leiden —
  20. Erbarmen Sie sich und ſehnten an meine Kinder 200 rt daß ich nur von der Angſt
  21. Befreit wurde — hernach sorgen Sie daß ich hierher, da wir noch 4 Wochen gewiß
  22. hier bleiben, wenigstens 100 # herbekomme, damit ich die dringendeste Schuldig
  23. bezahlen und befreit zurückreisen kan — Ihre Wünsche gelingen durch
  24. mein rastloses Bemühen, jezt alle — laßen Sie mich und meine Kinder dafür
  25. nicht hunger erepirend —
  26. v Triebenfeld