Document 10 · Letter
4 March 1815
Vienna
Peter Friedrich von Triebenfeld, Councillor of War and Forests, Hohenlohe-Ingelfingen's agent → Prince Friedrich Ludwig of Hohenlohe-Ingelfingen
von Triebenfeld is surprised that his letters, mostly sent by way of Teichelmann, have not arrived, and intends to send a tracking slip after them. He says Stägemann has not yet made his report, but the Prince Chancellor gives the best assurances. He says he has handed the Polish matter over to the commission and expects estates rather than money for it. He passes on war news and rumours, wonders at Prince August's delay in revoking the power of attorney, and encloses a letter to Eberhard.
v. Triebenfeld wundert sich, dass seine Briefe, meist über Teichelmann geschickt, nicht angekommen sind, und will ihnen einen Laufzettel nachsenden. Stägemann hat noch keinen Vortrag gehalten, der Fürst Kanzler aber gibt beste Versicherungen. Die polnische Angelegenheit hat er der Commission übergeben und erwartet dafür Güter statt Geld. Er berichtet Kriegsnachrichten und Gerüchte, wundert sich über das Zögern von Fürst August, die Vollmacht zu widerrufen, und legt einen Brief an Eberhard bei.
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- Durchlauchtigster Fürst,
- Gnädigster Herr!
- Ewr Durchlaucht höchst verehrtes Schreiben vom 24ten v. M. erhielt ich nächſt den Beilagen geſtern
- Abend. Mein Erſtaunen war groß als ich daraus erſahe, daß meine Briefe dorten nicht ein
- gegangen sind — Ich werde heute Nachfragen und dem Post Direktor Mann einen Lauf Zeddel
- nach senden laßen. Ich ſchreibe jede Woche 2 mahl und stets ſandte ich meine Briefe
- die mehresten mahle an Teichelmann — Es sind bedeutende Nachrichten darin
- Übrigens hoffe ich ſoll mein Aufenthalt hier nicht mehr ſo ſehr lange dauren und eben ſo
- gewiß hoffe ich soll mein Bemühen nicht ohne Erfolg bleiben — H. p. Stäge-
- mann hat zwar noch keinen Vortrag gemacht — aber ich glaube ohne ihm zu reussiren
- Der Fürst Kanzler hat noch gestern die beste Versicherungen gegeben und äußerst
- günstig von Ewr Durchlaucht Sachen geſprochen — Er will abholet Ewr Durchlaucht Sache
- aufs Beste ordenen noch ehe er hier abgeht.
- Die Pohlnische Angelegenheit habe ich der Commission nun übergeben — beigehendes pro
- Memoria beweiſet die Berechnung welche ich gemacht habe — dafür werden Euer durch
- laucht nun wohl Güter, erhalten — den das Geld wird zum Kriege gebraucht.
- Erzwingen läst sich hier durchaus nichts — Es gehört mehr als Engels Geduld dazu um über das
- einige Harren und warten nicht wahnsinnig zu werden. Beſonders wenn man Hungern
- muß. Der Krieg, und zwar der gröste der je gewesen ist, ist seinen Ausbruch
- nahe, alles eilt Frankreichs Gränzen zu — Das Kayserliche Haupt Quartier wird
- in Ulm über eine Armee von 200000 Mann sein. Unseres Königes in Frankfurth
- Weiter hin am Rhein die Hessen, Hannoveraner, und Holländer nebst den kleinern
- Contingents, oben an der Schweiz 200000 Ruſten, 30000 Schweizer 40000 Bauern um
- 20000 Würtemberger und Badener — Nach Italien gehen 120000 Osterreichen
- H. Marat iſt ſchön im Italien eingedrungen, und der Pabſt nach Boulonga geflüchtet.
- Über den Pirinaen marſchien dermalen ſchon 100000 Spanier und Parteigieſen
- dagegen schleppt Napoleon die ganzen Canaille unter tausend Vorspiegelungen zusammen
- Gewiß werden, wann der große Feld Herr Hunger — es verſtattet, diesmahl mehr
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Durchlauchtigster Fürst,
Gnädigster Herr!
Ewr Durchlaucht höchst verehrtes Schreiben vom 24ten v. M. erhielt ich nächſt den Beilagen geſtern Abend. Mein Erſtaunen war groß als ich daraus erſahe, daß meine Briefe dorten nicht ein gegangen sind — Ich werde heute Nachfragen und dem Post Direktor Mann einen Lauf Zeddel nach senden laßen. Ich ſchreibe jede Woche 2 mahl und stets ſandte ich meine Briefe die mehresten mahle an Teichelmann — Es sind bedeutende Nachrichten darin Übrigens hoffe ich ſoll mein Aufenthalt hier nicht mehr ſo ſehr lange dauren und eben ſo gewiß hoffe ich soll mein Bemühen nicht ohne Erfolg bleiben — H. p. Stägemann hat zwar noch keinen Vortrag gemacht — aber ich glaube ohne ihm zu reussiren Der Fürst Kanzler hat noch gestern die beste Versicherungen gegeben und äußerst günstig von Ewr Durchlaucht Sachen geſprochen — Er will abholet Ewr Durchlaucht Sache aufs Beste ordenen noch ehe er hier abgeht.
Die Pohlnische Angelegenheit habe ich der Commission nun übergeben — beigehendes pro Memoria beweiſet die Berechnung welche ich gemacht habe — dafür werden Euer durch laucht nun wohl Güter, erhalten — den das Geld wird zum Kriege gebraucht. Erzwingen läst sich hier durchaus nichts — Es gehört mehr als Engels Geduld dazu um über das einige Harren und warten nicht wahnsinnig zu werden. Beſonders wenn man Hungern muß. Der Krieg, und zwar der gröste der je gewesen ist, ist seinen Ausbruch nahe, alles eilt Frankreichs Gränzen zu — Das Kayserliche Haupt Quartier wird in Ulm über eine Armee von 200,000 Mann sein. Unseres Königes in Frankfurth Weiter hin am Rhein die Hessen, Hannoveraner, und Holländer nebst den kleinern Contingents, oben an der Schweiz 200,000 Ruſten, 30,000 Schweizer 40,000 Bauern um 20,000 Würtemberger und Badener — Nach Italien gehen 120,000 Osterreichen
H. Marat iſt ſchön im Italien eingedrungen, und der Pabſt nach Boulonga geflüchtet. Über den Pirinaen marſchien dermalen ſchon 100,000 Spanier und Parteigieſen dagegen schleppt Napoleon die ganzen Canaille unter tausend Vorspiegelungen zusammen Gewiß werden, wann der große Feld Herr Hunger — es verſtattet, diesmahl mehr
- den 1200000 Menschen gegen einander streiten — Nach den Äußerungen des K[aiser]. A[lexander].
- ſoll nichts geſchont werden, ſondern der Gräuel der Verwüstung alle Wege hauſen:
- Eine Hoffnung belebt noch dem Friede liebenden Theile — Mann rechnet auf innere
- Unruhen in Frankreich — So soll nach der heutigen Sage, sich auch Massena als ein Prätandens
- zur Crone Frankreichs erklärt haben und ſich zur erreichung dieſes Zweckes eine
- Armee bilden. Mann glaubt daher daß das Volck, wenn ſie ſolchen Ernst ſehen, bald
- den Donquischott überdrüßig und ihm selbst überliefern werden.
- Dies sind die heutigen Neuigkeiten — über die Würtemberger Angelegenheiten habe ich
- in meine vorigen Briefen alles gemeldet. Die Sache wird auf Verlangen des Congresses
- gut ausgehen. Über Fürst August wundere ich mich daß er einen Augenblick noch
- Anstand nimt die p Vollmacht zu revoziren — ich muß darüber mein Urtheil bis
- kendiren. Beigehenden Brief geruhen Ewr Durchlaucht dH. H. C. Eberhard zusenden
- zu laßen. Sein Anheimen, daß ihm der F[ürst]. Hard: hieher einladen. Geld
- einen Vorſpann Paß ſchicken ſolle — kan nie ſtatt finden — der Vergleich dürfte
- wohl ohne dies zu Stande kommen, und zu lezt muß der König zahlen. — Indes wird sich
- alles beßer abmachen laßen, als man glaubt — Gedulden Sie sich nur noch
- kurze Zeit — Es ist alles zu verworren und mann hat die Gnädiger Herr zu sehr
- unstribt. Gott erhalte Ewr Durchlaucht nur gesund — Freude wird
- er Ihnen auch noch gewähren —
- In Ehrfurcht ersterben
- Ewr Durchlaucht
- Wien d. 4ten Merz 1815
- treu gehorſamſter Diener
- v Triebenfeld
den 1,200,000 Menschen gegen einander streiten — Nach den Äußerungen des K[aiser]. A[lexander]. ſoll nichts geſchont werden, ſondern der Gräuel der Verwüstung alle Wege hauſen: Eine Hoffnung belebt noch dem Friede liebenden Theile — Mann rechnet auf innere Unruhen in Frankreich — So soll nach der heutigen Sage, sich auch Massena als ein Prätandens zur Crone Frankreichs erklärt haben und ſich zur erreichung dieſes Zweckes eine Armee bilden. Mann glaubt daher daß das Volck, wenn ſie ſolchen Ernst ſehen, bald den Donquischott überdrüßig und ihm selbst überliefern werden. Dies sind die heutigen Neuigkeiten — über die Würtemberger Angelegenheiten habe ich in meine vorigen Briefen alles gemeldet. Die Sache wird auf Verlangen des Congresses gut ausgehen. Über Fürst August wundere ich mich daß er einen Augenblick noch Anstand nimt die p Vollmacht zu revoziren — ich muß darüber mein Urtheil bis kendiren. Beigehenden Brief geruhen Ewr Durchlaucht dH. H. C. Eberhard zusenden zu laßen. Sein Anheimen, daß ihm der F[ürst]. Hard: hieher einladen. Geld einen Vorſpann Paß ſchicken ſolle — kan nie ſtatt finden — der Vergleich dürfte wohl ohne dies zu Stande kommen, und zu lezt muß der König zahlen. — Indes wird sich alles beßer abmachen laßen, als man glaubt — Gedulden Sie sich nur noch kurze Zeit — Es ist alles zu verworren und mann hat die Gnädiger Herr zu sehr unstribt. Gott erhalte Ewr Durchlaucht nur gesund — Freude wird er Ihnen auch noch gewähren —
In Ehrfurcht ersterben
Ewr Durchlaucht
Wien d. 4ten Merz 1815
treu gehorſamſter Diener
v Triebenfeld

