Traces in the Sand

Document 55 · Letter

12 April 1809

Wrocław (Breslau)

Peter Friedrich von Triebenfeld, Councillor of War and Forests, Hohenlohe-Ingelfingen's agent → Prince Friedrich Ludwig of Hohenlohe-Ingelfingen

Triebenfeld reports that van der Lahr is now proceeding against him in Wrocław as well. He is waiting for 1,000 Centner of iron at Konotop. On the Colonna inheritance for the Queen, he says Count Götzen can serve as a witness, but advises restraint because of Count Wratislaw. Triebenfeld proposes that the Queen should take the estates, worth about 3 million, and leave Wratislaw the money. For Götzen he has drafted a letter to the Queen. With this, war news and Bethusy's debts of about 500,000 Rthl.

One line per manuscript line, with broken words hyphenated and stray break marks removed. Editorial decisions are set out in About the edition.
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  1. 55
  2. Durchlauchtigster Fürst,
  3. gnädigſter Fürſt und Herr!
  4. In diesem Augenblick als ich von Glatz retournire finde ich Ewer Hochfürstliche Durchlaucht beide
  5. Schreiben vom 7 ten und 9t d. nebst Beilagen vor —
  6. daß mich van der Lahr nun auch hier attaquirt haben Ewr Hochfürstliche Durchlaucht aus Rho[?]ens
  7. Schreiben ersehen — was ich dabey leide können nur Höchſt Sie bey den Ihnen eigenen Höcht
  8. ſanfte Gefühlen empfinden. — Indes wird auch dieſer Teich geleert werden — wenn nur bald
  9. die 1000 Centl. Eyſen in Kontop ſind. Die Papiere fallen jezt ſehr und dieſ erſchwert meinen
  10. Kummer inzwiſchen zeigt dies ſniken Ewr Durchlaucht ſo wie auch mir eine frohe Zukunft
  11. wenn ich nur diese Sorgen beseitiget habe, dan wird uns das was uns jezt dünckt hernach
  12. 3 fachen Gewinn gewähren.
  13. Graf Götzen empfiehlt ſich zu Gnaden freut ſich über die Colonnasche Sache und kan ſelbſte
  14. Zeugen abgeben — daß ihm Colonna gesagt —
  15. Er habe die Königin als Tochter angenommen, und ihr ſein ganzes Haabe bis auf einigen
  16. Legate vermacht —
  17. Übrigens hat Hoffrath Hahn recht wenn er sagt das Testament ist zur Erhebung der
  18. Erbschaft für der Königin nicht legal genug — Aber nach dem Urtheil eines Klagen
  19. Rechts Freundes kan der Karten leicht zerhauen werden, und dies soll meine Sache
  20. sein. Solte indes der Teichulman die Unterschlagung des Original Testamentes bekennen,
  21. dann wären alle Fehden gehoben — daß ein Testament zu Gunsten der Königin existirt
  22. hat wißen viele Menschen, ſelbſt Gratschreiber, hat vor etwan 3 Wochen hier öf-
  23. fentlich erzählt —
  24. daß Reibnitz und die Regierungs Räthe in Brieg alle gehängt werden müßten,
  25. daß sie die Erbschaft unrecht mäßigen Erben ausgeliefert hätten. Er allein würde
  26. ein Ey dem Gastheim im Neste legen, daß eine Geburt hervorbringen solle die
  27. ihm alles zernagen solle — Es existire ein Testament was nur er, wieße wo es sey.
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  1. Indes haben Ewer Durchlaucht die Ihrem vermachten oder logirten 100000 rthlr schon so gut als
  2. im Sache, den nach dem Landrecht
  3. steht § 165 Tit XII. Th. I fast
  4. "Legate, welche den zwanzigsten Theil des Nachlaßes wahrscheinlich, oder nach der Ver-
  5. sicherung des Erblaßers, nicht übersteigen, können durch eigenhändig geschriebene und
  6. unterſchriebene Codicille, ohne gerichtliche Übergabe verordnet werden."
  7. Da nun Ihre 10000 rt, so wie auch die andern legate den 20 sten ja kaum den 30sten
  8. Theil übersteigen, so steht Ihnen Gnädigster Fürst und Herr schon nichts mehr in Wege.
  9. weil 20 Zeugen die Unterschrift des Colonna anerkennen und beschwören.
  10. Mann könte, wann sich der dumme Bardthe nicht hätte ins Bockshorn jagen laßen, und seine
  11. 50000 rt entsagt hätte, einen ſchönen Revach gemacht haben. Noch gebe ich dem Gedanken auch
  12. nicht auf — Wann Sie ihm gnädigster Fürst und Herr errathen, so bewahren Sie ihm als
  13. das tiefste Geheimnis bis ich zurük komme. Ich bitte sehr darum —
  14. Was dem PostMeister Schulz in Strelitz anbetrift, so halte ich den Kerl vor einem
  15. Windbeutel. Der E. behauptete daß das Anonime Schreiben vom Bardtke und
  16. der Brief deßen Hand sey — Das ist nicht wahr, die Gräfin Henckel auf
  17. Schimanowitz hat den Brief geschrieben und alles an der Fürſtin Sacken geſchickt
  18. Es ist das Henckelsche Waapen und der Gräfin ihre Hand — Sie hatt die Papiere
  19. vom Jungen Harraszowski der viel in Ihren Hause, und gerne von ihr gesehen ist.
  20. Sie hatte als Anverwandte mit sehr auf einen Theile des Colonnaſchen Nachlaßes gerechnet —
  21. Jezt will sie sich rächen — Es sollen aus dieser Quelle noch viele Nachrichten zu schöpfen seyn.
  22. Sie geruhen, gnädigster Fürst und Herr Sich zu überzeugen, daß ich glücklicher im Auffinden
  23. bei als Sie — ich bin auch gewis daß ich alles am erwünschten Ziele bringen werde,
  24. Nur eine Sache beunruhiget mich. Der Graf Götzen wünscht sehr, daß man diese Erbschafts Angen
  25. legenheit jezt nicht mit zu großer Heftigkeit betreiben möchte. weil dadurch der Gräf Wra-
  26. tislaw, der mit dem Erz Bischoff von / ich glaube Bruna / alles über den Kayser vermag, und
  27. diesen ganz nach unsern Willen leitet, aigrirt, und der großen Sache schädlich werden könte.
  28. Gr. Götzen bittet die Erbschafts Sache noch ein paar Wochen hinzuhalten, bis man erst wiße, was
  29. Unser Höst für eine Parthie nehmen wird. Er findet es recht, daß man es der Königin
  30. bald melden müße, aber er räth alle Behutsamkeit an, ehe man die Sache nicht mit
  31. Eclat zur Publizität bringen kan.
  32. Ich habe nun den Vorschlag gemacht — die Königin nimmt die Güter die a 4 pc gerechnet
  33. an 3 Millionen werth sind — und die Gastheim haben solte — Kan Wratislaw so viel würken
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  1. ſo läßt man dem das Geld wovon noch die Legata berichtiget werden müßen.
  2. auf der Art wäre alles beseitiget, Wratislaw nicht nur beruhiget, sondern er
  3. müste es für ein Gnade der Königin ansehen, daß sie ihm an 600000 baar ließe.
  4. Güter und Bestände müste Gastheim zurückgewähren, auch Reibnitz Gärtner und Gebüh-
  5. ter die 150000 rt wieder vom sich geben.
  6. Ich habe Graf Götzen ein Schreiben an der Königin aufgesezt, worin er ihr zu
  7. der Erbschaft Glück wünscht, übrigens ihr seine Besorgniße wegen den Wratislaw
  8. Mittheilt um den vorgenannten Vorschlag macht. Er schlägt dabey vor, daß die
  9. Königin Seinen Vorschlag Ewr Durchlaucht Prüfung unterwerfen mögte, weil höchst
  10. dieselben dorten durch Ihren Herrn Bruder auch sonstigen Bekannte, die Gesinnungen
  11. der am Österreichſchen Ruder ſizzenden Großen genau über dieſe Sache erforſchen
  12. laßen könten. Graf Götzen hat mir versprochen dies Schreiben morgen per Ordonanz
  13. zu zu ſchicken, ich traf ihm geſtern früh ſchon unter Glatz wo er nach Liegnitz eilte
  14. um einen Excell zu untersuchen, und eine Sache zu beſeitigen die von günſtigen Folgen
  15. sein könte. Sobald ich das Schreiben vom Grafen habe gehn ich mit allem Waffen
  16. versehen, nach Königsberg ab — Gebe nur der Himmel daß das Eysen zur rechten
  17. Zeit in Kontop eintrift, außerdem müßte ich wie eine demontirte Lauvun[?]
  18. unthätig liegen bleiben, und mich van der Lahr seine Handlanger bewachen laßen;
  19. Politische Nachrichten ſind hier mancherley — der Krieg zwischen Frankreich um Öſterreich
  20. iſt declarirt, von unſerer Seite will / was ich aus ſichern Quellen habe / man das Spiel
  21. so lange ansehen bis die Öſt. Truppen an der Elbe ſtehen, dan wird man die ferner
  22. Zahlung der Contribution zuerst verweigern, und ſich fernerweit erklären.
  23. Ohne Brint zu erregen wird mit Organisirung der Armen bey uns vorgeschritten
  24. ehe indes nicht Parthie genommen ist soll man sehr behutsam zu Werke gehen,
  25. Heute heiß es hier allgemein, daß Rüchel, wann der König Theil am Kriege
  26. nimt, das Comando in Schlesien haben soll — Er ist bey seiner Schwägerin
  27. zu Cossar unter Crossen angekommen, wo er sich so lange in Geheim aufhalten
  28. wird, bis er die Ordres vom König erhält, nach welchen er sogleich alle Vestung
  29. in Schlesien und die Gränzen bereisen wird.
  30. Ein unter seinen Regiment gestandener Officier ist mit ihm zu Cossar, und
  31. Jezt hier angekommen, der diese Neuigkeiten ausposaunt hat —
  32. zur Ehre der Menschheit mag ich diese Radotiere nicht glauben
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  1. v Massow hat vor 4 Wochen abermahls um seinen Abſchied geſchrieben, weil man
  2. ihm ſo beſchränkt und dem Graf Dohna untergeordenet hat, daß er
  3. auch nicht einmahl einen Vorspann Paß geben kan — Wie nun der Krieges
  4. Rath Merckel, der vorgestern von Königsberg zurückgekommen ist, versichert,
  5. so wird Massow den Abschied mit dem Bemerken erhalten —
  6. daß er indes so lange dienen müße, bis ein anderes, zu diesen Posten
  7. sich qualifizirendes Subject gefunden habe.
  8. Wann Geil und Jgn. nicht einen zu starken Damm ziehen, so dürfte die Hoffnung, Hard: hier
  9. zu sehen aufs neue Belebt werden.
  10. In tiefſter Ehrfurcht erſterbe
  11. Ewr Hochfürstliche Durchlaucht
  12. Bethusy liegt in Matzdorff sehr krank
  13. ich habe indes an ihm geschickt und ihm
  14. gefragt, ob er hinter mir her nach
  15. Kontop kommen wolle — ich erwarte
  16. seine Antwort — Auf seine sämtliche
  17. Güter haften an 500000 rt Schulden —
  18. Sie sollen aber unter Brüdern 1 Million rt
  19. werth sein — das aber bedarf einer
  20. vernünftigen Recherche
  21. Breslau
  22. d 12ten April
  23. 1809.
  24. treu gehorsamster Diener
  25. v Triebenfeld