Document 30 · Letter
14 March 1808
Berlin
Peter Friedrich von Triebenfeld, Councillor of War and Forests, Hohenlohe-Ingelfingen's agent → Prince Friedrich Ludwig of Hohenlohe-Ingelfingen
Triebenfeld reports that French gendarmes held him under arrest as general attorney until the arrears of interest of 5,000 Rthl on the 50,000 Rthl of the Invalids' Fund were paid. Oppenheimer, who had taken on the payment, bought himself free. Zastrow stood surety for 5,000 Rthl, to be repaid by 1 June. Triebenfeld urgently asks for the return of the order for 6,000 Rthl assigned to Eysenhardt, so that he can redeem his pledged mortgage of 10,000. Zastrow is pressing the French authority for the return of the Trąbczyn estates.
Triebenfeld berichtet, dass französische Gendarmen ihn als Generalbevollmächtigten unter Arrest hielten, bis die rückständigen Zinsen von 5000 Rthl auf die 50000 Rthl der Invaliden Casse bezahlt waren. Oppenheimer, der die Zahlung übernommen hatte, kaufte sich los. Zastrow bürgte für 5000 Rthl, die zum 1. Juny zurückzuzahlen sind. Triebenfeld bittet dringend um Rücksendung der an Eysenhardt zedierten Anweisung auf 6000 Rthl, um seine verpfändete Hypotheque von 10000 auszulösen. Zastrow betreibt bei der französischen Behörde die Rückgabe der Trąbczyner Güter.
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- Abschrift
- Euer Hochfürstlichen Durchlaucht höchst gnädiges Schreiben habe ich
- hier in Berlin erhalten, längſt hätte ich ſelbiges ſchon
- beantwortet, wenn ich nicht unter Franz-strenger Bewa-
- chung arretirt gewesen wäre. Ein Schiksal, was ich nie ver-
- dient habe, und was meine bürgerliche Existenz um sehr
- ſchiefe Richtung gegeben hat.
- Ich ward Ende Decembre von Memel mit wichtigen
- Aufträgen hieher gesandt, und ich war schon dem Ziele
- meiner Wünsche nahe, um bald wieder abgehen
- zu können, als mir ohne es zu ahnden, zwey Franz.
- Gendarmes ins Logis mit der Ordre geschikt wurden,
- "daß sie mich unter strenger Aufsicht und Arrest
- halten sollten, bis ich als General Bevollmäch-
- tigter des Herrn Fürsten zu Hohenlohe, sämmtlich
- rückständige Zinsen für die aus der Invaliden
- Casse geborgt, 50000 rtl. bezahlt haben würde."
- Schreck und Schande über diesen Vorfall hätten mich bey-
- nahe zu den verzweifelsten Entschluß gebracht, die rük-
- ständigen Zinsen betrügen von 2 Jahren 5000 rt, wo
- sollte ich diese bey dem schrecklichen Geldmangel hernehmen,
- um seinehe, da keine Königl. Cassen hier, und alle
- Einnahmen in den Händen der Franz-Behörden sind.
- Ich bewies mit allen Juristen, daß ich nicht der Schuld-
- ner sey. Ich zeigte das gerichtliche Instrument vor,
- daß der Banquier Oppenheimer diese Post gegen einen
- Rabatt von 7 pc: schon vor 3 Jahren an der Invaliden
- Casse zu bezahlen übernommen, daß er es auf seinem
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Abschrift Euer Hochfürstlichen Durchlaucht höchst gnädiges Schreiben habe ich hier in Berlin erhalten, längſt hätte ich ſelbiges ſchon beantwortet, wenn ich nicht unter Franz-strenger Bewachung arretirt gewesen wäre. Ein Schiksal, was ich nie verdient habe, und was meine bürgerliche Existenz um sehr ſchiefe Richtung gegeben hat.
Ich ward Ende Decembre von Memel mit wichtigen Aufträgen hieher gesandt, und ich war schon dem Ziele meiner Wünsche nahe, um bald wieder abgehen zu können, als mir ohne es zu ahnden, zwey Franz. Gendarmes ins Logis mit der Ordre geschikt wurden, "daß sie mich unter strenger Aufsicht und Arrest halten sollten, bis ich als General Bevollmächtigter des Herrn Fürsten zu Hohenlohe, sämmtlich rückständige Zinsen für die aus der Invaliden Casse geborgt, 50,000 rtl. bezahlt haben würde." Schreck und Schande über diesen Vorfall hätten mich beynahe zu den verzweifelsten Entschluß gebracht, die rükständigen Zinsen betrügen von 2 Jahren 5,000 rt, wo sollte ich diese bey dem schrecklichen Geldmangel hernehmen, um seinehe, da keine Königl. Cassen hier, und alle Einnahmen in den Händen der Franz-Behörden sind. Ich bewies mit allen Juristen, daß ich nicht der Schuldner sey. Ich zeigte das gerichtliche Instrument vor, daß der Banquier Oppenheimer diese Post gegen einen Rabatt von 7 pc: schon vor 3 Jahren an der Invaliden Casse zu bezahlen übernommen, daß er es auf seinem
- Stamen, eintragen laßen, und daß dieser zahlen müße.
- Ich bewies ferner, daß Selbſt E: Durchl. durch 2 Jahre
- keinen denia aus den Gütern erhoben hätte, und daß
- sich die Pohlen hinter die von Napoleon gegebene Ordre
- verſtekten hieher nichts zu zahlen. Alles dieſes aber
- half nichts, der Jude in Freyheit kaufte sich los, und
- ich mußte ſitzen, bis Rath geſchaft wurde. Ich hatte
- 2000 rtl. bey mir, der biedere Gen[eral]: Lieut[enant] u. Minister
- v. Zastrow verbürgte ſich von 5000 rtl Papier Geld
- die wir dann in Courant umsetzten und dafür 2875 rt
- erhielten, wofür wir aber 5000 rtl Courant auf
- den 1t. Juny wieder bezahlen müßen, ehe nicht der
- lezte Heller bezahlt war, eher ward ich auch der
- Execution nicht los und meines Arrestes entlassen.
- Inzwischen ist durch diese Geschichte meine Ehre, Ansehe
- und Credit nicht nur geschmälert, sondern das höchste
- Interesse ist dergestalt verabsäumet, daß es nie zu
- redressiren ist. Ich kann mich jezt nun Ehrenhalber
- nicht entfernen von hier, bis ich wegen den 5000 rt
- nebst Interessen und Kosten Rath geschaft habe, denn
- dem redlichen Minister v. Zastrow kann ich keine
- Unannehmlichkeiten erwachsen laßen. Inzwiſchen
- weis ich nur keinen andern Rath als daß Euer Durchl.
- mir auf das baldigste die Banke Anweisung auf
- 6000 rt, die Höchst Sie an Eysenhardt cedirt haben,
Stamen, eintragen laßen, und daß dieser zahlen müße. Ich bewies ferner, daß Selbſt E: Durchl. durch 2 Jahre keinen denia aus den Gütern erhoben hätte, und daß sich die Pohlen hinter die von Napoleon gegebene Ordre verſtekten hieher nichts zu zahlen. Alles dieſes aber half nichts, der Jude in Freyheit kaufte sich los, und ich mußte ſitzen, bis Rath geſchaft wurde. Ich hatte 2,000 rtl. bey mir, der biedere Gen[eral]: Lieut[enant] u. Minister
v. Zastrow verbürgte ſich von 5,000 rtl Papier Geld die wir dann in Courant umsetzten und dafür 2,875 rt erhielten, wofür wir aber 5,000 rtl Courant auf den 1t. Juny wieder bezahlen müßen, ehe nicht der lezte Heller bezahlt war, eher ward ich auch der Execution nicht los und meines Arrestes entlassen. Inzwischen ist durch diese Geschichte meine Ehre, Ansehe und Credit nicht nur geschmälert, sondern das höchste Interesse ist dergestalt verabsäumet, daß es nie zu redressiren ist. Ich kann mich jezt nun Ehrenhalber nicht entfernen von hier, bis ich wegen den 5,000 rt nebst Interessen und Kosten Rath geschaft habe, denn dem redlichen Minister v. Zastrow kann ich keine Unannehmlichkeiten erwachsen laßen. Inzwiſchen weis ich nur keinen andern Rath als daß Euer Durchl. mir auf das baldigste die Banke Anweisung auf 6,000 rt, die Höchst Sie an Eysenhardt cedirt haben,
- zurückschiken, damit ich die dafür verſezte Kontazen
- Hypotheque von 10000 von der Besitz zurück nehmen
- und mir dadurch helfen kann. E. Durchl. geruhen
- aber die Anweisung ja an mir zu geriren
- oder selbst darauf zu vermerken, daß
- Sie kein Geld darauf gehoben, und ſolche zurück
- ſendeten. Ich werde dann ſofort auf die Zurückgabe
- meiner Hypotheque dringen, und hoffe ich dagegen
- das Geld hier von einer gewißen Generalin von
- Blucher zu erhalten, um dem Banquier oder baar
- zu befriedigen. Der edle Minister v. Zastrow arbeitet
- mit mir bey der Franz: Behörde, daß E. Durchl. die
- Trąbczyner Güter zurükgegeben werden, und wäre
- mir nicht dieser schändliche Vorfall begegnet, so wäre
- ich ſchon in Petersburg ſeit der Zeit geweſen, und hätte
- dorten durch den Grosfürsten vieles bewürken können.
- In der zuverſichtlichen Hofnung ſehr baldiger Ge-
- währung, meiner überaus dringenden Bitte
- erſterbe ich
- E. Durchl.
- Berlin
- d. 14. März.
- 1808.
- unterthäniger Diener
- v. Triebenfeld
zurückschiken, damit ich die dafür verſezte Kontazen Hypotheque von 10,000 von der Besitz zurück nehmen und mir dadurch helfen kann. E. Durchl. geruhen aber die Anweisung ja an mir zu geriren oder selbst darauf zu vermerken, daß Sie kein Geld darauf gehoben, und ſolche zurück ſendeten. Ich werde dann ſofort auf die Zurückgabe meiner Hypotheque dringen, und hoffe ich dagegen das Geld hier von einer gewißen Generalin von Blucher zu erhalten, um dem Banquier oder baar zu befriedigen. Der edle Minister v. Zastrow arbeitet mit mir bey der Franz: Behörde, daß E. Durchl. die Trąbczyner Güter zurükgegeben werden, und wäre mir nicht dieser schändliche Vorfall begegnet, so wäre ich ſchon in Petersburg ſeit der Zeit geweſen, und hätte dorten durch den Grosfürsten vieles bewürken können. In der zuverſichtlichen Hofnung ſehr baldiger Gewährung, meiner überaus dringenden Bitte erſterbe ich
E. Durchl. Berlin
d. 14. März. 1808.
unterthäniger Diener
v. Triebenfeld


