Document 287 · Letter
13 April 1815
Vienna
Peter Friedrich von Triebenfeld, Councillor of War and Forests, Hohenlohe-Ingelfingen's agent → Prince Friedrich Ludwig of Hohenlohe-Ingelfingen
Triebenfeld complains that the letter of 3 April lay unsealed with the Post Director and was probably read. He welcomes Prince Adolph's decision and intends, before the King's departure, said to be on the 18th, to lay the decision before him and to ask where Adolph is to go and which uniform he should wear. Beguelin gave Lombardini's letter to the Chancellor; Triebenfeld does not show Hahn's threatening letter. He reports on the armaments against Bonaparte and rejects the reproaches about the money sent.
Triebenfeld beklagt, dass der Brief vom 3ten Aprill unverschlossen beim Post Director lag und wohl gelesen wurde. Er begrüßt Prinz Adolphs Entschluss und will vor der Abreise des Königs, angeblich am 18ten, diesem den Entschluss vortragen und fragen, wohin Adolph kommen und welche Uniform er tragen soll. Beguelin gab Lombardinis Schreiben dem Kanzler, Hahns drohendes Schreiben zeigt Triebenfeld nicht. Er berichtet über die Rüstungen gegen Bonaparte und weist die Vorwürfe wegen des geschickten Geldes zurück.
- 287
- Durchlauchtigster Fürst
- Gnädigster Herr!
- Ewr Durchlaucht Höchst verehrtes Schreiben vom 3ten Aprill erhielt ich heute früh. Ungarn
- ſahe ich es daß der Brief an mich nicht couvertirt wer, er lag blos in der Enveloppe
- am Post Director Mann, natürlich entsiegelte der ihn und trotz der Verſicherung
- hat er ihm gewiß gelesen — selbst B[arbe] war das höchst unlieb — den nicht jeden
- läßt man ſich in der Charte kublen — Kurz es war fatal —
- Nun zur Sache, wegen P[rinz]. Adolphs Entschluß hatte ich so eben ein Schreiben
- beinahe fertig um Ewr Durchlaucht dies zu rathen — Gott sey dank daß
- Wie sich in dem Gesinnungen begegneten — Mein einziger Wunsch ist das P
- Adolph dem König hier noch trift den wie es heißt geht der Königl. fort und
- der Fürst H bleibt noch hier um alles zu Arangern — Solte dies ja
- geſchehen, ſo gehe ich zum König und melde ihm Ewr Durchlaucht und des Adolphs
- Entschluß und frage ihm wohin er befiehlt daß ihm Adolph folgt, und auf
- welche Art er sich equiziren könne — Übrigens solte er kommen werde
- ich ihm schon ſagen was er zu thun hat. — f H und M H: Dürfen ſchon in keine
- Milit: Sachen eingemischt werden, daß wäre eine Sünde wieder den heiligen
- Geist — Es kan dadurch ein noch beßerer Zweck erreicht werden —
- Wolte Gott Adolph wäre ſchon hier —
- Nun zu Ihrer Sachen — Ihre Irrenrieden zerschneiden mein Herz, ich kann aber
- weder dem Fürsten noch jemanden zwingen die Sachen wo es um Millionen
- Menschen Wohl und Wech geht bey Seite zu legen und Ihre Angelegenheiten vor
- zu nehmen — Antwortet der Fürst auf Liende Bitte — Gott ich werde dem
- Mann, den ich wahrhaft Freund bin, gewiß ehe ich hier abgehe helfen, den muß
- ich und jeder Ihrer Freunde in Ehrfurcht verſtummen —
- Ich ſuche gewiß jeden Weg auf wo ich am Ziel zu gelangen mit zuversicht
- hofte — Nur in diesem Zeitpunkt durch man nicht ungerecht sein — Es weiß
- da alles aufs Spiel steht, gedacht werden — und er ist bey Gott der Einzige
287
Durchlauchtigster Fürst
Gnädigster Herr!
Ewr Durchlaucht Höchst verehrtes Schreiben vom 3ten Aprill erhielt ich heute früh. Ungarn ſahe ich es daß der Brief an mich nicht couvertirt wer, er lag blos in der Enveloppe am Post Director Mann, natürlich entsiegelte der ihn und trotz der Verſicherung hat er ihm gewiß gelesen — selbst B[arbe] war das höchst unlieb — den nicht jeden läßt man ſich in der Charte kublen — Kurz es war fatal — Nun zur Sache, wegen P[rinz]. Adolphs Entschluß hatte ich so eben ein Schreiben beinahe fertig um Ewr Durchlaucht dies zu rathen — Gott sey dank daß Wie sich in dem Gesinnungen begegneten — Mein einziger Wunsch ist das P Adolph dem König hier noch trift den wie es heißt geht der Königl. fort und der Fürst H bleibt noch hier um alles zu Arangern — Solte dies ja geſchehen, ſo gehe ich zum König und melde ihm Ewr Durchlaucht und des Adolphs Entschluß und frage ihm wohin er befiehlt daß ihm Adolph folgt, und auf welche Art er sich equiziren könne — Übrigens solte er kommen werde ich ihm schon ſagen was er zu thun hat. — f H und M H: Dürfen ſchon in keine Milit: Sachen eingemischt werden, daß wäre eine Sünde wieder den heiligen Geist — Es kan dadurch ein noch beßerer Zweck erreicht werden — Wolte Gott Adolph wäre ſchon hier — Nun zu Ihrer Sachen — Ihre Irrenrieden zerschneiden mein Herz, ich kann aber weder dem Fürsten noch jemanden zwingen die Sachen wo es um Millionen Menschen Wohl und Wech geht bey Seite zu legen und Ihre Angelegenheiten vor zu nehmen — Antwortet der Fürst auf Liende Bitte — Gott ich werde dem Mann, den ich wahrhaft Freund bin, gewiß ehe ich hier abgehe helfen, den muß ich und jeder Ihrer Freunde in Ehrfurcht verſtummen — Ich ſuche gewiß jeden Weg auf wo ich am Ziel zu gelangen mit zuversicht hofte — Nur in diesem Zeitpunkt durch man nicht ungerecht sein — Es weiß da alles aufs Spiel steht, gedacht werden — und er ist bey Gott der Einzige
- der Tag und Nacht denckt — Mir ist es genug, daß er Ewr Durchlaucht zu
- helfen betheuert. Ich leide gewiß mehr als Sie mit Ihren Umgebungen —
- daher mögte mir das Herz Bersten wenn ich Beilage der Art erhalte —
- Lombardini schrieb lezthin wie es paßend war — dH. G[eheime]. St. Rath
- von Beguelin / von welchen Ewr Durchlaucht nun Absolut eine Antwort
- haben müßen / nahm dies rührende Schreiben und gab es dem F Kanzler
- Es hat bey Gott seinen Zweck nicht verfehlt — des beiden Hahns Schreiben
- aber darf ich nach dem Urtheil beiderer Freunde gewiß nicht zeigen
- Es enthält Drohungen die selbst der Freund und biedern Mann nicht
- tolerirt — Ich erkenne den glühenden Eyfer des redlichen Hahns aber dies
- paßt auf der Bahn nicht —
- Es seyn hier Männer von Bedeutung schon 5 Monath aber noch solle
- Sie die erste Audienz haben — Wie und vieleicht seit Jahrhunderte gab es
- eine Epoque so wichtig als die jezzige —
- Die französische Sache ist jezt Sache der ganzen Nation — Millionen werde
- gegen einander stehen, — und General Hunger wird oft die größten
- Diversionen machen, daher wird Verzweiflung das Ruder führen —
- Ein Glück daß die Harmonie der Souverains fortdauert — Österreich
- Handelt gewiß groß und brav — dies hat sich schon in Italien bewährt.
- Aber am O Rhein sieht es noch sehr schlecht aus — was man von
- den Rußen denken soll weiß man nicht. — Ihr Marsch geht sehr schencken
- förmig — der K. Alt: scheint davon wenig Notiz zu nehmen, und denken-
- de Männer ſchätteten die Köpfe —
- Der Vice-König von Italien ist fort. Der Auftritt an, die war Bürger müßt
- gewürckt haben, wo einige den Kayser den Weg vertreten und ihnen
- fragen von er so vertraut mit einem solchen Verräther und Spitzbuben
- Arm in Arm öffentlich ſich bey Tag und Nacht herumtreiben können, ja
- wo der eine Bürger für beide aus sein und die Herren sich in ein Hauß
- retiren müßten — der Wicht ist auf seinen Ehren Wort nach Bayreuth gegangen,
der Tag und Nacht denckt — Mir ist es genug, daß er Ewr Durchlaucht zu helfen betheuert. Ich leide gewiß mehr als Sie mit Ihren Umgebungen — daher mögte mir das Herz Bersten wenn ich Beilage der Art erhalte — Lombardini schrieb lezthin wie es paßend war — dH. G[eheime]. St. Rath von Beguelin / von welchen Ewr Durchlaucht nun Absolut eine Antwort haben müßen / nahm dies rührende Schreiben und gab es dem F Kanzler Es hat bey Gott seinen Zweck nicht verfehlt — des beiden Hahns Schreiben aber darf ich nach dem Urtheil beiderer Freunde gewiß nicht zeigen Es enthält Drohungen die selbst der Freund und biedern Mann nicht tolerirt — Ich erkenne den glühenden Eyfer des redlichen Hahns aber dies paßt auf der Bahn nicht — Es seyn hier Männer von Bedeutung schon 5 Monath aber noch solle Sie die erste Audienz haben — Wie und vieleicht seit Jahrhunderte gab es eine Epoque so wichtig als die jezzige — Die französische Sache ist jezt Sache der ganzen Nation — Millionen werde gegen einander stehen, — und General Hunger wird oft die größten Diversionen machen, daher wird Verzweiflung das Ruder führen — Ein Glück daß die Harmonie der Souverains fortdauert — Österreich Handelt gewiß groß und brav — dies hat sich schon in Italien bewährt. Aber am O Rhein sieht es noch sehr schlecht aus — was man von den Rußen denken soll weiß man nicht. — Ihr Marsch geht sehr schencken förmig — der K. Alt: scheint davon wenig Notiz zu nehmen, und denkende Männer ſchätteten die Köpfe — Der Vice-König von Italien ist fort. Der Auftritt an, die war Bürger müßt gewürckt haben, wo einige den Kayser den Weg vertreten und ihnen fragen von er so vertraut mit einem solchen Verräther und Spitzbuben Arm in Arm öffentlich ſich bey Tag und Nacht herumtreiben können, ja wo der eine Bürger für beide aus sein und die Herren sich in ein Hauß retiren müßten — der Wicht ist auf seinen Ehren Wort nach Bayreuth gegangen,
- daß die Bürger Recht gehabt, hat sich nun bewährt und der König von Würtemberg
- hat Gelegenheit gehabt sich mit Caropin zu zeigen — die Sache war die —
- Ein Courir von Paris kommend eilt durch Stuttgart — der König erfährt es
- schnell genug. Läßt so fort den Kerl arretiren, und ihm die depechen
- abnehmen — Er entſiegelt sie und findet dabey den Brief von der Hortensia
- wo diese an den Eugen schreibt —
- "Continuez d’amusez notre imbécille —"
- Die Rede war vom Rußischen Kayser — der König zu Würtemberg schalte diese saubere
- Correspondence sogleich je Courir hier her der vorgestern hier einträft —
- welche Sensation diese Nachricht aber gemacht hat ist noch nicht bekannt — Die ver-
- schiedene Amusemente dauran fort, ohnerachtet Bonaparte schon an 300/m Mann
- Beisammen hat und Murat immer weiter vordringt — Ich fürchte, daß man
- ſeinen Feind zu gering ſchäzt, und daß die Rußiſchen Feldherrn dem Kriegweit
- hin auszudehnen wünschen, um ihre Raub und Haabssucht zugegangen —
- Mit einem Worte ist der allerthätigste Mann der Fürst Hardenberg, denn sorg
- und denkt der König gewiß mit seine Umgebungen über alles was das Mi-
- litair betrift ſind, wie es ſcheint ſo brennt der Haar vor Begierden dem
- Feind seinen rächenden Arm fühlen zu laßen — Der König geht von
- hier über Berlin nach Frankfurt am Mein — wenn glaubt gar daß
- er die Avant garde führen wird — das wäre doch wohl zu viel ge-
- wagt. Es ist unglaublich was der Herr brav ist — Allein ein Souverain
- solte sich doch wohl etwas schonen und nur bey seinen wahrhaft rühmen
- würdigen überblick des ganze im Auge behalten.
- Den Augenblick höhre ich daß der König den 18ten abgeht, geschieht das würklich so gehe ich
- vorher zu ihm und trage ihm Ewr Durchlaucht und Adolphs Entschluß vor und
- Bitte ihm zu bestimmen wohin Adolph kommen, und welche Uniform er sich
- machen laßen soll. Mann glaubt er wird ihm gewiß bey seine Garde
- nehmen, den ein junger rascher reicher und geschickter Mann ist was Seltenes
daß die Bürger Recht gehabt, hat sich nun bewährt und der König von Würtemberg hat Gelegenheit gehabt sich mit Caropin zu zeigen — die Sache war die — Ein Courir von Paris kommend eilt durch Stuttgart — der König erfährt es schnell genug. Läßt so fort den Kerl arretiren, und ihm die depechen abnehmen — Er entſiegelt sie und findet dabey den Brief von der Hortensia wo diese an den Eugen schreibt —
"Continuez d’amusez notre imbécille —" Die Rede war vom Rußischen Kayser — der König zu Würtemberg schalte diese saubere Correspondence sogleich je Courir hier her der vorgestern hier einträft — welche Sensation diese Nachricht aber gemacht hat ist noch nicht bekannt — Die verschiedene Amusemente dauran fort, ohnerachtet Bonaparte schon an 300/m Mann Beisammen hat und Murat immer weiter vordringt — Ich fürchte, daß man ſeinen Feind zu gering ſchäzt, und daß die Rußiſchen Feldherrn dem Kriegweit hin auszudehnen wünschen, um ihre Raub und Haabssucht zugegangen — Mit einem Worte ist der allerthätigste Mann der Fürst Hardenberg, denn sorg und denkt der König gewiß mit seine Umgebungen über alles was das Militair betrift ſind, wie es ſcheint ſo brennt der Haar vor Begierden dem Feind seinen rächenden Arm fühlen zu laßen — Der König geht von hier über Berlin nach Frankfurt am Mein — wenn glaubt gar daß er die Avant garde führen wird — das wäre doch wohl zu viel gewagt. Es ist unglaublich was der Herr brav ist — Allein ein Souverain solte sich doch wohl etwas schonen und nur bey seinen wahrhaft rühmen würdigen überblick des ganze im Auge behalten.
Den Augenblick höhre ich daß der König den 18ten abgeht, geschieht das würklich so gehe ich vorher zu ihm und trage ihm Ewr Durchlaucht und Adolphs Entschluß vor und Bitte ihm zu bestimmen wohin Adolph kommen, und welche Uniform er sich machen laßen soll. Mann glaubt er wird ihm gewiß bey seine Garde nehmen, den ein junger rascher reicher und geschickter Mann ist was Seltenes
- Ewr Durchlaucht sage, daß man über Frankreichs Schicksicht nun bald wird hell sehen können — Ich bewunderte
- daß Sie dorten gar keine Nachrichten haben. Über den Entschluß der Souverains ist nichts mehr zu sagen,
- der steht Felsen fest — jeder hat ſich erklärt wie viel Truppen er giebt und wenn ſie geſtellt ſein
- sollen. So giebt Österreich um Ober Rhein 200000 In die den 20ten May am Rhein stehen sollen und 130000
- Nach Italien wovon 48000 schon dorten stehen, Rußland giebt im Allen 270000 M — Preußen 200000 wovor nun
- ſehen über 8000 dorten stehen, Engeland giebt 76000 Mann — Hannover 30000 M, Spanien 100000
- Portugall nach den vorgestern abgeschloßen Tractat 30000 M Sardinien 30000, Dannemark
- 25000 M, beim 40000, Wurtemberg 20000, Holland 40000 M, Chur Heſſen hat sich ſo wie daran
- ſtadt noch nicht erklärt Sachsen muß 12000 M ſtellen — die Schweiz 30000 M. Mecklenburg
- die Hessischen Länder, Weimar Gotha und wie die Herrn alle heißen in 60000 — der Gr. Herzog von
- Baden soll 12000 Mann stellen — Er schreit aber daß er kein Geld hat — Schweden ist ganz still —
- das ganze Heer der verbündeten Beträgt nach den tractaten mäßigen Abkommen — 1307000 Mann
- dagegen steht, bis auf wenige Häuslein, ganz Frankreich — Von 20ten May ab soll alles in Frankreichen
- eindringen. Bonaparte iſt wie E. durchl. wiſten für Vogelfrey erklärt und ſeine Hißgeſellen oder
- sogenannte Marschälle als ehrlose Wühte mit ihm —
- Geſchont ſoll in Frankreich nichts werden. Dies hat der Rußen Kayser ſchon öffentlich erklärt —
- All gut wäre das aber das Zögern taugt nichts. — Kan der geächtete nicht wo das Prævenire spielen?
- und werden die Bonap[arte]: Hoorden nicht alle, da sie ihren Todt doch vor Augen sehen verzweyte und
- fechten? und was wird am Ende der Feldenerschall Hunger sagen? Deßen Maneuvres solte
- man doch wohl am meinsten fürchten — Aus Russland soll viel Getraide und Vieh kommen — Ich traue
- dem Wünschen Ministern und der Regierung nicht viel Guts zu — Sie werden hier alles wegräuben
- und unserer Truppen werden Noth leiden — Es heißt mann auch Bonaparte ausgeliefert würde
- so gehts doch in Frankreich hinein — Übrigens scheint dies alles, Pourtalès Ankunft
- hier zu behindern — Er hat noch weiter nichts von ſich höhren laßen — Geht es jezt nicht ſo er
- halten Sie Ihr Pappier so fort zurück — Eben so happerts jezt mit die Rohr Angelegenheiten — Fürst
- Radziwiłł geht nach Posen um die Huldigung einzunehmen um Zerboni geht mit ihm — Mann glaubt
- aber daß dies alles eine andere Geſtalt gewinnen wird — Die Pohlen fange ſehen an wieder
- sehr laut zu werden, und da wird manches einen andern Nahmen bekommen —
- Jedennoch werde ich höhren was der F. St[aats]. R[ath]. übermorgen für Trost in dieser Sache geben wird.
- daß endlich Ewr Durchlaucht dorten Noth leiden glaube ich und fühle es tausendfach
- den ich leide ſie mit dem Meinen mit — Ich habe weder rast noch Wohn um die Noth
- abzuhelfen, und hoffe daß mein Bemühen gelingen wird — aber die Vorblünten
- Vorwürfe / daß Sie Geld hergeschickt haben, daß sie die Geduld verliehren / das mag
- mich nicht mehr behagen — Ich verliehre gewiß 10 mahl mehr als Sie geschickt haben —
- und noch halte ich an der Geduld, um Sie mein Fürst zu retten, was auch in kurzen
- geſchehen wird — In tiefſter Hochachtung verharre
- Ewr Durchlaucht
- Wien d. 13ten Aprill
- 1815.
- unterthäniger Diener
- v Triebenfeld
Ewr Durchlaucht sage, daß man über Frankreichs Schicksicht nun bald wird hell sehen können — Ich bewunderte daß Sie dorten gar keine Nachrichten haben. Über den Entschluß der Souverains ist nichts mehr zu sagen, der steht Felsen fest — jeder hat ſich erklärt wie viel Truppen er giebt und wenn ſie geſtellt ſein sollen. So giebt Österreich um Ober Rhein 200,000 In die den 20ten May am Rhein stehen sollen und 130,000 Nach Italien wovon 48,000 schon dorten stehen, Rußland giebt im Allen 270,000 M — Preußen 200,000 wovor nun ſehen über 8,000 dorten stehen, Engeland giebt 76,000 Mann — Hannover 30,000 M, Spanien 100,000 Portugall nach den vorgestern abgeschloßen Tractat 30,000 M Sardinien 30,000, Dannemark 25,000 M, beim 40,000, Wurtemberg 20,000, Holland 40,000 M, Chur Heſſen hat sich ſo wie daran ſtadt noch nicht erklärt Sachsen muß 12,000 M ſtellen — die Schweiz 30,000 M. Mecklenburg die Hessischen Länder, Weimar Gotha und wie die Herrn alle heißen in 60,000 — der Gr. Herzog von Baden soll 12,000 Mann stellen — Er schreit aber daß er kein Geld hat — Schweden ist ganz still — das ganze Heer der verbündeten Beträgt nach den tractaten mäßigen Abkommen — 1,307,000 Mann dagegen steht, bis auf wenige Häuslein, ganz Frankreich — Von 20ten May ab soll alles in Frankreichen eindringen. Bonaparte iſt wie E. durchl. wiſten für Vogelfrey erklärt und ſeine Hißgeſellen oder sogenannte Marschälle als ehrlose Wühte mit ihm — Geſchont ſoll in Frankreich nichts werden. Dies hat der Rußen Kayser ſchon öffentlich erklärt — All gut wäre das aber das Zögern taugt nichts. — Kan der geächtete nicht wo das Prævenire spielen? und werden die Bonap[arte]: Hoorden nicht alle, da sie ihren Todt doch vor Augen sehen verzweyte und fechten? und was wird am Ende der Feldenerschall Hunger sagen? Deßen Maneuvres solte man doch wohl am meinsten fürchten — Aus Russland soll viel Getraide und Vieh kommen — Ich traue dem Wünschen Ministern und der Regierung nicht viel Guts zu — Sie werden hier alles wegräuben und unserer Truppen werden Noth leiden — Es heißt mann auch Bonaparte ausgeliefert würde so gehts doch in Frankreich hinein — Übrigens scheint dies alles, Pourtalès Ankunft hier zu behindern — Er hat noch weiter nichts von ſich höhren laßen — Geht es jezt nicht ſo er halten Sie Ihr Pappier so fort zurück — Eben so happerts jezt mit die Rohr Angelegenheiten — Fürst Radziwiłł geht nach Posen um die Huldigung einzunehmen um Zerboni geht mit ihm — Mann glaubt aber daß dies alles eine andere Geſtalt gewinnen wird — Die Pohlen fange ſehen an wieder sehr laut zu werden, und da wird manches einen andern Nahmen bekommen — Jedennoch werde ich höhren was der F. St[aats]. R[ath]. übermorgen für Trost in dieser Sache geben wird. daß endlich Ewr Durchlaucht dorten Noth leiden glaube ich und fühle es tausendfach den ich leide ſie mit dem Meinen mit — Ich habe weder rast noch Wohn um die Noth abzuhelfen, und hoffe daß mein Bemühen gelingen wird — aber die Vorblünten Vorwürfe / daß Sie Geld hergeschickt haben, daß sie die Geduld verliehren / das mag mich nicht mehr behagen — Ich verliehre gewiß 10 mahl mehr als Sie geschickt haben — und noch halte ich an der Geduld, um Sie mein Fürst zu retten, was auch in kurzen geſchehen wird — In tiefſter Hochachtung verharre
Ewr Durchlaucht
Wien d. 13ten Aprill
1815.
unterthäniger Diener
v Triebenfeld



