Traces in the Sand

Document 284 · Letter

27 March 1815

Vienna

Peter Friedrich von Triebenfeld, Councillor of War and Forests, Hohenlohe-Ingelfingen's agent → Prince Friedrich Ludwig of Hohenlohe-Ingelfingen

Triebenfeld reports that Trąbczyn, Kamionna and Kolno are no longer to be expected: he says Alexander has secured that the Poles keep the estates returned to them. He applies for compensation. For Kamionna he demands 93,000 Rthl in cash (the Broniewski mortgage sum together with interest) and 120,000 Rthl in estates. For Trąbczyn, valued at 316,000 Rthl, 246,000 Rthl remain after deduction of the debts. In all 459,000 Rthl. Weigel's 30,000 Rthl have been transferred to Zagórów. Stägemann does nothing. He asks for blank forms and for Eberhard to come because of the settlement.

One line per manuscript line, with broken words hyphenated and stray break marks removed. Editorial decisions are set out in About the edition.
Page 1lines 1-32
  1. 284
  2. Durchlauchtigsten Fürst
  3. Gnädiger Herr,
  4. Ich glaubte gantz gewiß Ewr Durchlaucht mit heutiger Post schon etwas bestimmt — Gutes
  5. melden zu aber der Ausbruch des Krieges behindert alles — doch wird etwas geschehen —
  6. Trąbczyn, selbst Kaemen und Kulm erhalten Ewr durchlaucht um mehr zurück — dHerrn
  7. Allexander hat auch sogar unserm Allgsten Herren dahin vermocht die Sache mit zu unter-
  8. zeichnen, daß die Pohlen die Güter die ihnen die S. Comission zurück gegeben
  9. hat behalten sollen — folglich ist darauf keine Rechnung mehr zu machen —
  10. Jezt reiche ich dem Kayser und Laug die gerechte Bitte ein Ewr Durchlaucht
  11. zu dedomagiren —
  12. Meine Berechnung soll nicht unbedeutend sein —
  13. 1. Haben Ewr Durchlaucht dem v. Broniewski seinen Pfand Schilling mit circa 60000 rt.
  14. 180 3/5 bezahlen müßen. Hierzu die 15 Jährigen Intressen 33000 rt.
  15. Sud[?] — 93000 rt.
  16. Hier ist zu bemerken, daß zwar Meyer Bernhard des Geld
  17. damals gegeben, aber es steht dies Capital wie alle andere
  18. auß Betsche und die Cujawischen Gütern eingetragen, welche
  19. leztere den Jude M. Bernhard dafür noch jezt Pfand weg
  20. besizt daher diese Forderung Ewr Durchlaucht allen gebührt —
  21. 2. den Kaemener Güter sind damals von Otto gerichten Taxirt 180000 rt.
  22. Ab davon obige 60000 rt.
  23. bleiben 120000 rt.
  24. Es müßen demnach Ewer Durchlaucht von Kaemen erhalten 213000 rt
  25. und zwar 93000 rt baar und für 120000 rt Gütern
  26. 3. von Trąbczyn diese Güter wäre, wie mir durch 316000 rt taxirt
  27. darauf stehen noch die von Ewr Durchl. Contrahirten Schulden.
  28. 1. für Lichnowski 40000 rt.
  29. 2. Grotowski 20000 rt.
  30. 3. Seher Thos 8000 rt.
  31. bleibt Werth und kommen sie durch zu Güte 246000 rt.
  32. zusammen 459000 rt.
Page 2lines 33-60
  1. der Kayser oder der König muß Ewr Durchlaucht also für 366000 rt schuldenfreie
  2. Güter geben, und jene 93000 rt müßen Sie baar erhalten —
  3. Auf Trąbczyn ſtandern noch für Lichnowski 34000 rt. mehr, dieſe ſind aber bezahlt, indes
  4. kan man sie nicht fordern, weil es Schulden waren die Ewr Durchl. gemacht hatten —
  5. Weigel seine 30000 rt sind auf Zagorowo übertragen —
  6. Die Genoreugen[?] Herrn sollen schon bleichen — und Erſt will ich nur wißen wer Ewr Durchl.
  7. entſchädigen soll — denn werde ich ſchon was nüzt und gut ist ausſuchen —
  8. dH. p Stägemann thut nichts man mag bitten, wie man will — jezt hat er wegen dem
  9. Ausbruch des Krieges mehr Entschuldigungen — durch Gottes Beistand wird nun
  10. Jedes doch etwas gelingen — Sagen kan ich noch nichts —
  11. Pourtalès hat noch nicht geantwortet — auch die muß den Ausbruch des Krieges
  12. ſehenen — Indes ſagt D er kommt gewiß den ſonſten hätte er abgeſchrieben. Er
  13. war in Paris um seine Gelder einzuziehen —
  14. dh. Napoleon soll nun wirklich bereits in Paris sein, d. den 18ten war er
  15. nach den geſterigen Courir Nachrichten ſchon in fontainebleau. Mons Rey
  16. ist nun auch zum Schelm geworden — Hier hat Napo[leon]: hergeschrieben,
  17. daß man ihm seine Frau und seinen Sohn verabfolgen soll — und sie
  18. ihm nach Paris mit ſeiner Geleit senden — O was geht doch jezt vor
  19. Der Pöbel regiert jezt in Frankreich den diesen hat der Avanturie auf
  20. gerufen und Freyheit und Gleicheit den Lans e[v?]itottes verheißen — Es ist
  21. eine Nation die mann im Grunde verabſcheuen muß — die Canaille
  22. soll dorten ärger als eine Herde Teufel Häusern und ihren Zug wo sie ziehen,
  23. mit Grausamkeit und Gräuelthaten beschrifnen, welche kein Mensch
  24. zu beſchreiben im Stande iſt — der König von Frankreich ſoll in Lille
  25. sein, und was das verdauerdigste ist daß noch kein Schuß von den König
  26. Truppen gethan — der Böse nicht zieht mit seinem Haufen dahin ungehändet
  27. alles läuft ihm wie einen tollen Hund aus dem Wege — In dem Zeitung
  28. sind raisonern amtes von unbegränzter Treue und Ergebenheit am König
Page 3lines 61-96
  1. aufgeführt, Bonapartes Macht wird bis auf 8 bis 10/m Mann herab gesezt
  2. und gleichwohl ist der K[aiser]. in Paris und verjägt den angebeteten König —
  3. Hier horchen die Herrn, ob mann sie nicht von Franderichs Seite um
  4. Hülfe auffordern wird — sie Amahiren sich und laßen den Himmel wolte
  5. Unterdes kömt der Räuber und die Canaille so weit daß man hundert
  6. tausende zur Schlachtbank wird führen müßen — O tempora o mores —
  7. der K[önig]. Murat soll nun auch schon sein haupt erheben, und ehe sichs Jemand
  8. versehen wird; hauset der in Italien, und dringt wohl bis W —
  9. Thore — Die Noth oder die Theuerung übersteigt hier nun schon alle
  10. Gränzen — für was soll die Armen Mobil gereicht und Krieg geführt
  11. werden? Mann sieht die nur dencklichste Schreckens Sonnen entgegen —
  12. die Wurtembergsche Geschichte, hat nach den diese Nacht eingegangenen Nachrichten
  13. sich für der dicken Majestät scandaleuse gnädigte — Lesen Ewr Durchlaucht
  14. die Beilagen und stauen Sie — der Fürst Hard: und F[ürst]. Metternich
  15. sezzen dieses feiste Wesen auch gar arg in Grünke und nun die mehr als
  16. unbegränzte Schande — daß seine eigene Brüder ihm so früherlich
  17. am Pranger stellen — die armen herzog Willhelm, der doch die Rolle
  18. des Krieges Ministers bey ihm spielte, den hat die zart danckende Majestät
  19. ſogleich angejagt, auch den Sohn des Eugens hat er aus Allhſtern Milde
  20. befohlen sich sogleich zum Teufel zu sehenem dem Heinrich und Loar,
  21. hat er gedroht ewig einkerkern zu laßen — die Sache macht hier,
  22. viel Spaß — Waß mich ärgert ist daß man die Weißheit seines
  23. reichstags Presidenten so häßlich per[s?]itlirt. Dieser Erlauchte Herr
  24. wird jezt sowohl hier als auch von dem Mediatisirten grausam durchgezogen.
  25. Vieleicht bin ich im Stande mit künftiger Post trostreichere Nachrichten als bis her
  26. einzusenden. In Ehrfurcht ersterbe
  27. um kehren
  28. Ewr Durchlaucht
  29. von Teutſchen und Französische Blanquets bitte
  30. ich sehr — ach und wäre es möglich Eberhard hier
  31. zu sehen — den schwerlich will sich Jemand mit den Vergleich
  32. befaßen
  33. Wien d 27ten März
  34. 1815
  35. bey gehorſamſter Diener
  36. v Triebenfeld
Page 4lines 97-108
  1. Nach den so eben angekommen Courir ist Bonaparte in Paris und als Kayser
  2. bereits wieder ausgerufen — Davoust ist Krieges Minister und Seige
  3. Minister des Innern — der Dicke fette König ſizt mit ſeine Sippſchaft nun
  4. in Lille — Wer soll nun die fremden Truppen nach Frankreich hin rufen.
  5. worauf die andern Herrn zu warten scheinen — O daß ist doch eine Erbärmlichkeit
  6. ohne gleichen — Den Augenblick geht die Nachricht ein daß es in Paris
  7. zwischen den Bonapartischen Rebellen und den Royalisten zu einer großen
  8. Schlägerey gekommen — das Ende von diesen ist noch nicht bekannt — Ein
  9. Glück wäre dies — den da würden die Paten wohl bald herbey gerufen werden
  10. müßen —
  11. In Berlin ſoll alles was geſchieht und alles was gehöhe iſt ſehr perhiſeliers
  12. werden — der Fürst Hardenberg hat seine ganze Heiterkeit verlohren —