Document 264 · Letter
January 1815
Sławięcice (Schlawenschitz)
Peter Friedrich von Triebenfeld, Councillor of War and Forests, Hohenlohe-Ingelfingen's agent → Prince Friedrich Ludwig of Hohenlohe-Ingelfingen
Triebenfeld asks for strict secrecy about his plan for Koszęcin. Since he had heard that the King would no longer permit any exchange or purchase of estates, he took Court Councillor Barbe into his confidence, who was outraged at the gift of 30,000 Rthl said to have been demanded for Prince Hardenberg. Now Count Pourtalès, who wishes to buy property in Silesia, is to purchase Koszęcin; the Prince would still receive 38,000 Rthl. Triebenfeld says he has promised Barbe 30,000 Rthl and asks that the drafted bond be sent to him.
Triebenfeld bittet um strenge Geheimhaltung seines Plans für Koszęcin. Da er gehört hatte, der König dulde keinen Tausch oder Ankauf von Gütern mehr, zog er Hoffrath Barbe ins Vertrauen, der über das angeblich für Fürst Hardenberg verlangte Geschenk von 30000 Rthl empört war. Nun soll Graf Pourtalès, der sich in Schlesien ankaufen will, Koszęcin kaufen; der Fürst erhielte noch 38000 Rthl heraus. Triebenfeld hat Barbe 30000 Rthl zugesagt und bittet um Zusendung des entworfenen Reverses.
- 264
- Jezt Gnädigster Fürst und Herr etwas was ich wie in einen verschloßenen Grabe
- verwahrt wißen will — Ich muß hier, was Sie nur gnädigster Herr, verzeihen
- wollen, so anfangen, weil Sie zu gerne, wann Sie etwas gutes höhren, es sogleich
- diesem und jenem anvertrauen, und das würde in nachstehenden Plane sehr schädlich
- sein, und alles scheitere machen.
- Es betrift hier die Koschentiner Sache, die, wenn ich nach Ihren Willen damit vor-
- geſchritten wäre, und ſo gerade herein geplumt hätte, mich und Ewer Durchlaucht
- in das gröste Verderben hätte stürzen können.
- Anmer beſorgt und zweifels voll, ob der F. Ha[rdenberg]: für Geld zu erkaufen ſey, berührte
- ich die Sache sehr leise und von Weiten, Ein abgekürzter Bescheid, daß davon jezt die
- Rede nicht ſein könne, erhielt mich zwischen Furcht und Hoffnung. Dermalen höhrte ich, Geheim
- daß der König weder Tausch noch Ankauf von Güter mehr dulde, weil sehr viele Guts beschieden
- in Pohlen für die Bayonner Summen ihre Haabe würden, im Stiche laßen müßen, woraus am
- Ende nichts als Domainen creirt werden solten —
- In der Angst entdekte ich dem H. Hoffrath Barbe meinen Plan wegen Koschentin der aber nun schon
- anders aus fiel weil ich die Curische Schuld eingemischt hatte, zu deren Tilgung nun
- der König das Geld vorschießt.
- Ich verhalte ihm nicht daß man ein preſent von 30000 rt für den Fürſten Hard: von
- Ewr Durchlaucht verlangt habe, daß der F[ürst]. K[anzler]. die Sache schnell geschehen ließe,
- Ich sagte B daß Sie sich mit Weigel und Stössel dahin geeiniget hätten, daß jeder
- 10000 rt geben wollen —
- Gelaßen stand ß auf und frug, wer hats den proponirt, und weis auch würklich der
- Fürst darum, und will er die 30000 rt annehmen?
- Ich konte weiter auf dem allen nichts antworten als daß ich von lezteren nichs wiße
- mir ſey nur die Instruction von Ewr Durchlaucht gegeben, den Verkauf der Koschen-
- tin der vorgesagten Art zu besorgen.
- Einer Güter
264 Jezt Gnädigster Fürst und Herr etwas was ich wie in einen verschloßenen Grabe verwahrt wißen will — Ich muß hier, was Sie nur gnädigster Herr, verzeihen wollen, so anfangen, weil Sie zu gerne, wann Sie etwas gutes höhren, es sogleich diesem und jenem anvertrauen, und das würde in nachstehenden Plane sehr schädlich sein, und alles scheitere machen.
Es betrift hier die Koschentiner Sache, die, wenn ich nach Ihren Willen damit vorgeſchritten wäre, und ſo gerade herein geplumt hätte, mich und Ewer Durchlaucht in das gröste Verderben hätte stürzen können.
Anmer beſorgt und zweifels voll, ob der F. Ha[rdenberg]: für Geld zu erkaufen ſey, berührte ich die Sache sehr leise und von Weiten, Ein abgekürzter Bescheid, daß davon jezt die Rede nicht ſein könne, erhielt mich zwischen Furcht und Hoffnung. Dermalen höhrte ich, Geheim daß der König weder Tausch noch Ankauf von Güter mehr dulde, weil sehr viele Guts beschieden in Pohlen für die Bayonner Summen ihre Haabe würden, im Stiche laßen müßen, woraus am Ende nichts als Domainen creirt werden solten — In der Angst entdekte ich dem H. Hoffrath Barbe meinen Plan wegen Koschentin der aber nun schon anders aus fiel weil ich die Curische Schuld eingemischt hatte, zu deren Tilgung nun der König das Geld vorschießt.
Ich verhalte ihm nicht daß man ein preſent von 30,000 rt für den Fürſten Hard: von Ewr Durchlaucht verlangt habe, daß der F[ürst]. K[anzler]. die Sache schnell geschehen ließe, Ich sagte B daß Sie sich mit Weigel und Stössel dahin geeiniget hätten, daß jeder 10,000 rt geben wollen — Gelaßen stand ß auf und frug, wer hats den proponirt, und weis auch würklich der Fürst darum, und will er die 30,000 rt annehmen?
Ich konte weiter auf dem allen nichts antworten als daß ich von lezteren nichs wiße mir ſey nur die Instruction von Ewr Durchlaucht gegeben, den Verkauf der Koschentin der vorgesagten Art zu besorgen.
Einer Güter
- Im gelaßensten Tone fing B an, höhre Trieb[enfeld]: du warst der Einzige Mensch den ich sehr
- schäzte, ich lies geschehen, daß Du die Papiere an meine Antonette cedirtest — aber nun
- einen mirs nicht übel — ich muß dir das sogleich zurük gewähren, den Du gehst mit Hals
- brechenden Dingen um — Wiße wann der Fürst das erfährt so sizt du im Kerker,
- und wüste er daß ich dies nur angeführt hätte, so stieße er mich mit Füßen von sich
- und ich wäre infam confirt — Das muß ja ein ärgeres höllen Beest sein als alle
- Teufel die uns nur zu gemahlt sind, der den ehrlichsten aller Menschen solche Niederträch-
- tigkeit andichten, und auf sein Conto Menschen prellen wolte —
- Alle nur mögliche Beredsamkeit muste ich anwenden um ihn wieder zu besänftigen,
- indes ließ er sich ein paar Tage nicht sehen, und nur erst als u Ewer Durchlaucht
- eigenhändig unter schriebene Instruction ihm zeigte, und ihm auf Ehre verſichert hatte.
- daß ich von die 30/m rt. auch noch keinen Sterblichen ein Wort geſagt hätte, so ward
- der vertrauliche Umgang wieder unter uns hergestellt —
- O wie unglücklich hätte ich dadurch werden können —
- Jezt aber hat mich der Himmel dafür entschädiget und Koschentin wird dennoch
- eben so gut und sicherer an einem Privatmanne verkauft —
- Der reiche Gräs. Pourtalès mit Barbe in Neufchatel erzogen, hat seine Engleiß
- und Französischen Besizzungen für mehr als 3 Millionen Baar Geld verkauft jezt steht
- er in Begriff auch noch seine Schwarzerischen Güter für Baar zu veräußern, da
- ihm der König in Neufchatel mit so ausgezeichneter Gnade behandelt hat
- ſo will er mit ſein großes Vermögen in unſer Land ziehen und ſich im Schleſen
- ankaufen — Er hat Barben gebeten ihm zu bedeutenden Gütern zu verhelfen —
- Ich habe B[arbe] Koschentin vorgeritten — B[arbe] hat sich selbst aus die Anschläge
- und Statischen Tabellen, einen Extract gemacht und ihm denselben durch einen
- eben dorthin gesandten Courir mitgeschickt — B[arbe] hat alles so geschildert
- daß man die Sache als geschehen betrachten kan —
- Es ist eine Mitlein Einmahl handlet tausend rt. gefordert worden, da bekommen
Im gelaßensten Tone fing B an, höhre Trieb[enfeld]: du warst der Einzige Mensch den ich sehr schäzte, ich lies geschehen, daß Du die Papiere an meine Antonette cedirtest — aber nun einen mirs nicht übel — ich muß dir das sogleich zurük gewähren, den Du gehst mit Hals brechenden Dingen um — Wiße wann der Fürst das erfährt so sizt du im Kerker, und wüste er daß ich dies nur angeführt hätte, so stieße er mich mit Füßen von sich und ich wäre infam confirt — Das muß ja ein ärgeres höllen Beest sein als alle Teufel die uns nur zu gemahlt sind, der den ehrlichsten aller Menschen solche Niederträchtigkeit andichten, und auf sein Conto Menschen prellen wolte — Alle nur mögliche Beredsamkeit muste ich anwenden um ihn wieder zu besänftigen, indes ließ er sich ein paar Tage nicht sehen, und nur erst als u Ewer Durchlaucht eigenhändig unter schriebene Instruction ihm zeigte, und ihm auf Ehre verſichert hatte. daß ich von die 30/m rt. auch noch keinen Sterblichen ein Wort geſagt hätte, so ward der vertrauliche Umgang wieder unter uns hergestellt —
O wie unglücklich hätte ich dadurch werden können — Jezt aber hat mich der Himmel dafür entschädiget und Koschentin wird dennoch eben so gut und sicherer an einem Privatmanne verkauft — Der reiche Gräs. Pourtalès mit Barbe in Neufchatel erzogen, hat seine Engleiß und Französischen Besizzungen für mehr als 3 Millionen Baar Geld verkauft jezt steht er in Begriff auch noch seine Schwarzerischen Güter für Baar zu veräußern, da ihm der König in Neufchatel mit so ausgezeichneter Gnade behandelt hat ſo will er mit ſein großes Vermögen in unſer Land ziehen und ſich im Schleſen ankaufen — Er hat Barben gebeten ihm zu bedeutenden Gütern zu verhelfen — Ich habe B[arbe] Koschentin vorgeritten — B[arbe] hat sich selbst aus die Anschläge und Statischen Tabellen, einen Extract gemacht und ihm denselben durch einen eben dorthin gesandten Courir mitgeschickt — B[arbe] hat alles so geschildert daß man die Sache als geschehen betrachten kan — Es ist eine Mitlein Einmahl handlet tausend rt. gefordert worden, da bekommen
- Ewr Durchlaucht noch 38000 rt heraus ohne was man vieleicht noch an die Kapitals
- Abzüge gewinnen kan und was ich bey pranzte Baare Zahlung für Bedeutend
- halte — B[arbe] hat ihm gesagt, daß die rückständige Interessen zu seinen Gunsten
- schwinden würden auch daß er große Bestände vorfänden, so daß ihm
- die Güter würklich nicht vielmehr als 900000 rt. baar Geld kosten würde —
- B[arbe] hält nochmahls gesagt, die Sache für oder als abgemacht — Geld haben die
- Menschen in Fülle und sind sehr entreprenant — den auch der andere Pourtalès
- will sich hier im unsern Staaten ankaufen —
- Ich habe nun B[arbe] der würklich in Ewr durchlaucht Angelegenheiten sehr redlich
- forthandelt die 30/m rt. zugesagt, so bald der Kauf in der Art mit dem Grafen
- Pourtalès zu Stande könt — haben sie gnädiger Fürst nun die Güte und
- schicken mir auf das allerweitigste dießen Revers.
- Sobald der Verkauf der Koschentiner, Boronower und Cieschower[?] Güter
- verabredeter maßen mit dem Herrn Grafen von Pourtalès zu stande
- könte, so zahle ich Endes unterschriebener, sogleich nach Schließung
- des Contracts, an jedem Inhaber dieses Reverses, die Summa von
- dreyßig Tausend rthlr in Königl. Preußl. 64 ziger Courant — und es
- soll von Augenblick des Verkaufs obig genannter Güter
- am Grafen Pourtalès, an, dieser Revers als ein wahrer Wechsel
- betrachtet werden
- Schlawenschitz
- Januar 1815
- [Locus Sigilli] F[riedrich]. L[udwig]. F[ürst] zu Hohenlohe
Ewr Durchlaucht noch 38,000 rt heraus ohne was man vieleicht noch an die Kapitals Abzüge gewinnen kan und was ich bey pranzte Baare Zahlung für Bedeutend halte — B[arbe] hat ihm gesagt, daß die rückständige Interessen zu seinen Gunsten schwinden würden auch daß er große Bestände vorfänden, so daß ihm die Güter würklich nicht vielmehr als 900,000 rt. baar Geld kosten würde — B[arbe] hält nochmahls gesagt, die Sache für oder als abgemacht — Geld haben die Menschen in Fülle und sind sehr entreprenant — den auch der andere Pourtalès will sich hier im unsern Staaten ankaufen — Ich habe nun B[arbe] der würklich in Ewr durchlaucht Angelegenheiten sehr redlich forthandelt die 30/m rt. zugesagt, so bald der Kauf in der Art mit dem Grafen Pourtalès zu Stande könt — haben sie gnädiger Fürst nun die Güte und schicken mir auf das allerweitigste dießen Revers. Sobald der Verkauf der Koschentiner, Boronower und Cieschower[?] Güter verabredeter maßen mit dem Herrn Grafen von Pourtalès zu stande könte, so zahle ich Endes unterschriebener, sogleich nach Schließung des Contracts, an jedem Inhaber dieses Reverses, die Summa von dreyßig Tausend rthlr in Königl. Preußl. 64 ziger Courant — und es soll von Augenblick des Verkaufs obig genannter Güter am Grafen Pourtalès, an, dieser Revers als ein wahrer Wechsel betrachtet werden
Schlawenschitz
Januar 1815 [Locus Sigilli] F[riedrich]. L[udwig]. F[ürst] zu Hohenlohe


