Document 242 · Letter
12 October 1814
Vienna
Peter Friedrich von Triebenfeld, Councillor of War and Forests, Hohenlohe-Ingelfingen's agent → Prince Friedrich Ludwig of Hohenlohe-Ingelfingen
v. Triebenfeld reports from Vienna that the congress has been adjourned until 1 November and that France is resisting the Saxon and Polish acquisition, but that Hardenberg remains firm. He says the Württemberg affairs are going well. He has submitted his plan for Sławięcice after consulting Barbe Hardenberg, and it was approved. Koszęcin must wait until the Curian matter has succeeded. On Kolno, Kamionna and Trąbczyn, he says nothing will be settled before the decision on Poland's fate. He says the Miączyńska, born Prusimska, has powerful friends.
v. Triebenfeld berichtet aus Wien, der Kongress sei bis 1. November ausgesetzt und Frankreich sträube sich gegen die sächsische und polnische Erwerbung, Hardenberg bleibe aber fest. Die württembergischen Angelegenheiten gingen gut. Seinen Plan zu Sławięcice hat er nach Beratung mit Barbe Hardenberg eingereicht, er wurde gutgeheißen. Koszęcin muss warten, bis die Curische Sache gelungen ist. Zu Kolno, Kamionna und Trąbczyn werde vor der Entscheidung über Polens Schicksal nichts bestimmt. Die Miączyńska geborene Prusimska habe große Freunde.
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- Durchlauchtigster Fürst
- Gnädigster Fürst und Herr!
- Nach einer mühseeligen Reise, worauf ich 3 Tage und 2 Nächte zugebracht bin ich in
- Wien angelangt — die exorbitanteste Theuerung fand ich hier an der Tagesordnung
- das Liebe und manchmal sehr zerlumpte Papier, was wie bekannt die Stelle des
- baaren Geldes vertritt, führt den Fremde am Stande des Verderbens
- weil es der Im- und Ausländer nicht richtet. Doch darüber einen Floro der
- ehrliche Mann darf nicht ohne Calcul leben —
- Mein Text mit dem ich hierher ging war würken und schaffen.
- das erste was ich bey meinen Eintritt in der berühmten Kayserstatt hörte, war
- die erſchütternde Nachricht, daß der Congress bis zum ersten Novbr ausgeſezt ſey,
- daß die Souverains nach Ofen und Post auf mehrere Tage reisen daselbst große
- monreniren[?] halten und gegen Ende d M zurückkehren würden.
- Ferner daß Frankreich sich sehr gegen unsere Sächßiſche und Pohlnische acqui-
- sition sträube. Mein altes Patriotisches Herz hätte über diese Neuweke
- bersten mögen. — Und es hoffe ich daß dies blos eine façon de parlez oder
- eigentlich um feu de paille, ist — der Fürst Hardenberg dem ich gesund um stark
- gefunden haben, steht feſten Sinnes und wird ſich von ſeinem Rechte nichts
- nehmen laßen — so viel inzwiſchen über allgemeine Dinge —
- Jezt über die verschiedene Geschäfte —
- Die Würtembergsche Angelegenheiten gehen gut — der König von W[ürtemberg]. der im Grunde
- ſehr unzufrieden hier ist, wird viel nachgeben; Er wird ſelbſt eine Constitution
- entwerfen und selbige den verbündeten Monarchien zur Prüfung und Bestätigung
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Durchlauchtigster Fürst
Gnädigster Fürst und Herr!
Nach einer mühseeligen Reise, worauf ich 3 Tage und 2 Nächte zugebracht bin ich in Wien angelangt — die exorbitanteste Theuerung fand ich hier an der Tagesordnung das Liebe und manchmal sehr zerlumpte Papier, was wie bekannt die Stelle des baaren Geldes vertritt, führt den Fremde am Stande des Verderbens weil es der Im- und Ausländer nicht richtet. Doch darüber einen Floro der ehrliche Mann darf nicht ohne Calcul leben — Mein Text mit dem ich hierher ging war würken und schaffen. das erste was ich bey meinen Eintritt in der berühmten Kayserstatt hörte, war die erſchütternde Nachricht, daß der Congress bis zum ersten Novbr ausgeſezt ſey, daß die Souverains nach Ofen und Post auf mehrere Tage reisen daselbst große monreniren[?] halten und gegen Ende d M zurückkehren würden. Ferner daß Frankreich sich sehr gegen unsere Sächßiſche und Pohlnische acquisition sträube. Mein altes Patriotisches Herz hätte über diese Neuweke bersten mögen. — Und es hoffe ich daß dies blos eine façon de parlez oder eigentlich um feu de paille, ist — der Fürst Hardenberg dem ich gesund um stark gefunden haben, steht feſten Sinnes und wird ſich von ſeinem Rechte nichts nehmen laßen — so viel inzwiſchen über allgemeine Dinge — Jezt über die verschiedene Geschäfte — Die Würtembergsche Angelegenheiten gehen gut — der König von W[ürtemberg]. der im Grunde ſehr unzufrieden hier ist, wird viel nachgeben; Er wird ſelbſt eine Constitution entwerfen und selbige den verbündeten Monarchien zur Prüfung und Bestätigung
- vorlegen — die sämtliche Stände stürmen auf den guten Herrn ein, und finden genügtes
- Gehör — Fürst Mett[ernich]: würde der Haupt Gegener dieses Regenten sein — aber man hält die
- Heurath für gewiß, und da der Titul der Königl. Hoheit — beigegeben werden soll,
- so dürfte dies wohl eine Veränderung in den Gesinnungen des Fürsten M hervor bringen —
- dem Geheimen Rath v Gärtner habe ich heute Mittag zu mir gebeten wir noch jemand aus
- dem Cabinet bey mir sein wird — Es scheint ein Mann a la fandel jedoch mehr gesezt
- zu sein — der Geheime Rath Goesch ist ein feiner artiger und guthmüthiger Mann, der
- durch der Prinzeß, welche sich vor der Hand mit ihrem Gemal Ewr Durchl. herzlich em-
- pfiehlt, würksamer, als der erstere ist — der Herr v Gärtner ist Autor, und [...]
- circuliren hier viel Schriften gegen Würtemberg, Baden, und Nassau —
- mit erster Post übermache ich deren mehrere
- Mit B[arbe]: und A: habe ich über die Schlaw[enschitz]: Angelegenheiten sehr ausführlich
- gesprochen, und deren Rath eingeholt ehe ich die Sache dem H. Staats Kanzler
- Fürsten Hardenberg einreichte — Mein Plan ist sehr gut geheißen, und man
- will deßen Gelingen Garantiren
- wegen Koschentin kan ich noch nichts anbringen — die erforderlichen Gelder in der
- Cur[ische] Sache schienen schon ein sehr sehr großes Capital — diese Geschichte
- komt also dann erst vor, wann die Curische gelungen ist
- In Betrift der Kulm und Kaemener so wie auch der Trąbczyner Sache Land
- ehender nichts bestimmt werden, als bis Pohlens Schicksahl entschieden ist — so viel
- weiß ich indeß, daß die Moscinska geborene Prusimska große Freunde hat, und
- daß selbst Graf Nesſi in deren Spiel durch Landskoy gezogen ist.
- Traurig ist es daß alle Unsere Concire über Prag und Dresden nach Berlin gehen,
- Bey dem häufigen Gange hätte ich Ewr Durchlaucht manche Sache auf das schon
- zusenden können — doch werde ich nichts versäumen —
- Ehrfurchtsvoll ersterbe
- Ewr Durchlaucht
- N.S. den Augenblick erfahre ich, daß alle-
- r fürsten welche nicht 12000 Mann stellen
- können für immer mediatisirt werden sollen, da werde mann auch [...] olden[...] haben es sey den daß es zu nachtsrhalt[?]
- Wien den 12ten 8br 1814
- treu unterthänigsten Diener
- v Triebenfeld
vorlegen — die sämtliche Stände stürmen auf den guten Herrn ein, und finden genügtes Gehör — Fürst Mett[ernich]: würde der Haupt Gegener dieses Regenten sein — aber man hält die Heurath für gewiß, und da der Titul der Königl. Hoheit — beigegeben werden soll, so dürfte dies wohl eine Veränderung in den Gesinnungen des Fürsten M hervor bringen — dem Geheimen Rath v Gärtner habe ich heute Mittag zu mir gebeten wir noch jemand aus dem Cabinet bey mir sein wird — Es scheint ein Mann a la fandel jedoch mehr gesezt zu sein — der Geheime Rath Goesch ist ein feiner artiger und guthmüthiger Mann, der durch der Prinzeß, welche sich vor der Hand mit ihrem Gemal Ewr Durchl. herzlich empfiehlt, würksamer, als der erstere ist — der Herr v Gärtner ist Autor, und [...] circuliren hier viel Schriften gegen Würtemberg, Baden, und Nassau — mit erster Post übermache ich deren mehrere Mit B[arbe]: und A: habe ich über die Schlaw[enschitz]: Angelegenheiten sehr ausführlich gesprochen, und deren Rath eingeholt ehe ich die Sache dem H. Staats Kanzler Fürsten Hardenberg einreichte — Mein Plan ist sehr gut geheißen, und man will deßen Gelingen Garantiren wegen Koschentin kan ich noch nichts anbringen — die erforderlichen Gelder in der Cur[ische] Sache schienen schon ein sehr sehr großes Capital — diese Geschichte komt also dann erst vor, wann die Curische gelungen ist In Betrift der Kulm und Kaemener so wie auch der Trąbczyner Sache Land ehender nichts bestimmt werden, als bis Pohlens Schicksahl entschieden ist — so viel weiß ich indeß, daß die Moscinska geborene Prusimska große Freunde hat, und daß selbst Graf Nesſi in deren Spiel durch Landskoy gezogen ist. Traurig ist es daß alle Unsere Concire über Prag und Dresden nach Berlin gehen, Bey dem häufigen Gange hätte ich Ewr Durchlaucht manche Sache auf das schon zusenden können — doch werde ich nichts versäumen —
Ehrfurchtsvoll ersterbe
Ewr Durchlaucht
N.S. den Augenblick erfahre ich, daß aller fürsten welche nicht 12,000 Mann stellen können für immer mediatisirt werden sollen, da werde mann auch [...] olden[...] haben es sey den daß es zu nachtsrhalt[?] Wien den 12ten 8br 1814
treu unterthänigsten Diener
v Triebenfeld

