Document 2 · Letter
9 February 1815
Vienna
Peter Friedrich von Triebenfeld, Councillor of War and Forests, Hohenlohe-Ingelfingen's agent → Prince Friedrich Ludwig of Hohenlohe-Ingelfingen
Triebenfeld is appalled that the Prince claims to have received no letters since the 13th. He recalls his 7 letters, among them one to General Schöler about Trąbczyn and the news that the districts of the estates are to fall to Russia. He begs for 200 ducats, since he says he must give the Prince Chancellor 100 and Barbe 70. He says the matters lie with Stägemann, the money will be paid and an administrator appointed. Prince August is to revoke Cosmar's power of attorney at once and notify the courts of this.
Triebenfeld ist entsetzt, dass der Fürst seit dem 13. keine Briefe erhalten haben will. Er erinnert an seine 7 Briefe, darunter an General Schöler wegen Trąbczyn und die Nachricht, dass die Kreise der Güter an Russland fallen. Er fleht um 200 Ducaten, da er dem Fürsten Kanzler 100 und Barbe 70 geben müsse. Die Sachen lägen bei Stägemann, das Geld werde gezahlt und ein Administrator angestellt. Fürst August soll Cosmars Vollmacht sofort widerrufen und dies den Gerichten anzeigen.
- 2
- Durchlauchtigster Fürst
- Gnädigſter Fürſt und Herr!
- Ewr Durchlaucht Schreiben vom 28ten M erhielt ich vor einer halben Stunde
- mit der Antwort des Hr v Falkenhausen. Da ich den Inhalt des Berichtes
- des Brieger O. C Gerichts ſchon ſeit 3 Wochen kenne ſo übergehe ich dies mit
- Stillschweigen — Nun der Schreck, daß Ewr. Durchlaucht seit d. 13ten V. M.
- keine Briefe von mir erhalten wollen haben lähmt mir Sinn und Ver-
- ſtand; ich habe ſeit der Zeit 7 Briefe von hier geſandt, in welchen ich viel
- und wichtige Dinge berichtet habe.
- Ich habe Ewr Durchlaucht gemeldet daß ich an Gen[eral]. Schöler auf eins der
- Blanquetter wegen Trąbczyn geſchrieben, — Ich habe angezeigt, daß ich an den gehen Staats rath Stäge-
- mann auf gleiche Weiſe ein dancksagungs Schreiben gegeben habe.
- Ich habe Ihnen gemeldet, daß ich die mir zugeſandte Correspondence des
- M Kircheisen pp an den H. Fürsten eingereicht und mein Schreiben in Abschrift
- dabey geſandt. Ich habe was der Zeit geſchehen und was man über Ewr.
- Durchlaucht Sache sich hier geäußert hat Ihnen treulich geschrieben
- Ich habe Ihnen gemeldet, daß selbst Kálitz für Preußen verlohren ist und daß
- jene Kreise in welchen die Güter legen Rußland anheim fallen — und
- daß es jezt viel Mühe Kosten wird selbigen zurückzunehaltn, weil dorten
- durch Geld und Schürzen alles gemacht wird.
- Ich habe Ewr durch weiter gemeldet, daß nun auch Sachsen wenigstens der
- schönsten Theil / das ist von Weissenfeld ab über Dresden Leipzig bis Lauban
- der Teufel hohlt. — Ich habe Ihnen geschrieben durch wenn die größten Cabalen
- geschmiedet werden. Im lezten Briefe habe ich gemeldet daß Wellington
- angekommen ist, und daß man vieleicht da hoffe dürfe
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Durchlauchtigster Fürst
Gnädigſter Fürſt und Herr!
Ewr Durchlaucht Schreiben vom 28ten M erhielt ich vor einer halben Stunde mit der Antwort des Hr v Falkenhausen. Da ich den Inhalt des Berichtes des Brieger O. C Gerichts ſchon ſeit 3 Wochen kenne ſo übergehe ich dies mit Stillschweigen — Nun der Schreck, daß Ewr. Durchlaucht seit d. 13ten V. M. keine Briefe von mir erhalten wollen haben lähmt mir Sinn und Verſtand; ich habe ſeit der Zeit 7 Briefe von hier geſandt, in welchen ich viel und wichtige Dinge berichtet habe.
Ich habe Ewr Durchlaucht gemeldet daß ich an Gen[eral]. Schöler auf eins der Blanquetter wegen Trąbczyn geſchrieben, — Ich habe angezeigt, daß ich an den gehen Staats rath Stägemann auf gleiche Weiſe ein dancksagungs Schreiben gegeben habe. Ich habe Ihnen gemeldet, daß ich die mir zugeſandte Correspondence des M Kircheisen pp an den H. Fürsten eingereicht und mein Schreiben in Abschrift dabey geſandt. Ich habe was der Zeit geſchehen und was man über Ewr. Durchlaucht Sache sich hier geäußert hat Ihnen treulich geschrieben Ich habe Ihnen gemeldet, daß selbst Kálitz für Preußen verlohren ist und daß jene Kreise in welchen die Güter legen Rußland anheim fallen — und daß es jezt viel Mühe Kosten wird selbigen zurückzunehaltn, weil dorten durch Geld und Schürzen alles gemacht wird.
Ich habe Ewr durch weiter gemeldet, daß nun auch Sachsen wenigstens der schönsten Theil / das ist von Weissenfeld ab über Dresden Leipzig bis Lauban der Teufel hohlt. — Ich habe Ihnen geschrieben durch wenn die größten Cabalen geschmiedet werden. Im lezten Briefe habe ich gemeldet daß Wellington angekommen ist, und daß man vieleicht da hoffe dürfe
- In alle Briefe habe ich meine unbegränzte Noth aber vorzüglich geschickter
- und dringend gebeten 200 Ducaten zu schicken, weil ich dem Fürsten
- Kanzler 100 # und Barben 70 # abgeben muß — und dies dürfte wohl
- der Bewegründ sein warum keine Briefe dorten eingegangen sein sollen —
- Hart mehr als hart, ja ungerecht ist es daß Ewr Durchlaucht, mich so
- schrecklich leiden laßen — Ich gehe hier ein Bettelhund herum, und Hungern
- wieder — Haben Sie den gar kein Erbarmen mit mir — vollen Sie
- den, daß ich gänzlich zum Gespotte werden soll —
- Ich soll würken und mit Nachdenken handeln — Schicken Sie doch jemand
- her der mit leeren Händen, ja mit leeren Magen, das Dings auch probiren
- Lange ging ich wie ein Laupenhänd — nun habe ich zwar Zeug aufm
- Leibe, aber dafür einen hohlen Magen — Ich soll mit einen und den
- andern, von den Männern, die redlich würken, leben — was soll ich da ſagen?
- B[arbe] fängt an scheel zu sehen. Er sagte mir noch gestern Abend
- das sieht ja Curiose aus — bey denen E: sind Wörter auch wohl
- keine Evangelia — Ich schäme mich noch todt und das von
- Schreitwillen
- Nun erst der Fürst, Schon hat Jordan mir spöttisch um die 100 # gemahnt
- das Dings kan tragiſch enden — Und da ſchwöre ich bey Gott, daß ich nicht
- angerahmen untergehen — den hier steht alles aufm Spiel —
- Jezt also auf Ihren heutigen Brief —
- Die Sachen liegen alle beym Geh[eimen]. Staats Rath Stägemann hatte dieser nicht
- so entsezlich viel Arbeit, so wäre schon alles abgemacht
- Der Fürst Kanzler will Ihnen so wie auch der Minister Humboldt wohl, und
- so der Geh[eime]. St[aats] R[ath] H Stägemann mit das ganze Bureau — Zwey heimliche Widersacher
- sind hier die mögten gerne Schaden. Es dürfte ihnen aber nicht gelingen
- das Geld wird gezahlt und ein Administrator angestellt
In alle Briefe habe ich meine unbegränzte Noth aber vorzüglich geschickter und dringend gebeten 200 Ducaten zu schicken, weil ich dem Fürsten Kanzler 100 # und Barben 70 # abgeben muß — und dies dürfte wohl der Bewegründ sein warum keine Briefe dorten eingegangen sein sollen — Hart mehr als hart, ja ungerecht ist es daß Ewr Durchlaucht, mich so schrecklich leiden laßen — Ich gehe hier ein Bettelhund herum, und Hungern wieder — Haben Sie den gar kein Erbarmen mit mir — vollen Sie den, daß ich gänzlich zum Gespotte werden soll — Ich soll würken und mit Nachdenken handeln — Schicken Sie doch jemand her der mit leeren Händen, ja mit leeren Magen, das Dings auch probiren Lange ging ich wie ein Laupenhänd — nun habe ich zwar Zeug aufm Leibe, aber dafür einen hohlen Magen — Ich soll mit einen und den andern, von den Männern, die redlich würken, leben — was soll ich da ſagen? B[arbe] fängt an scheel zu sehen. Er sagte mir noch gestern Abend das sieht ja Curiose aus — bey denen E: sind Wörter auch wohl keine Evangelia — Ich schäme mich noch todt und das von Schreitwillen Nun erst der Fürst, Schon hat Jordan mir spöttisch um die 100 # gemahnt das Dings kan tragiſch enden — Und da ſchwöre ich bey Gott, daß ich nicht angerahmen untergehen — den hier steht alles aufm Spiel — Jezt also auf Ihren heutigen Brief — Die Sachen liegen alle beym Geh[eimen]. Staats Rath Stägemann hatte dieser nicht so entsezlich viel Arbeit, so wäre schon alles abgemacht Der Fürst Kanzler will Ihnen so wie auch der Minister Humboldt wohl, und so der Geh[eime]. St[aats] R[ath] H Stägemann mit das ganze Bureau — Zwey heimliche Widersacher sind hier die mögten gerne Schaden. Es dürfte ihnen aber nicht gelingen das Geld wird gezahlt und ein Administrator angestellt
- Die andern Ewr Durchlaucht angehenden Sachen finden ſch von ſelbſt
- In der Ko: Geschichte hat der Gr. Pourt: schon geantwortet — Er will kaufen — Narken
- er im Augenblick über nicht mehr als 150/m rt. d. baar disponiren — In wenigen Wochen aber
- gehen, ihm beträchte Summen aus Frankreich und Engelland ein — Er hat noch über
- Eris und das andere Auskunft gefordert, die ihm auf das bündigste, weil ich
- die Acten hier habe, gegeben ist. Er wünsche nicht angeführt zu worden, den er sagt
- er sey Vater von 7 Kinder.
- Wir haben alles abgeschrieben ihm die Taxen mitgesandt und ihm weill Anfait
- gesezt — den B[arbe] ist ein Grund ehrlicher Kerl und geht sehr gerade — Er hat
- Sie gebeten ihm nun bald zu melden, wenn er nach Schlawenschitz kommen wolle.
- damit man sich praepariren könne.
- wegen Ende des Congressis ist noch nichts zu höhren. Und die Ewr Durchlaucht ge-
- gebene Nachrichten wegen Sachsen und Pohlen, sind nicht wahr — vielmehr steht
- jezt das Gegentheil noch feste — Mann wird nun stehen was Wellington
- erklären wird —
- Die Ruße Kayserin geht den 18 oder 20 ten von hier ab nach Carlsruhe zu Ihren Mutter
- V der Congress zu Ende, so geht der Kayser auch dahin und beide kommen dann
- nach Berlin.
- Übrigens spricht man hier fortwährend von fürchterlichen neuen Kriegen — Und selbst
- Männer die sonst diese Gerüchte eyfrig bestritten, zucken jezt die Achseln
- zwey Damen und zwey Minist: spielen verstatt. Nur unser biedern Fürst
- Hardenberg allein steht Felsen erste — Wolte man Gott das Wellingtons Aufträge
- mit deßen Gesinnungen übereinstimmend wären —
- Wir leben in einer schrecklichen Periode. — Gott lenke nur alles zum Besten —
- der König von Würtemberg wird immer Klein lauter — Er erhält auf seine
- projectirte Constitution keine Antwort weiter als daß er vorläufig auf
- die in Werke begriffene Allgemeine Constitution hingewiesen wird.
Die andern Ewr Durchlaucht angehenden Sachen finden ſch von ſelbſt In der Ko: Geschichte hat der Gr. Pourt: schon geantwortet — Er will kaufen — Narken er im Augenblick über nicht mehr als 150/m rt. d. baar disponiren — In wenigen Wochen aber gehen, ihm beträchte Summen aus Frankreich und Engelland ein — Er hat noch über Eris und das andere Auskunft gefordert, die ihm auf das bündigste, weil ich die Acten hier habe, gegeben ist. Er wünsche nicht angeführt zu worden, den er sagt er sey Vater von 7 Kinder.
Wir haben alles abgeschrieben ihm die Taxen mitgesandt und ihm weill Anfait gesezt — den B[arbe] ist ein Grund ehrlicher Kerl und geht sehr gerade — Er hat Sie gebeten ihm nun bald zu melden, wenn er nach Schlawenschitz kommen wolle. damit man sich praepariren könne.
wegen Ende des Congressis ist noch nichts zu höhren. Und die Ewr Durchlaucht gegebene Nachrichten wegen Sachsen und Pohlen, sind nicht wahr — vielmehr steht jezt das Gegentheil noch feste — Mann wird nun stehen was Wellington erklären wird — Die Ruße Kayserin geht den 18 oder 20 ten von hier ab nach Carlsruhe zu Ihren Mutter V der Congress zu Ende, so geht der Kayser auch dahin und beide kommen dann nach Berlin.
Übrigens spricht man hier fortwährend von fürchterlichen neuen Kriegen — Und selbst Männer die sonst diese Gerüchte eyfrig bestritten, zucken jezt die Achseln zwey Damen und zwey Minist: spielen verstatt. Nur unser biedern Fürst Hardenberg allein steht Felsen erste — Wolte man Gott das Wellingtons Aufträge mit deßen Gesinnungen übereinstimmend wären — Wir leben in einer schrecklichen Periode. — Gott lenke nur alles zum Besten — der König von Würtemberg wird immer Klein lauter — Er erhält auf seine projectirte Constitution keine Antwort weiter als daß er vorläufig auf die in Werke begriffene Allgemeine Constitution hingewiesen wird.
- Daß Fürst August den Revers geschickt hat ist sehr gut, wann er jezt
- auch nur auf das schleunigste die Vollmacht für Cosmar aufhöben und gänzlich
- lachirte — Cosmar wird sich drehn ehe er sie abgiebt und gar wohl
- noch toll Zeug machen. Da ist es nöthig, daß der J. Aequit aber gleich
- an dem Justiz Ministerzen das Kammer Gericht, an das Brieger Ober
- Landes Gericht, und nach Sachsen an der Justiz Behörde, worunter Oppurg
- liegt, schreibt und an jedem Ort ohne Aufsehen schnell schreibt, daß
- er die dem p Cosmar unten den, oder den Datum hiermit völlig auf
- gehoben und causirt haben, daher Er, was Cosmar in seinen Nahmen
- thun wolle oder möge, als null und nichtig erkläre — ja den
- junge Fürst könte dies noch in den Berliner und Schlesischen Zeitungen
- bekannt machen laßen — Geschieht dies, den ist der Patron sofort
- bis zu den Antipoden geworfen — betreiben Euer Durchlaucht dies
- ja mit glühenden Eyfer —
- Grev: Schreibt daß Mad C. — bey d. J. M. in noch höhern Gnaden stände, als
- ihr H. Gemahl — Mann muß sich also mit ihrem Waffen versehen
- und ihm den C. jeden Ausweg versperren.
- Nur um Gottes willen senden Sie auch so schenk als möglich die 200 Ducat
- ich bin in der höchsten Noth und Verzweiflung, und dadurch außer Stande
- mit gehöriger Kraft zu würken.
- Ehrfurchts voll verharre
- Ewr Durchlaucht
- P S die Nachgebrachte Correspondence
- mit den H. H[?] M. hat mit meiner Eingabe
- einen sehr guten Effect gemacht
- Wien den 9ten Febr.
- 1815
- treu gehorſamſter Diener
- v Triebenfeld
Daß Fürst August den Revers geschickt hat ist sehr gut, wann er jezt auch nur auf das schleunigste die Vollmacht für Cosmar aufhöben und gänzlich lachirte — Cosmar wird sich drehn ehe er sie abgiebt und gar wohl noch toll Zeug machen. Da ist es nöthig, daß der J. Aequit aber gleich an dem Justiz Ministerzen das Kammer Gericht, an das Brieger Ober Landes Gericht, und nach Sachsen an der Justiz Behörde, worunter Oppurg liegt, schreibt und an jedem Ort ohne Aufsehen schnell schreibt, daß er die dem p Cosmar unten den, oder den Datum hiermit völlig auf gehoben und causirt haben, daher Er, was Cosmar in seinen Nahmen thun wolle oder möge, als null und nichtig erkläre — ja den junge Fürst könte dies noch in den Berliner und Schlesischen Zeitungen bekannt machen laßen — Geschieht dies, den ist der Patron sofort bis zu den Antipoden geworfen — betreiben Euer Durchlaucht dies ja mit glühenden Eyfer — Grev: Schreibt daß Mad C. — bey d. J. M. in noch höhern Gnaden stände, als ihr H. Gemahl — Mann muß sich also mit ihrem Waffen versehen und ihm den C. jeden Ausweg versperren.
Nur um Gottes willen senden Sie auch so schenk als möglich die 200 Ducat ich bin in der höchsten Noth und Verzweiflung, und dadurch außer Stande mit gehöriger Kraft zu würken.
Ehrfurchts voll verharre
Ewr Durchlaucht
P S die Nachgebrachte Correspondence
mit den H. H[?] M. hat mit meiner Eingabe
einen sehr guten Effect gemacht
Wien den 9ten Febr.
1815
treu gehorſamſter Diener
v Triebenfeld



