Document 87 · Letter
7 December 1798
Wrocław (Breslau)
Prince Friedrich Ludwig of Hohenlohe-Ingelfingen → Colonel von Köckritz, the King's adjutant-general
The Prince of Hohenlohe-Ingelfingen asks Colonel von Köckritz to support his justification before the King in the failed exchange of the estates granted to him for the Krotoszyn estates. Minister v. Voss and the King declared the exchange disadvantageous, since Krotoszyn yields 17,400 Rthl more. The Prince objects that Krotoszyn yields 30,100 Rthl and his own estates 41,500 Rthl. He says Voss reported on the advice of the councillor of war Nöldichen without an investigation on the spot. He has asked the King for an impartial investigation and for the files to be submitted by Struensee.
Fürst Hohenlohe-Ingelfingen bittet Obrist von Köckritz, beim König seine Rechtfertigung im gescheiterten Tausch seiner verliehenen Güter gegen die Krotoszyner Güter zu unterstützen. Minister v. Voss und der König erklärten den Tausch für nachteilig, da Krotoszyn 17400 rt mehr trage. Der Fürst hält dagegen, Krotoszyn trage 30100 rtl, seine Güter 41500 rt. Voss habe auf Anraten des Kriegesrath Nöldichen ohne Untersuchung vor Ort berichtet. Er hat den König um eine unparteiische Untersuchung und die Vorlage der Akten von Struensee gebeten.
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- An den Herrn Obrist von Köckritz
- Hochw. Herr p.
- Der gewisse Gütertausch hat für mich ein mehr als unangenehme Wendung genommen,
- ſo, daß ich mich in einer bedauernswehrten Lage befinde. Meine reinſte Abſicht war,
- sich, ohne dem Staate nur auf irgend einer Art lästig zu fallen, der mich drückenden
- Schulden zu entledigen, um dem König meine Dienste ungeſtört, und ohne ſich mit häußlichen
- Sorgen zu plagen, so lange meine Kräfte dauerten zur Widmen.
- Die mir von Höchſtſerl. Monarchen verliehene Güter, fielen nachdem ich an 50/m rthl.
- darum verwendet so ergiebig aus, daß ich sofort den Entschluß faßte solche grösten
- theils dazu anzuwenden um eine Summe darauf zu borgen, um die während meiner
- Dienſtzeit gemachten Schulden zu bezahlen. Jeder Versuch aber mißlung mir
- da besonders wegen Wiedersetzlichkeit der Kammern unsägliche Hindernisse her-
- vor gesucht würden, so daß ich nie zum Zwecke gelangt seyn würde.
- Ein SüdPreußischer Edelmann von Karnhowsky welcher 90/m # hergeben wollte,
- declarirte frei ,, daß er auf alle meine Güter welche zum Theil confisciret und
- gröstentheils den Geistlichen abgenommen wären, nichts geben könnte. Wann ich
- ihm aber zu seiner Sicherheit Güter, wie die Krotoszyner wären stellen könnte,
- so wäre er willig und bereit mir diese und noch eine größere Summe vorzeichen
- Hierauf ward der Wunsch in mir rege die Krotoszyner Güter an mich zu
- bringen. Von Seiten der Posenschen Cammer glaubte man Polajewo sey von
- Krotoszyn unzertrennlich, daher bat ich wie Euer Excellenz wißen dem König gewesen
- Antrag. Mehrere Männer meinten indeß wieder Polajewo könne mir für baar
- Geld nicht überlassen werden, und sogleich schrieb ich dem Minister v Voss, daß
- ich auf Polajewo renunciren, und nur allein die Krotoszyner Güter für
- die mir verliehenen einzutauschen wünschte. Der König gab nur eine gnä-
- dige Antwort und alle andere Sachkundige Männer sahen die Sache als ge-
- schehen an, biß endlich erstlich der Minister v. Voss und hernach der König
- nur schrieben
- "Daß dieser Tausch zum Nachtheile des Staats sey, indem die Krotoszyner
- Güter 17400 rt. mehr, als die Meinigen trügen."
- Bey dieser Sache erscheine ich nun in einem Lichte, als hätte ich auch auf Kosten
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An den Herrn Obrist von Köckritz
Hochw. Herr p.
Der gewisse Gütertausch hat für mich ein mehr als unangenehme Wendung genommen, ſo, daß ich mich in einer bedauernswehrten Lage befinde. Meine reinſte Abſicht war, sich, ohne dem Staate nur auf irgend einer Art lästig zu fallen, der mich drückenden Schulden zu entledigen, um dem König meine Dienste ungeſtört, und ohne ſich mit häußlichen Sorgen zu plagen, so lange meine Kräfte dauerten zur Widmen. Die mir von Höchſtſerl. Monarchen verliehene Güter, fielen nachdem ich an 50/m rthl. darum verwendet so ergiebig aus, daß ich sofort den Entschluß faßte solche grösten theils dazu anzuwenden um eine Summe darauf zu borgen, um die während meiner Dienſtzeit gemachten Schulden zu bezahlen. Jeder Versuch aber mißlung mir da besonders wegen Wiedersetzlichkeit der Kammern unsägliche Hindernisse hervor gesucht würden, so daß ich nie zum Zwecke gelangt seyn würde. Ein SüdPreußischer Edelmann von Karnhowsky welcher 90/m # hergeben wollte, declarirte frei ,, daß er auf alle meine Güter welche zum Theil confisciret und gröstentheils den Geistlichen abgenommen wären, nichts geben könnte. Wann ich ihm aber zu seiner Sicherheit Güter, wie die Krotoszyner wären stellen könnte, so wäre er willig und bereit mir diese und noch eine größere Summe vorzeichen Hierauf ward der Wunsch in mir rege die Krotoszyner Güter an mich zu bringen. Von Seiten der Posenschen Cammer glaubte man Polajewo sey von Krotoszyn unzertrennlich, daher bat ich wie Euer Excellenz wißen dem König gewesen Antrag. Mehrere Männer meinten indeß wieder Polajewo könne mir für baar Geld nicht überlassen werden, und sogleich schrieb ich dem Minister v Voss, daß ich auf Polajewo renunciren, und nur allein die Krotoszyner Güter für die mir verliehenen einzutauschen wünschte. Der König gab nur eine gnädige Antwort und alle andere Sachkundige Männer sahen die Sache als geschehen an, biß endlich erstlich der Minister v. Voss und hernach der König nur schrieben "Daß dieser Tausch zum Nachtheile des Staats sey, indem die Krotoszyner Güter 17,400 rt. mehr, als die Meinigen trügen." Bey dieser Sache erscheine ich nun in einem Lichte, als hätte ich auch auf Kosten
- des Staates bereichern und eine ehrlose eigennützige Rolle spielen wollen.
- Ich kan und werde mich dabey nicht beruhigen, biß die Sache völlig aufs reine
- gebracht, und dieser falsche Schein gerüchtet ist. Ich renuncire gerne auf
- alles Glück, nur an meiner Ehre kan ich mich nicht gekränkt wissen.
- Ich habe in der Tauschsache nichts gethan, ohne mich vorhero von allem aufact
- gesetzt zu haben.
- Ich hatte von Kammern und aller Welt die Versicherung daß Krotoszyn nie mehr
- als 30,000 rthlr reell tragen könne, weil die Stadt zu viel dem
- Dominio nachtheilige Praerogatioon habe. Ich hörte daß der Minister von
- Voss durchaus die Administration dieser Güter nicht übernehmen wollen,
- wann er von Krotoszyn 30 und von Polajewo 20/m rt: jährlich abfüh-
- ren solle.
- Der Minister Graf von Hoym versicherte noch, daß dies ein edler Vorschlag
- von mir sey, der dem Königl. Interesse wahrlich angemessen wäre, weil
- der König dadurch sich für die Zukunfft wegen der der Seehandlung geleiste-
- ten Garantie gedeckt sehen, und an Grunde eine Sache los würde, die
- über kurz oder lang von Goerne und seinen Erben wann es in Königl.
- Händen bliebe, noch aufs garstigste gerügt und einen unangenehmen Aus-
- schlag gewinnen dörffte. Auch erfuhr ich überdiß,
- daß noch viele Gränz Processe und besonders mit dem General Grafen
- Kalckreuth obwalteten, die so mißlich aussehen, daß durch solche noch
- ein groser Theil von Krotoszyn abgerissen werden könnte.
- So schaudervoll mir selbst nun einige dieser Gemälde auch immer scheinen;
- so faßte ich doch den Entschluß dem König um so mehr diesen Tausch
- anzutragen — als es hieß, ich handle edel und den Königl. Interesse
- gemäß.
- Mehr als auffallend ist es mir nun, daß der Minister von Voss dem Könige sagte
des Staates bereichern und eine ehrlose eigennützige Rolle spielen wollen. Ich kan und werde mich dabey nicht beruhigen, biß die Sache völlig aufs reine gebracht, und dieser falsche Schein gerüchtet ist. Ich renuncire gerne auf alles Glück, nur an meiner Ehre kan ich mich nicht gekränkt wissen. Ich habe in der Tauschsache nichts gethan, ohne mich vorhero von allem aufact gesetzt zu haben.
Ich hatte von Kammern und aller Welt die Versicherung daß Krotoszyn nie mehr als 30,000 rthlr reell tragen könne, weil die Stadt zu viel dem Dominio nachtheilige Praerogatioon habe. Ich hörte daß der Minister von Voss durchaus die Administration dieser Güter nicht übernehmen wollen, wann er von Krotoszyn 30 und von Polajewo 20/m rt: jährlich abführen solle.
Der Minister Graf von Hoym versicherte noch, daß dies ein edler Vorschlag von mir sey, der dem Königl. Interesse wahrlich angemessen wäre, weil der König dadurch sich für die Zukunfft wegen der der Seehandlung geleisteten Garantie gedeckt sehen, und an Grunde eine Sache los würde, die über kurz oder lang von Goerne und seinen Erben wann es in Königl. Händen bliebe, noch aufs garstigste gerügt und einen unangenehmen Ausschlag gewinnen dörffte. Auch erfuhr ich überdiß, daß noch viele Gränz Processe und besonders mit dem General Grafen Kalckreuth obwalteten, die so mißlich aussehen, daß durch solche noch ein groser Theil von Krotoszyn abgerissen werden könnte. So schaudervoll mir selbst nun einige dieser Gemälde auch immer scheinen; so faßte ich doch den Entschluß dem König um so mehr diesen Tausch anzutragen — als es hieß, ich handle edel und den Königl. Interesse gemäß.
Mehr als auffallend ist es mir nun, daß der Minister von Voss dem Könige sagte
- es giengen dem Staate hierbey an 17400 rthl. jährlich verlohren. Ich
- kan und werde mich bey dieser Ausmahlung des H. voss nicht beruhigen
- ich renuncire wie gesagt auf Krotoszyn wann man glaubt, daß ich
- dabey weiter was, als die Gelegenheit gewinne Gelder darauf zu nego-
- ciren.
- Erweislich ist es, daß Krotoszyn nicht mehr als 30100 rtl. trägt und
- nach Angabe des Krieges Rath von Coeln durch alle Künste mir höchstens
- dereinst biß 36000 rtl. gebracht werden kan. Meine Güter
- worinn ich aber noch an 70 biß 80/m rtl. an zwey Creditoren zalen
- muß, tragen schon an 41500 rt. wofür ich dem König die Ge-
- währ geleistet haben würde, biß seine Departements sich selbst davon
- überzeugt hätten, und auf diese Art hätte der Staat jährlich über
- 11000 rt. gekommen, welches ich auf mein fürstliches Wort ver-
- bürge. Mehr als hart und drückend ist für mich daher die
- Behandlung des Minister v. Voss, der auf einseitiges Anrathen
- des Kriegesrath Nöldichen ohne die mindeste local Recherche in
- ein oder die andere Güter anzustellen dem König jenen Bericht,
- der sich nur gröstentheils auf Weitaussehende und seichte Speculatio-
- nen gründet, erstattet; und ich habe daher zur Rechtfertigung
- meiner Ehre den Monarchen dato gebetten, diese Sache durch eine
- unpartheiische Person untersuchen — und sich vom Minister von Stru-
- ensee die Acten, worinn die Correspondenz wegen Übernahme der
- Krotoszyner und Polajewer Güter, zwischen dem Hochseeligen König
- dem Minister v. Voss, v. Struensee und Graf Hoym enthalten ist
- vorlegen zu lassen, woraus sich denn sogleich das weitere ergeben
- wird.
- Euer H. bitte ich auf das dringendste dem guten Monarchen mein Ge-
es giengen dem Staate hierbey an 17,400 rthl. jährlich verlohren. Ich kan und werde mich bey dieser Ausmahlung des H. voss nicht beruhigen ich renuncire wie gesagt auf Krotoszyn wann man glaubt, daß ich dabey weiter was, als die Gelegenheit gewinne Gelder darauf zu negociren.
Erweislich ist es, daß Krotoszyn nicht mehr als 30,100 rtl. trägt und nach Angabe des Krieges Rath von Coeln durch alle Künste mir höchstens dereinst biß 36,000 rtl. gebracht werden kan. Meine Güter worinn ich aber noch an 70 biß 80/m rtl. an zwey Creditoren zalen muß, tragen schon an 41,500 rt. wofür ich dem König die Gewähr geleistet haben würde, biß seine Departements sich selbst davon überzeugt hätten, und auf diese Art hätte der Staat jährlich über 11,000 rt. gekommen, welches ich auf mein fürstliches Wort verbürge. Mehr als hart und drückend ist für mich daher die Behandlung des Minister v. Voss, der auf einseitiges Anrathen des Kriegesrath Nöldichen ohne die mindeste local Recherche in ein oder die andere Güter anzustellen dem König jenen Bericht, der sich nur gröstentheils auf Weitaussehende und seichte Speculationen gründet, erstattet; und ich habe daher zur Rechtfertigung meiner Ehre den Monarchen dato gebetten, diese Sache durch eine unpartheiische Person untersuchen — und sich vom Minister von Struensee die Acten, worinn die Correspondenz wegen Übernahme der Krotoszyner und Polajewer Güter, zwischen dem Hochseeligen König dem Minister v. Voss, v. Struensee und Graf Hoym enthalten ist vorlegen zu lassen, woraus sich denn sogleich das weitere ergeben wird.
Euer H. bitte ich auf das dringendste dem guten Monarchen mein Ge
- such ans Herz zu legen, damit ich keine fehlbitte gethan habe.
- Es ist die reinste Freundschaft und Ergebenheit mit der ich zu behar[ren]
- von die Chor habe.
- Breslau den 7ten Dezbr 1798.
such ans Herz zu legen, damit ich keine fehlbitte gethan habe. Es ist die reinste Freundschaft und Ergebenheit mit der ich zu behar[ren] von die Chor habe.
Breslau den 7ten Dezbr 1798.



