Traces in the Sand

Document 86 · Letter

7 December 1798

Wrocław (Breslau)

Prince Friedrich Ludwig of Hohenlohe-Ingelfingen → Friedrich Wilhelm III, King of Prussia

Friedrich Ludwig, Prince of Hohenlohe, contradicts the report of the Minister of State von Voss on the exchange of his South Prussian estates for Krotoszyn. He says Voss apparently did not report the renunciation of Polajewo and relied only on the councillor of war Nöldichen. Instead of the claimed 49,043 Rthl in yield and 17,400 Rthl in loss, he says Krotoszyn pays 30,100 Rthl in rent, while his own estates yield 41,500 Rthl. He asks for an impartial commissioner to examine both estates. He says the aim had been to obtain capital to pay off his debts.

One line per manuscript line, with broken words hyphenated and stray break marks removed. Editorial decisions are set out in About the edition.
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  1. 86
  2. Allerdurchlauchtigster
  3. p. p.
  4. Euer Majestät hätte ich für die in allerhöchstdero Schreiben vom 4ten Dec.
  5. gegen mich geäußerte huldreiche Gesinnungen meinen unterthänigsten
  6. und ehrerbietigsten Dank ab. Nur das einzige bekümmert mich, daß ich
  7. nach dem von dem Staats Minister von Voss erstatteten Bericht in einem
  8. Lichten erscheine, als ob ich den Staats Interesse nachtheilige Vorschläge,
  9. bey dem unterthänigst nachgesuchten Tausch meiner SüdPreußischen Güter
  10. gegen die Herrschaft Krotoszyn Euer Majestät gethan hätte, und daher darf
  11. ich von Euer Mayestät Gnade gegen mich Verzeihung erwarten, wenn ich gegen
  12. jenen Bericht folgende Bemerkungen mir zu machen erlaube.
  13. I. ſtl:[?] muß ich unterthänigſt anführen, daß als mir von verſchiednen Personen
  14. eröffnet würde, daß die Zulage von 30000 rt baar, zu dem offerirten Tausch
  15. für Krotoszyn und Polajewo Schwierigkeiten treffen würde, weil ein Domai-
  16. nen Gut zwar vertauscht, aber nicht veräußert werden könne, ich dem
  17. Minister von Voss freiwillig gemeldet habe, daß ich mein Gesuch blos
  18. auf der Tausch meiner Güter von Krotoszyn einschränken wolle, wodurch
  19. die Veräußerung von Polajewo wegfiele. Es dürffte wenig guten Willen
  20. gegen mich verrathen, wenn der Minister diese Modification meiner Bitte
  21. Euer Majestät nicht angezeigt haben sollte, wie aus seinem mir zugeschickten
  22. Schreiben und aus der Ordre Euer Majestät zu erhellen scheint.
  23. II. Wann Euer Maj: auf meine unterthänigste bitte gedachten Minister v. Voss
  24. aufgegeben haben, zu prüfen, ob der vorgeschlagene Tausch statt finden können
  25. so war es wohl das erſte, welches ich erwarten dürffte, daß er von beiden zu
  26. vertauschenden Objecten eine genaue Nachricht einziehen würde. Hieran
  27. ist aber so wenig gedacht, daß man es auch nicht einmal der Mühe wehrt ge-
  28. halten auch nur eine Feder deßhalb anzusetzen, sondern es ist der Bericht
  29. auf einseitiges Angeben des Kriegesrath Nöldichen erstattet und von Kro-
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  1. toszyn jener hohe Ertrag ohne Grund angenommen, der so fort wie mir bekannt
  2. ist durch die eignen Berichte des Minister von Voss an des Höchstseeligen Königs
  3. Majestät, und in vielen Schreiben in den Minister von Struensee zur Zeit
  4. der Übertragung der Güter von der Seehandlung an die Posensche Kammer
  5. gerüchtet, nach mehrern Local recherchen zu der Zeit an ihn selbst, biß
  6. auf circa 28/m rt. heruntergesetzt wurde.
  7. Auffallend bleibt es mir daher wie er jetzt von einem Ertrage von 49043
  8. r. sich äußert, und also gegen meine Güter einen Verlust für den
  9. Staat von 17400 rt. nachweisen will.
  10. In der Wahrheit begründet ist es, daß Krotoszyn dermalen 30100 rt
  11. Pacht zalt, und viel dörfte es seyn, wenn bey der vorwaltenden Praeroga-
  12. tiven der Stadt, welche den Dominio alle Aussichten zur Melioration raubt
  13. der Ertrag je bis auf 36000 Rthl. reell gebracht werden dürfte.
  14. Meine Güter tragen nach dem von mir herein gezahlten und noch abzufüh-
  15. renden alten Schulden, die ich garantiren müßen, um nur in Besitz zu
  16. kommen 41500 rt. wofür ich Euer Majestät Eviction leisten kan.
  17. Hieraus ergiebt sich doch, daß der Vortheil auf des Staates Seite ist,
  18. indem demselben eine reine Revenue von 11/m rt. zuwächßt. Will
  19. der Minister v. Voss der angegebenen Ertrag auf die erst vorzunehmende
  20. Meliorationen rechnen; so glaube ich hiergegen frei behaupten zu können
  21. daß Meliorationen bey meinen Gütern viel ehender als bey Krotoszyn
  22. statt finden dürfften, indem die Zahl der Ortschaften auch der Flächen Inn-
  23. halt viel erheblicher als bey jenen sind.
  24. Wären indeß die Data die vom Wehrt von Krotoszyn angebracht sind,
  25. in der Wahrheit durchgängig gegründet; so hätte ich Euer Majestät mit
  26. nachtheiligen Vorschlägen bey dem offerirten Tausch behelliget. Ich bin
  27. mir aber selbst schuldig, auch sogar den Verdacht zu vermeiden, als ob ich
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  1. dazu fähig wäre, und dies macht es mir daher zur Pflicht untertänigst
  2. zu bitten, meine Bitte nicht unerhört zu lassen.
  3. "einem unpartheüschen Comissario aufzutragen den Wehrt meiner und
  4. der Krotoszyner Güter zu untersuchen, eine Balance von dem
  5. Ertrage beeder zu ziehen, und von dem Resultate Euer Majestät
  6. zu berichten."
  7. Ich würde dem Etats Minister Grafen von Hoym, der die Verhältnüße
  8. am genauesten kennt, hierzu ehrerbietigst in Vorschlag zu bringen mich
  9. unterstehen, wenn es nicht den Anschein haben möchte, als ob derselbe zur
  10. Rechtfertigung seiner Administration, meinen Behauptungen das Wort
  11. reden möchte. Euer Majestät überlasse ich einem Commissario
  12. den Allerhöchst sie für gut finden werden diesen Auftrag zu thun,
  13. und bitte Euer Majestät flehentlich und dringend
  14. "die gebettene Recherche und Berichte zur Rettung meiner Ehre
  15. mir nicht zu versagen, und solche Allergnädigst zu erfordern."
  16. Meine Absicht war allein haubtsächlich auf die Krotoszyner Güter
  17. ein Capital zu negociren, um meine Schulden nach Euer Majestät Wille
  18. baldigst zu bezahlen. Es würde mir auch Vergnügen gemacht haben, da
  19. solche nicht zu Zeit von meinem Gouvernement entfernt sind, selbst auf
  20. ihre Bewirthschafftung zu sehen, und in dieser Rücksicht würde ich selbst
  21. einen Verlust gegen die Meinigen übernehmen, wohingegen es dem
  22. Staat gleichgültig seyn kan, wo er seine Domainen liegen hat, wenn
  23. sie nur den Etatsmäsigen Ertrag gewähren.
  24. Ich ersterbe
  25. E[wr]. M[ajestät].
  26. Breslau den 7ten Decbr: 1798.