Traces in the Sand

Document 79 · Letter

8 October 1798

Berlin

Peter Friedrich von Triebenfeld, Councillor of War and Forests, Hohenlohe-Ingelfingen's agent → Prince Friedrich Ludwig of Hohenlohe-Ingelfingen

Triebenfeld is waiting for Minister von Voss's report on the exchange of estates and will stay in Berlin until the Krotoszyn matter is settled. He says Schulenburg and Hoym are well disposed towards the business and that Hoym is willing to give 1,000 Rthl if it comes about soon. He sets out how the sum is to be divided: Schulze's daughter 2,500 Rthl, Klewitz 3,000 Rthl, Michaelis 300 ducats. He intends to borrow 120/m Rthl from the Widows' Fund, reports on the dispute at court over a war, and asks for the blank forms.

One line per manuscript line, with broken words hyphenated and stray break marks removed. Editorial decisions are set out in About the edition.
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  1. 79
  2. Durchlauchtigſter Fürſt
  3. Gnädigster Herr!
  4. Mitt der nur denklichsten Sehnsucht, sehe ich jezt den Bericht
  5. dHn. Et. Minister von Voss. Excellenz entgegen. Der Himmel
  6. regiere doch nur dießen Menschen-Feind das Herz, daß er
  7. hier in dieser nur über alles ans Herz liegende Sache keinen
  8. Quaerstrich macht
  9. Der Minister Gen[eral]. Schulemburg hatt sich sehr bereitwillig
  10. erklärt, und wie ich fest glaube würde der guten Sache
  11. von dieser Seite kein Hindernis in Wege stehen. Am
  12. Ende komt es in seine Hände, den die Gelder fließen zur
  13. Dispositions Casse welche nach dem Hinscheide des Ex Min[ister]: Wöl-
  14. ners, dem H. Gr v. Schulemburg übertragen worden.
  15. Der Minister Ge. Hoym ist heute nach Potsdam berufen
  16. wohin er früh um 8 Uhr abgereiset iſt — ich habe
  17. ihm daher von der ganzen Sache Anfait gesezt, indem es
  18. leicht geschehen könte, daß das K. M. ihm wegen jene Güter
  19. die er so lange Zeit unter seiner Disposition gehabt
  20. tragen dürfte. Er hatt mir sein Wort gegeben
  21. desfals alles zu thun, und ich glaube es ist sein Ernst —
  22. den er meinte, daß er es um deswilligen gerne sehr
  23. weil dan sein Kummer gehoben würde, daß er für Ew.
  24. Durchlaucht
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  1. Ew Durchlaucht Güter in Vorschlag gebracht, worin er nicht
  2. vorhero durch Cabinets ordre angewiesen wäre worden.
  3. Er meinte daß sich H v Voss desfals schon formalisirt
  4. habe, und daß er gerne 1000 rt. gebe, wolle wann die Sache
  5. bald zu Stande käme —
  6. Der Minister Struensee ist auch von der Sache Anfalt gehabt
  7. der wird wahrhaftig nicht entgegen sein — der Cabinett
  8. Rath Beyme hatt es ihm selber erzählt und aufrich-
  9. tig gesagt macht mich dies den meisten Muth — den wan-
  10. Der König es nicht recht ernstlich mit der Sache meinte
  11. so würde man nicht davon sprechen, den kömt die Sache
  12. einmahl unter Menschen, so muß es absolut geschehen.
  13. Und in Grunde ist dies sehr schon der Fall
  14. Indes hoffe ich auch außerdem, daß die Sache ganz gewes-
  15. bestens gehen wird. Und die Kerls müßen für ihre 12 Rthl
  16. doch auch etwas thun —
  17. die vertheilung dieser Summa weis ich jezt ohngefehr
  18. die Schulzische Tochter, welche ein großes Ascendent über
  19. ihren Vater hatt erhält 2500 rt. Klewitz 3000 rt der
  20. Hoff Fiscal Michaelis 300 Ducaten — den Rest theilt
  21. sich die X Spinne mit Treskow. Michaelis ist indes ein
  22. feiner Gesell er hatt die Versicherung schon gehabt und
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  1. sich dennoch so verstellt — Mag er indes thun, wie es ihm gefält
  2. Wann Ewr Durchlaucht erlangen, was ich alles wünsche
  3. In Potsdam geht gewis alles gut — ich habe dorten einen
  4. Cabinets Secretair der bey Beyme ist mit den Brandhorst
  5. engagirt, diese werden nicht nur jezt, sondern in Zukunft
  6. alles was Wichtiges vorfällt melden. Es kostet aber
  7. 200 fr d'or —
  8. Nun etwas von Politiſchen Dingen —
  9. Der König sträubt sich gewaltig gegen den Krieg —
  10. H. v. Köckritz und v. Zastrow sind auch dagegen vorzüglich
  11. streitet hier wider der Minister v. Struensee —
  12. Gr[af]. Haugwitz scheint in einem gewaltigen Embarras zu stecke
  13. er hatt mir schon eingemahl gefragt was ich aus Sudpreußen
  14. hörte, ob keine sichere Nachrichten von Marsche der Rußen
  15. hören wären — wie ich merke scheint dies das Haupt Signal
  16. zu sein — der Gen[eral]. Schulemburg will aber Absolut Krieg
  17. Er flattirt desfals dem Minister Hoym, und nach deßen
  18. heutigen Äußerungen wird der aufs feinste nach möglichkeit
  19. zum Kriege rathen — den er rechnet auf der Art dem Minister
  20. Schulemburg los zu werden — dieser leztere ist sehr auf Stru-
  21. ensee aufgebracht, da der den Krieg widerath und stets von
  22. schiebt es sey kein Geld da — ja er soll gerade zu ge-
  23. sagt haben, welches auch Goldbeck beypflichtet — der
  24. Herr Graf Schulenburg hatt den Hochseeligen Herrn zu jenigen
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  1. unglücklichen Kriege verleitet, und dadurch unser Haus in der Trau
  2. rigsten Laage versezt, er wird es jezt Plumper als vor
  3. her machen — Dies dürfte nun aber die Woche nach sich ziehen
  4. daß der Gräfl Schulemburg dem König einredet, daß die
  5. ganze Zoll Accise Salz Direction nicht nötig ist, daß
  6. die Menschen Mittwen Kosten welche der König erspaar
  7. könne, daß er diese Sache, wie es ehedem gewesen unter
  8. den alten Landes Collegien mit unterordnen solle, die da
  9. dies ex officio besorgen müßen — der Graf Hoym pflichte
  10. diesen bey und will Struensee gerne mit stürzen
  11. ich habe ihm heute gebeten mit abdrückung fremder Pfeile
  12. vorsichtig zu Werke zu gehen — indem er dadurch in ein gar
  13. stiges Licht gestellt werden könte, umsomehr als jezt den
  14. Obest v. Köckritz des Stru-Parthe nimt — Sonsten steht der
  15. Minister Hoym jezt sehr gut angeschrieben, und wenn er
  16. sich gut nimmt so kan er die beste Rolle spielen.
  17. Ich werde so lange hier bleiben bis die Krot[oszyn] Sache hier auf
  18. Reine gebracht ist — den ich sehe wohl, wann man was aus
  19. gerichtet wißen will, so muß man selbst aufm Plazze bleiben
  20. Überdem negocire ich aus der Wittwen Casse auf meine Gu-
  21. ter 120/m Rthl rück, damit es, wann es erfordert wird bey den
  22. Arangirung des Güter Tausches nicht an Gelde fehlt — Michae-
  23. lis ist bey diesem Institut Justiziarius — auf ihn kommt
  24. es an, und da er mich seine guten Dienste anboth, so will ich
  25. in der Art davon profitiren — Um die blanquets zu briefen bitte
  26. ich widerholentlich — und erſterbe in tiefer Submission
  27. Ewr Hochfürstliche Durchlaucht
  28. Berlin den 8ten Octobr.
  29. 1798.
  30. unterthänigster treuer Knecht
  31. v. Triebenfeld
Written sideways on the page
  1. Die Fürsten Sacken durchl. wären über die Nachricht gestern äußerst froh
  2. Auf den Minister Haugwitz aber schmählt Sie sehr — er ist mit der Fürsten in
  3. Gesellschaft gewesen und hatt sich nicht in ungdeßen wegen seiner Grobheit ent-
  4. schuldiget, ich traue dem Held nicht — er thut am Ruhn[Reckn?] gewis für Ewr Durchl.
  5. nicht das änderte, und belügt Ew. Durchl. und dem guten König —