Traces in the Sand

Document 60 · Letter

4 August 1809

Konotop (Kontop)

Peter Friedrich von Triebenfeld, Councillor of War and Forests, Hohenlohe-Ingelfingen's agent → Prince Friedrich Ludwig of Hohenlohe-Ingelfingen

Triebenfeld reports that at van der Lahr's instigation everything in Świniary has been sealed and placed under sequestration, and in Konotop too. Van der Lahr has been paid, he says, and Grevenitz is sending his receipt and consent, which Triebenfeld is forwarding to Loen in Wrocław. The sequestration, however, remains in force on account of the interest on 1,860 Rthl. Fetching money from Zagórów has been forbidden, he says, and Honrichs arrested. He asks the Prince to raise 1,800 Rthl and send it to Professor Schade. He says he cannot travel to the Prince for the time being.

One line per manuscript line, with broken words hyphenated and stray break marks removed. Editorial decisions are set out in About the edition.
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  1. 60
  2. Durchlauchtigster Fürst
  3. Gnädigster Fürst und Herr
  4. Mit blutenden Herzen muß ich Ewr Hochfürstliche Durchlaucht nun doch mein überaus
  5. großes Unglück melden. Mann hat in Schweiner alles versiegelt und um
  6. Beschlag genommen um die Güter zu sequestriren.
  7. Der Wucherische van der Lahr hatte dies nachgesucht weil die ihm gesandte
  8. Producte als Eysen und Bretter bey den inodern Waßer an 6 Wochen unter
  9. wegens waren. Jezt hat der Hund seine Bezahlung aber ich bin unglücklich
  10. weil die andern Gläubiger nicht ehender abgehen, als bis sie ihre Zinßen
  11. haben. Da dort um hier alles in Beschlag genommen ist, so habe ich nun
  12. kleinen Jord und weis mich durchaus nicht zu retten. Mein Unglück ist
  13. jezt gränzenlos, und meine Kinder werden mit mich Bettler den durch
  14. der Sequestration kömt nichts heraus, alles wird aufgerieben, die Zinsen
  15. häufen sich und die Subhastation erfolgt werden Güter die 200000 rt.
  16. werth sind, im diesem Zeiten für Baum 1/3 teil verschleudert werden
  17. Nie hätte ich geglaubt, daß es mit mir dahin kommen könte — ich konte
  18. mich drauf unter den wohlhabendesten Männern des Staates zählen
  19. jezt schon muß ich mich als Bettler betrachten, und warum? Blos weil
  20. ich zu gut war nur dem König und andere Männer helfen wolte, weil
  21. ich nie auf mein sondern fremdes Intresse sehr —
  22. Ich scheine mich unter Menschen zu gehen ich lebe wie ein Wilder in
  23. einsamen Winkeln und Bejammere einen und meiner Kinder Schicksahl
  24. was ich bey Gott nicht verdiene Schlaf ist mich fremd und Menschen
  25. die mich nur verspotten muß ich fliehen — am mehrsten kränkt mich
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  1. das Jammern und Gewinsel meiner Kinder für die ich mich zwar verberge
  2. aber die mich dennoch mit den größlichsten Klageliedern durch Briefe
  3. verfolgen. Ich kan sie nichts geben, den ich habe so wahr Gott ist selbst
  4. nichts und meine Töchter arbeiten für Geld und laße es im Geheim ver-
  5. kaufe um mich nicht zu kränken. Dies allein zerreißt mein Herz am mehrsten
  6. Ich selbst erträge Hunger dürf und jede Fahrlichkeit des Lebens, ich habe wenig bedürfniß
  7. An weder Spieler noch Bühler ich würde alle diese Unfälle nicht achten sondern / wann
  8. ich sie allein zu tragen hätte / sie ohne wirren dulden, aber der Vorwurf
  9. daß ich meine Kinder vor Geldarbeiten sehen soll, dies zerrüttet meine Sinne
  10. und stumpft meine Gefühle ganz ab —
  11. Mit 1860 rth könte ich gerettet werden, aber wo soll ich sie hernehmen, da
  12. hier und in Schweinern die Sequestration verhängt ist — Man Credit ist
  13. jezt ganz hin, ich bekommen nicht 100 rt und muß darbey
  14. Ich wolte aus Zagorowo Geld auf die Decrete des Französischen General
  15. Gouvernements schaffen. Mir davon 1800 rt nehmen und was mehr kam Ewr
  16. Durchlaucht senden — ich erboth mich da man das baare Geld nicht aus
  17. dem Lande läßt, Pferde Schaafe und Spiritus anzunehmen, der
  18. arum Honrichs entrirte darin, und wolte dies besorgen Mann hat es aber
  19. nicht nur verboten, sondern Honrichs sofort arretirt und droht ihn zu
  20. Arquebusiren — ich habe jezt alle Hände voll zu thun um den Menschen
  21. der Vater von 7 Kindern ist zu retten. Ich habe also auch hier statt
  22. Hülfe, Kosten, Kummer umförge.
  23. Ich würde Holz Bretter und Produkte haben um Geld zu erhalten, aber
  24. man läst mich nichts anrühren und hat alles mit Arrest belegt — ich soll
  25. Absolut zuvor, die Lahrsche Sache an dem die 1860 rt bezahlen den
  26. will man die Sequestration aufheben und mir mein Eigenthüm
  27. nebst alle Produkte wieder frey geben. Von dem Blut
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  1. Blut-Igel van der Lahr schickt wir Graevenitz in diesem Augenblick eine Quittung
  2. und einen Brust an den J. W. v. Loen, daß er bis auf einige hundert rt Kosten und
  3. Intresse befriedigt sey, daß er aber in die Aufhebung der Sequestration
  4. und Execution willige. Diesen schicke ich jezt in der Stunde nach Breslau
  5. an Loen, aber durch das bruit ist nun die Sequestration auch wegen den alten
  6. und neuen Zinßen von 1860 rt veranlaßt, ehe ich diese nicht zahle hebt man die
  7. Sequestration um doch nicht auf —
  8. Meine schönen Fächste die unter Brüdern 1000 rt. werth waren hat Loen schon für
  9. 460 rt verkaufen laßen, und eine Post zinsen dafür abgerechnet — O ich möchte
  10. rasend werden. Morden hätte ich sollen ehe ich mich für König Land und
  11. allen geopfert und Summen hingegeben hätte — ich hätten den vieleicht, so wie
  12. jezt, tragisch andern können, aber meine Kinder hatten nicht dürfen fürs Geldarbeit
  13. Aubte Vierchitz so hätte einen Freund gehabt der mich nicht hätten sindern
  14. laßen, der ist aber nicht mehr — An Mutius schrieb ich — der will aber
  15. selbst verhungern.
  16. Ewer Durchlaucht sind noch der Einzige den ich jetzt auf diesen Erdenrund
  17. habe gegen den ich mein Herz aus schütten kan. Aber ob Sie helfen könne
  18. das weis Gott — Es sind 1800 rt wodurch ich gerettet werden kann
  19. dan bin ich zwar noch der Kockeitzschen Familie schuldig, aber daß kan ich
  20. sofort aus Produckte die hier in Arrest liegen nehmen und alles
  21. befriedigen.
  22. wäre es Ewr Durchlaucht möglich die 1800 rt dorten aufzutreiben, so
  23. würde ich bitten diese Post gleich an den Professor Schade zu schicken
  24. damit der sofort die Zinsen bezahlte und auf Aufhebung der Seques-
  25. tration dränge — Ewig würde ich Ewr Durchlaucht dafür dancken
  26. In dieser Stunde erhalte ich ein Schreiben von Lombardini — es ist
  27. von 29ten July und schon 7 Tage alt, daß ich zu Ewr Durchlaucht kommen
  28. soll
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  1. So gerne ich Ewr Durchlaucht Befehle nachlebte, so kan ich das jezt
  2. nicht. Ich kan nicht vom Fleck bis ich gerettet bin, und die Güter im
  3. Producte frey habe. Dann kan ich reisen Tag und Nächte
  4. Gerne will ichs auch thun und meines in der Hölle hinab gehen
  5. müßte, nur jezt bin ich ganz außer Stande 3 Meilen zu
  6. reißen. Meine Pferde sind zum T. und Geld habe ich nicht
  7. können Ewr Durchlaucht Rath schaffen, so geruhen Sie es bald zu
  8. thun. Befehlen aber gnädigst, daß alles durch einen Expressen
  9. geschickt wird. Die Posten gehen zu langsam, den das beweisen
  10. Die Briefe die ich von dorther erhalte.
  11. Ehrfurchtsvoll ersterbe
  12. Ewr Durchlaucht
  13. Kontop
  14. d 4tn August
  15. 1809.
  16. unterthäniger Diener
  17. v Triebenfeld