Traces in the Sand

Document 59 · Letter

11 July 1809

Konotop (Kontop)

Peter Friedrich von Triebenfeld, Councillor of War and Forests, Hohenlohe-Ingelfingen's agent → Prince Friedrich Ludwig of Hohenlohe-Ingelfingen

Triebenfeld complains about the sequestration of Konotop and the execution against the Świniary estates on account of 2,560 Rthl in interest and the debt owed to van der Lahr. He says he sent the latter iron and boards worth 2,570 Rthl, leaving 430 Rthl outstanding. Grain, wool and timber worth about 7,000 Rthl are finding no buyer, which is why he cannot come to the Prince. The Prince should write directly to the King. Honrichs may not take money out of the country, and Triebenfeld asks Brzechffa whether cattle and grain may be exported.

One line per manuscript line, with broken words hyphenated and stray break marks removed. Editorial decisions are set out in About the edition.
Page 1lines 1-24
  1. 59
  2. Durchlauchtigster Fürst
  3. Gnädigster Fürst und Herr!
  4. Seit meiner Rückkunft aus Königsberg habe ich noch keine ruhige Stunde gehabt, Schlaf und
  5. Ruhe sind mir schon ganz fremd, der nagendeße Kummer begleitet mich allewege und
  6. Die gröste Noth drängt mich bis zur Verzweiflung.
  7. Kontop wird fortwährend sequestrirt, es fehlen mich hier circa 2000 rt.
  8. ich kan sie nicht auf treiben und muß dulden daß fremde Menschen in meine
  9. Güter seyzen meine Revenuen ziehen, auch Willkühr darüber disponiren, und sie
  10. vergründen. In den Schweinerschen Gütern sich fortwährend Execution wegen
  11. 2560 rt Zinsen, und wegen die van der Lahrsche Schuld. Könte ich die 2560 rt.
  12. erschwingen, den wäre ich frey und mein Credit wären hergestelt —
  13. An v. d. Lahr habe ich 300 Centz Eysen und 14 Schock Bretter, wo das Schock
  14. 1440 Fuß rheinländisch halten und jedes Bret 1 1/2 Zoll dick und 15 Zoll breit sein
  15. muß, a 60 rt. geschickt. Dies thut zusammen 2570 rt.
  16. Dieser Blutigel hat also noch 430 rt und die Intressen und Kosten die an
  17. 300 betragen können, zu erhalten, den ist dieser Kerl ganz befriediget
  18. Ich werde zu diesen Behuf noch wohl am 1[0?] Schock Bretter geben und nach Berlin
  19. senden müßen, um mich aus den klauen dieses Wucherers gerettet zu
  20. sehen. Die Bretter liegen zu diesen Behuf schon am Waßer, und diese famose
  21. Geschichte wird in wenigen Tagen abgemacht ſein, indes entgehn mir wieder durch
  22. die Bretter 1800 rt. fand, wodurch ich meine Intressen bezahlen die verfluchte Seques-
  23. tration hier gelaſen, und wieder Herr meiner Güter hätte werden können.
  24. Ich muß schon noch eine Zeit dulden und anderweiten Rath schaffen, nur weis
Page 2lines 25-52
  1. Gott wie dies schnell bewerkstelliget werden soll, den Producte aus freier Hand zu
  2. verkaufen geht nicht, die Geld Noth hat den höchsten Güstel erreicht und vermehrt
  3. sich täglich durch das überaus dumme Benehmen der Königsberger.
  4. Ich habe 1000 Scheffel Getreide zu veräußern, im Gewölbe liegen 105 Stein wolle.
  5. Im Forste stehen 2000 Klafter Holz. Dies würde nach den mittelmäßigen Sazzin
  6. an 7000 rt betragen. Aber kein Mensch will kaufen, weil man in Königsberg
  7. so Scheffel dumm ist, zu erlauben daß die Pohlen alle diese Produkte bey
  8. uns einführen können. Mann berechnet nicht daß dafür unser bis ihm Geld
  9. außer Lande geht, daß man denn Pohlen die Mittel hierdurch in die Hände
  10. giebt sich fortwährend zu armiren, und uns zulezt selbst wieder gefährlich
  11. zu werden. Mann sieht nicht ein daß dadurch unsere Guts Besitzer
  12. vollends gestürzt und zu Grunde gerichtet werden.
  13. Ich habe die uns doch würde Gefahr und alle diese Übel in meinen Berichten nach,
  14. Königsberg noch von hier aus mit geschildert und dem König dies aus Herz zu
  15. legen gesucht, allein man achtet nicht darauf, die Natten Brut um den
  16. König weint es noch dazu Übel meine man die Wahrheit sagt und daher muß
  17. jeder ehrliche Mann verstummen, und sein Schicksahl im dumpfen Schmerz ver-
  18. graben entgegen sehn.
  19. Mein einziges Bestreben ist jezt die 4560 rt zu erhalten, um meine Güter frey
  20. zu machen, um die mich drückende Executionen los zu werden. Ich würde
  21. geran die oben geneigten Produkte für 2/3 teil des Werthes hingeben
  22. aber die Sequestration verstattet mich nicht ehender darüber zu disponiren
  23. bis ich die 4560 rt bezahlt habe, auch ist der Geld mangel so groß daß
  24. Niemand so starke Posten auf einmahl nehmen und bezahlen kan. Ich muß also
  25. diesen nagenden Kummer noch eine Zeitlang tragen und auf Gottes Hülfe harren.
  26. Dies sind indeß durchlauchtigster Fürst und Herr die Gründe welche mich behindern
  27. sich höchst Ihnen zu Füßen legen zukönnen. Daß ich längst, wann ich mich hätte
  28. retten können, zu Ewr Durchlaucht geeilt sein würde, werden Höchst Sie mich
Page 3lines 53-82
  1. doch wohl ohne große Betheuerungen glauben. Der Himmel ist mein Zeuge, daß ich nur
  2. darum nicht vom Flade kan; den gehe ich weg, so glaubt sich suche zu unterischen und
  3. verhängt, so fort ohne alle Barmherzigkeit die Subhastation meiner sämtlichen Güter
  4. Wo solte ich mich den auf meine alte Tage mit meinen Kindern hinwenden? Nach Ruße
  5. land zurück zu kehren, dazu bin ich zu alt — auch stehn mich meine Kinder in Wege —
  6. Glauben Sie gnädigster Herr ich lebe hier elender wie ein Tagelöhner, den
  7. mein Credit ist vernichtet und, zu Ihnen allen gesagt, ich habe manchen Tag nicht einen
  8. Groschen, und bin schon einigemahle, um mich kein dementi zu geben heurig zu
  9. Bette gegangen — Vergönnte man nicht Luft und einige Nachsicht, erlaubte
  10. man mich über meine Produkte zu disponiren, so schafte ich Rath bezahlte all[es]
  11. und bliebe ein Mann von wenigstens 400000 rt. Aber will uns vernichten
  12. Mann will durch tolle Lequestrionen die Subhastation der Güter herbey
  13. führen und so jeden ehrlichen geraden Kerl stürzen.
  14. Genug der Herr wurden Ewr Durchlaucht fürchte ich hierdurch schon ermüdet zu haben
  15. Gegen Niemanden rede ich in den Ton und laße meine Kläger laut werden, ich dulde hier
  16. allein um in Stillen —
  17. In der Erbschafts Sache müßen wir ganze andere Wege einschlagen
  18. darüber nun mündlich das mehrere Herr Bey ist um bleibt am Be-
  19. In Ewr Durchlaucht eigenen Angelegenheiten ist um bleibt kein anderer Weg als
  20. daß höchst dieselben gerades wegen an den König schreiben — Übrigens glaube ich
  21. daß es gut ist, daß es Ewr Durchlaucht noch nicht gethan habe, den wenn der Biderei
  22. Major v Pirch nicht im Königsberg ist, so wird man Ihre Sache so schlecht wie möglich
  23. zu drehen suchen. Sie habe nur in dieser Comission die 2 wahren Freunde, nemlich
  24. dem H. M[ajor]. v. Pirch und p v Hache. Gneisenau traue ich nicht, er thut sehr kalt
  25. und soll gesagt haben, daß Ewr Durchlaucht nie sein Freund gewesen wären.
  26. und daß er mit Ihre Sache jezt nichts zu thun haben wolle.
  27. daß der O L v Knesebak wieder einrangirt werden soll, finde ich eben nicht sehr
  28. schicklich. Dieser Mann ist ein zu großer Hypochondrist er forderte damals
  29. mit Ungestüm seinem Abschied, und gieng maulend weg. Wer einmahl auf der
  30. Art wegeht dürfte mir nie wiedrkommen, solche Bocksprünge gerathen sollen.
Page 4lines 83-117
  1. Scharnhorsten braun ich durchaus nicht; es kan ihm aber sein Ziel nahe gesteckt sey,
  2. Von den Tugendfreunden ist jezt alles stille — denkende redliche Männer aber
  3. fürchten von dieser Seite eine arge Explosion.
  4. Über Rußlands Benehmen sind die Meinungen sehr verschieden, mann fürchtet
  5. daß Rußland auch gegen uns Masque macht.
  6. Gott gebe nur dem E. H. Carl Glück, Schlägt dieser Prinz noch nunmehr das
  7. Ungeheuer der Welt denn geht alles gut und wir kommen gut aus der
  8. affaire, wann aber in ht, dan steht zu befürchten, das Osterreich den Frieden
  9. animmt, aber Schloßen und Sachsen sich zueignet.
  10. Konstantin dagegen ganz Pohlen, Preußen, Pommern und Schlesien bis an der Oder
  11. als Kayser der Sarmaten erhält, wogegen Alexander die Europäische
  12. Türkey garantirt werden soll.
  13. Die Pohlen wollen sich noch nicht zum Ziele legen — hier werbe, und armiren, die H:
  14. noch immer fort. Honrichs war gestern mit Cabanis hier dürfte der
  15. Geld ausführen, so wären Ewr Durchlaucht geholfen, auch ich könte mich schnell
  16. retten — Mann giebt es aber durchaus nicht nach ohnerachtet ich die Befehle des
  17. Französehen General Gouv: hin gegeben habe — Man droht ihn zu Insecuriren,
  18. und er muß alles Geld nach Kalisz um in König an dem pod Prefect
  19. Brzechffa abliefern, worüber er nur selbst die Quittungen vorgezeigt hat.
  20. Ich habe an Brzechffa geschrieben und ihm angefragt ob man für das Geld
  21. nicht Vieh und Getraut ausführen dürfe — acceptirt man das so wird
  22. Honrichs den schon Rath schaffen, Geld statt deßen bringen und Atten
  23. für erkauftes Mich Getraut und Spiritus vorzuzeigen wißen.
  24. Sobald es nur in der Welt möglich ist und ich mich nur im etwas gerettet
  25. sehe eile ich zu Ewr Durchlaucht in den 4 Wochen dorten zu bleiben vieles
  26. zu ordnen und in Noth fall, dan wieder nach Preußig zu gehen.
  27. die hundert und habe mit zerknirschten Herzen von Lombardini angenom-
  28. dem ich soll dem Zoll für Eyßen und Bretter noch an meinen hiesigen
  29. Einnehmer bezahlen, und da kan ich bey nahe die Hälfte heute mit abführen.
  30. In tiefſter Ehrfurcht ersterbe
  31. Ewr Hochfürstliche Durchlaucht
  32. Kontop
  33. d. 11ten July 1809.
  34. treu gehorsamster Diener
  35. v Triebenfeld