Traces in the Sand

Document 42 · Letter

16 January 1809

Berlin

Peter Friedrich von Triebenfeld, Councillor of War and Forests, Hohenlohe-Ingelfingen's agent → Prince Friedrich Ludwig of Hohenlohe-Ingelfingen

Triebenfeld reports that he was arrested by French gendarmes as the Prince's authorised representative, so that arrears of interest of 3,521 Rthl would be paid to the Invalids' Fund. Since van der Lahr is suing him for a further 3,000 Rthl and is preventing his departure, he urgently asks for 2,068 Rthl to be sent to Konotop, which his creditors are placing under sequestration. He says the French General Government has ordered the lifting of the sequestration on account of the Invalids' Fund. He says he has protested against the sequestration of Zagórów and has begun proceedings against Oppenheimer.

One line per manuscript line, with broken words hyphenated and stray break marks removed. Editorial decisions are set out in About the edition.
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  1. 42
  2. Durchlauchtigſter Fürſt
  3. gnädigſter Fürſt und Herr!
  4. Wann ja ein Menschliches Wesen von Noth und Trübsal gedrückt und alle
  5. Claßen der Leiden durchgepeitſcht worden, ſo bin ich es jezt.
  6. Es ist nun über ein Jahr daß ich hierher geschickt ward um hier eine
  7. und das andere zu bewürken, um dan von hier über Wien nach Kö-
  8. nigsberg zurück zu kehren.
  9. Ich ward da ich eben im Begriff war von hier abzureisen durch franzö-
  10. ſiſche Gensdarmerie auf Befehl des Er Gen[eral]. Gouvernements auf
  11. gehoben und des willen im strengen Arrest gesezt daß ich als Ewr.
  12. durchlaucht Bevollmächtigter sofort an der Invaliden Casse die
  13. rückständigen Zinsen mit 3521 rt bezahlen solte.
  14. Die Sache erregte einen Terreur wodurch meine Ehre und Credit litt —
  15. Gegen Caution des Kammergerichts Rath von Grevenitz und Gastwirth
  16. Mathieu ward ich auf 4 Wochen meines Arrestes mit dem Bemerke
  17. entlaßen, daß ich unter das die 3521 anschaffen und solche nebst Kosten
  18. an den französischen Intendenten Maluce[?] baar in hart Courant
  19. bezahlen sollen widrigenfals ich nebst meine Caventen in Arrest und
  20. neue gezogen werden ſolte.
  21. während dieſe 4 Wochen nun mußte das Geld angeſchaft werden
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  1. baar dieſe Summe zu erhalten war ein Werck der Unmöglichkeit,
  2. ich müste Papiere nach den Nominal Werth nehmen, um dafür nach
  3. 3 Monath baares Courant wieder zu bezahlen versprechen.
  4. Der redliche Min[ister]: v Zastrow gab ein Pfand und keinen solida.
  5. rischen Wechsel den Grevenitz und ich mit unterschrieben.
  6. die Zeit verstrich schnell und Kaufmann van der Lahr forderte
  7. 5000 rt nebst Zinsen. Um H. p v Zastrow und Grevenitzes Willen
  8. müste ich schnell Rath schaffen — Ich nahm daher von Färber
  9. Coste 9000 rt Staats Papiere gegen 6 pct Zinsen die zur de-
  10. kung eingelegt und dafür das Zastrowsche Pfand und der
  11. Wechsel eingelöset wurden — Coste hatte mir die Staats-
  12. Papiere mit der Condition gegeben, daß ich ihm solche eben
  13. in solchen Pappieren zurück gewähren solte. Die Papiere
  14. standen zu der Zeit sehr niedrig, ich konte selbige nicht
  15. verkaufen, sondern verſezte ſie und das Koſtete wieder
  16. schweren pro Cente und Proxention.
  17. Inzwischen giengen die 3000 rt. von Ew. Hochfürstliche Durchlaucht
  18. ein davon zahlte ich sofort 2153 rt baar an Lahr und
  19. Kaufte für den Rest Papiere, Hecker gab 4000 rt in Papier
  20. Caution, diese versezte ich wieder für 1000 rt und zahlte
  21. Intressen und Kosten. Um indes von dem Agiotien wie alle Bank
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  1. Banquiers zur profitiren und aus der Affaire zu kommen kaufte und
  2. verkaufte ich Papiere mit Vorteil, so daß ich dermalen
  3. die sämtl. 9000 rt für Costen wieder beisammen habe und
  4. weiter nichts als die Baaren Zinßen mit 340 rt fehlen. Habe ich
  5. diese den ist diese ganze Summe getilgt und völlig abgemacht.
  6. Inzwischen hat mich Lahr wegen die ihm noch kommende 3000 rt.
  7. verklagt und behindert meine Abreise.
  8. Ich habe dafür Papiern deponirt, ich darf aber nicht fort
  9. bis die Sache applanirt ist.
  10. Nach dem Landrecht muß er nun mit Papieren zufrieden sein
  11. Indes muß ich den Zuschuß bezahlen, und dieser beträgt
  12. erſtens auf die Coetensche Papier wie oben geſagt 340 rt.
  13. 2tans Intressen Gerichts und andere Kosten 568 rt.
  14. 3. Für zwey Obligationen die ich noch ganz Wechsel
  15. schuldig bin. 360 rt.
  16. 4. Für 2 Obligationen die in Depot liegiren 800 rt.
  17. sind Summe 2068 rt
  18. Diese 2068 rthl müßen geschaft und bezahlt werden alsdann
  19. ist diese überaus fatale Geschichte gehoben und abgemacht
  20. und ich kan reisen, wohin ich will.
  21. Ist es Ewr Durchlaucht in der Welt möglich so treiben Sie
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  1. ſolche dorten zuſammen und ſchicken Sie ſelbige eiligſt nach
  2. Kontop, ich kan sonsten nicht vom Fleck — und wäre
  3. doch sehr gut war ich Ewr Durchlaucht persönlich aufwarten
  4. dürfte — den ich selbst weis mich nicht zu helfen — durch
  5. diese Geschichte daß ich hier Arretirt war verlohr ich
  6. Credit und Gesundheit — meine Gläubiger wachten von
  7. allen Seiten auf und Sequestriren mir heute noch Kontop,
  8. Selbst kan ich nicht hin den ich bin um Ewr Durchlaucht
  9. hier in Arrest — was mich am meisten schmerzt ist daß
  10. mir Mathieu am Ende noch rest halten will wird
  11. ich ihm noch 1500 rt Münzer schuldig bin 2083 rt habe ich den B —
  12. schon bezahlt und noch kommen ihm 1500 rt darin will
  13. mich der [T?] nicht reisen laßen.
  14. Beinahe 6 Monath lag ich, über all den Ärger, sehr elend
  15. Kranck und auch diese Geſchichte koſtet mich hier am
  16. 300 rt was ich allen dem dockter und 170 rt. sie ich in Apothecke
  17. bezahlen müßen. Nie hat mich das Unglück so verfolgt
  18. als in diesem Jahre hier. Indes wird auch dies überstanden
  19. sein, wann ich nur die 2068 rt erhalte um die Lahrsche
  20. Sache ganz aufs reine zu bringen kan.
  21. Zu dieſer ſchaffen Ewr Durchlaucht ja Rath, ich bitte
  22. Sie herzig und dringend darum, ich kan sonst nicht
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  1. von dannen, und muß hier sezzen bis geholfen wird.
  2. Von meine Güter habe ich jezt nichts die Abgaben sind zu
  3. drückend — ich weiß noch nicht wie ich den Sequester in
  4. Kontop los werden soll, und gelänger ich hier sezige
  5. desto größer ist mein Verlust!
  6. Mein Schaden den ich leide ist entsetzlich Ewr Durchlaucht
  7. ist bekant, daß ich nie Klage, aber jezt geht mir das
  8. Waßer am Halse. Ich bitte Sie gnädigster Herr er
  9. barmen Sie sich und sorgen, daß ich die 2068 rt nun
  10. bald erhalte damit ich in Freiheit komme.
  11. Vom Französchen Gen Gouvernement ist der Befehl an das
  12. Justiz Ministerium nach Warschau gesandt, daß der
  13. Sequestir wegen des Invaliden Casse aufgehoben werden
  14. soll auch daß man die von eine erpreßten Zinsen aus die Güter
  15. zurückzahlen solle — diese können Euer durch lang
  16. gegen die Original Verfügungen den Selbst ziehen und
  17. auf der Art verlieren Sie nichts, um können mir zur
  18. deckung meiner hier gehabten Kosten wohl entschädigen
  19. Wegen der sonst in Zagorowo verhängten Sequestra-
  20. tion habe ich die gehörigen Protestationen einlegen
  21. laßen, und dem Juden Oppenheimer der an der Bau
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  1. ſeine Forderung cedirt, hier einig Prozeß formirt
  2. wo ich ihm fiscalisiren laße — den er rechnet sich prore[?]-
  3. netica und Gott weiß was an — Er giebt vor 105/m
  4. rt zu fordern zu haben, was in Gründe eine
  5. Lüge ist — Er hat mir 72/m rthl zu fordern, und diese
  6. wird man hier im Berlin wan der Prozeß entschieden
  7. ist in Papieren deponiren, und dan ist dort alles
  8. in rechten.
  9. Mit der Invaliden Casse und allen Schulden würden 122000 rt
  10. heraus kommen.
  11. Ich habe hier einen Kaufmann der Eisen auch andere Product
  12. nehmen, und Geld gebe will. wan man im Stande wäre 60000 rt
  13. aufzutreiben, so hätte man 120000 rt, wie die Papiere jezt
  14. stehen, und könte alles Tete bieten — Fielen die Pappiere
  15. wieder bis zu 30 proCent so könte man für höchstens
  16. 40000 rt alles abmachen — der Plan ist längst von mir
  17. entworfen, wäre ich nur erst hier heraus dan solte alles
  18. wie bald aufs reine kommen.
  19. Beherzigen Ewer Durchlaucht meine Bitte und sorgen, daß
  20. gerettet und in Freyheit gesezt werde. Ich will alles
  21. Ungemach willig dulden Tag und Nacht reisen, nur meiner
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  1. Freyheit will und kan ich nicht beraubt sein. Ich bin in allen
  2. gelähmt, schon der Gedanke schlägt allen meinen Muth wieder
  3. und macht mich zu allem Unfähig.
  4. Aus Königsberg habe ich an, 8 ten d M Briefe gehabt, man schreibe
  5. in Ansehung Ewr Durchlaucht etwas tröstliches, besonders soll
  6. sich dH. G[eneral]. v. K[öckritz]. zwar durchlaucht Sachen sehr eyfrig angenommen
  7. haben. Nach der Retour des Postes vom Petersburg ver-
  8. spricht man sich einen guten Ausgang — Ob Const. woll
  9. Guts bewürken wird steht zu erwarten. Er versprach
  10. viel — Nur traue ich heute nicht mehr viel auf solcher
  11. Herrn ihr Verſprechen. Ich bin zu sehr und zu oft getäuscht
  12. ich habe auch Phisiſch und moralisch zu ſehr gelitten, ſo daß
  13. ich noch fürchte der ärgste Misantrop zu werden.
  14. die Frau Fürstin Sacken soll sich ganz wohl befinden
  15. Mann hat ihr den General Dercke eingelegt darüber
  16. ist sie sehr unzufrieden
  17. Helfen Ewr Durchlaucht eilig daß ich hier los komme den
  18. fliehe ich um mich denenselben zu fußen zu legen.
  19. In tiefſter Ehrfurcht erſterbe als
  20. Ewr Hochfürstliche Durchlaucht
  21. Berlin d. 16ten Januar
  22. 1809.
  23. treu gehorsamster Diener
  24. v Triebenfeld