Document 262 · Letter
20 December 1814
Vienna
Peter Friedrich von Triebenfeld, Councillor of War and Forests, Hohenlohe-Ingelfingen's agent → Prince Friedrich Ludwig of Hohenlohe-Ingelfingen
Triebenfeld reports that Hardenberg has promised Prince Hohenlohe-Bartenstein that he will take up the Prince's case actively. Everything now depends, he says, on the Prince's declaration and the confirmation of his Memoirs; then the Cur. heirs would be satisfied and Cosmar called to account. A letter of thanks to the State Chancellor should mention that Cosmar gave only 2,500 Rthl instead of 72,000 Rthl. He asks urgently for 100 #. Postscript: he suggests reminding Hardenberg of the 100/m Friedrich d'or sent to Koblenz through Meyer.
Triebenfeld berichtet, Hardenberg habe dem Prinzen Hohenlohe-Bartenstein zugesagt, sich der Sache des Fürsten tätig anzunehmen. Alles hänge nun an der Erklärung des Fürsten und der Bestätigung seiner Memoirs; dann würden die Cur. Erben befriedigt und Cosmar zur Verantwortung gezogen. Ein Dankschreiben an den Staatskanzler soll erwähnen, dass Cosmar nur 2500 Rthl statt 72000 Rthl gegeben habe. Er bittet dringend um 100 #. Nachschrift: regt an, Hardenberg an die über Meyer nach Koblenz gesandten 100/m Fr. d'or zu erinnern.
- 262
- Durchläuchtigſter Fürſt
- Gnädigster Fürst und Herr!
- daß des Herrn Fürsten Hardenberg durchlaucht es mit Ewr Durchlaucht jezt wahrhaft gut meinen
- beweiset des Fürsten Äußerung gegen den Prinzen H. von Bartenstein. Der Discours gedieß
- dahin daß Ewr Durchlaucht genant würden, gleich erwiederte der Fürſt —
- "Ja dieser redliche Mann ist der welcher am meisten gelitten hat, er ist schrecklich
- behandelt, ich nehme mich seine Sache jezt aufs Thätigste an — ich will ihm vor
- allen geholfen wißen —"
- Alles kömt jezt auf Ewr Durchlaucht Erklärung und auf die Bestätigung meiner Memoirs
- durch ihm durchlaucht an — hier muß ja kein Widerspruch statt finden, den sonst bin
- ich mit Hahn compromittirt und die Sache mit eine Tragische Wendung — wo wenn
- alles nach unsern beiden Memoirs bethätigt wird — der Fürst sogleich das Geld geben läßt
- um die Cur. Erben zu befriedigen, der König die Transakte aufhebt, und Cosmar ausge-
- stoßen und zur schwersten Verantwortung gezogen wird — alles andere findet
- sich den von selbst — Freund B[arbe] wünscht übrigens mit mir vereint, daß wir von den
- Resultaten der Commission und den Bericht des Ober Landes Gerichts, die allerschleunigste
- wißenschaft durch gute Abschriften herbekommen möchten, und zwar wo irgends
- möglich einen Post Tag früher ehe der Bericht bey des Fürsten Staats Kanzlers durchl.
- eingeht — damit man hier alles praeveniren kan.
- Die Blanquets ſehe ich ſehnſuchtsvoll entgegen, vorzüglich aber das eigenhändigen Dancksagungs
- Schreiben an den Fürsten Staats Kanzler — Sagen Sie Inſem edlen Mann, ganz kurz,
- "daß Sie ihm den ihm üngsten Dank ſchon für das was geſchehen, pp zolten, daß den dadurch ſehen
- mit zuversicht auf das Ende Ihrer Leiden, die Ihnen der Böse Cosmar zubereitet, hoffen dürften
- erwehnen Sie ganz kurz / daß Ihnen Cosmar in den 3 lezten daher statt 72000 rt nur 2500 rt über
- haupt gegeben haben, daß er zur Deckung deßen, ſelbſt ihres Sohnes Schwäche benuzt, und daß Sie
- in dieser Zeit so elend leben und selbst mit Hunger Kämpfen müßen, daß Triebenfeld die
- Sache noch nicht so vorgetragen als sie an und vor sich sey pp Sie legte, nur aber sowohl
- Ihre Häußliche als Militairischen Angelegenheiten in seine Hände ppp"
262
Durchläuchtigſter Fürſt
Gnädigster Fürst und Herr!
daß des Herrn Fürsten Hardenberg durchlaucht es mit Ewr Durchlaucht jezt wahrhaft gut meinen beweiset des Fürsten Äußerung gegen den Prinzen H. von Bartenstein. Der Discours gedieß dahin daß Ewr Durchlaucht genant würden, gleich erwiederte der Fürſt — "Ja dieser redliche Mann ist der welcher am meisten gelitten hat, er ist schrecklich behandelt, ich nehme mich seine Sache jezt aufs Thätigste an — ich will ihm vor allen geholfen wißen —" Alles kömt jezt auf Ewr Durchlaucht Erklärung und auf die Bestätigung meiner Memoirs durch ihm durchlaucht an — hier muß ja kein Widerspruch statt finden, den sonst bin ich mit Hahn compromittirt und die Sache mit eine Tragische Wendung — wo wenn alles nach unsern beiden Memoirs bethätigt wird — der Fürst sogleich das Geld geben läßt um die Cur. Erben zu befriedigen, der König die Transakte aufhebt, und Cosmar ausgestoßen und zur schwersten Verantwortung gezogen wird — alles andere findet sich den von selbst — Freund B[arbe] wünscht übrigens mit mir vereint, daß wir von den Resultaten der Commission und den Bericht des Ober Landes Gerichts, die allerschleunigste wißenschaft durch gute Abschriften herbekommen möchten, und zwar wo irgends möglich einen Post Tag früher ehe der Bericht bey des Fürsten Staats Kanzlers durchl. eingeht — damit man hier alles praeveniren kan.
Die Blanquets ſehe ich ſehnſuchtsvoll entgegen, vorzüglich aber das eigenhändigen Dancksagungs Schreiben an den Fürsten Staats Kanzler — Sagen Sie Inſem edlen Mann, ganz kurz, "daß Sie ihm den ihm üngsten Dank ſchon für das was geſchehen, pp zolten, daß den dadurch ſehen mit zuversicht auf das Ende Ihrer Leiden, die Ihnen der Böse Cosmar zubereitet, hoffen dürften erwehnen Sie ganz kurz / daß Ihnen Cosmar in den 3 lezten daher statt 72,000 rt nur 2,500 rt über haupt gegeben haben, daß er zur Deckung deßen, ſelbſt ihres Sohnes Schwäche benuzt, und daß Sie in dieser Zeit so elend leben und selbst mit Hunger Kämpfen müßen, daß Triebenfeld die Sache noch nicht so vorgetragen als sie an und vor sich sey pp Sie legte, nur aber sowohl Ihre Häußliche als Militairischen Angelegenheiten in seine Hände ppp"
- Ich wünsche dies darum, weil der Fürst Ewr Durchlaucht Schreiben ließt — Ganze Acten und Proto-
- colle aber nicht Zeit hat selbst zu lesen, sondern nur Vortrage daraus anhöhren kan,
- In der Hohenlohischen Sache wird auf das thätigste fortgearbeitet — der Tiranney des Königes
- ist schon Einhalt gethan, seine Macht gegen die mediatisirten Fürsten wird sehr beschränkt, ver-
- muthlich wird man Öls pp zur Norm nehmen — die Note wegen Ihrer Vertreibung, und
- sonstig schrecklichen Behandlung, die wegen Einziehung der 2000 fl. Apanage Ihres Herrn Bruders
- kan ich heute nicht ſchicken, weil ich wegen den Gaßen Loth nicht aus den Hauße gehen kan, zum
- fahren aber kein Geld habe, Gärtner aber da ich nichts vorsagen kan, schon 8 Tage nicht
- bey mir gewesen ist —
- Eine Quaal volle Zeit verlebe ich hier — ich soll in einer so häßlich verdrehten Geschichte
- würken — Eine mehr als 9 Köpfige Hydra bekämpfen, und habe nichts in den Händen und
- auf den Leibe. Vor Schaam mögte ich öfters vergehen —
- dringend bitte ich schicken Sie gnädiger Herr nur 100 # sonst muß ich hungern — B halt
- mir 50 # geliehen, und die sind in wenigen Tagen ganz weg — soll indes dieser wahre
- Freund nicht ermüden, und ferner trauen, so muß ich ihm das Geld abgeben, den er
- hat die Seinen in Berlin zu versorgen daher ist er selbst besonders zum neuen Jahre es
- benötiget — Schicken Ewer Durchlaucht nur also ja die 100 # desgleichen die umstehend
- gerügten Papiere, und unterstüzgen meine Kinder gemäß meiner Bitte in Breslau —
- Aus beigehendes Buch ist ein großer Theil entlehnt, wie es für die Zukunft im Würtemberge
- gehalten werden soll.
- zu treuester Anhänglichkeit und höchster Ehrerbietigkeit ersterbe
- Ewr Durchlaucht
- Wien den 20ten Decbr.
- 1814.
- treu gehorſamſter Diener
- v Triebenfeld
Ich wünsche dies darum, weil der Fürst Ewr Durchlaucht Schreiben ließt — Ganze Acten und Protocolle aber nicht Zeit hat selbst zu lesen, sondern nur Vortrage daraus anhöhren kan, In der Hohenlohischen Sache wird auf das thätigste fortgearbeitet — der Tiranney des Königes ist schon Einhalt gethan, seine Macht gegen die mediatisirten Fürsten wird sehr beschränkt, vermuthlich wird man Öls pp zur Norm nehmen — die Note wegen Ihrer Vertreibung, und sonstig schrecklichen Behandlung, die wegen Einziehung der 2,000 fl. Apanage Ihres Herrn Bruders kan ich heute nicht ſchicken, weil ich wegen den Gaßen Loth nicht aus den Hauße gehen kan, zum fahren aber kein Geld habe, Gärtner aber da ich nichts vorsagen kan, schon 8 Tage nicht bey mir gewesen ist — Eine Quaal volle Zeit verlebe ich hier — ich soll in einer so häßlich verdrehten Geschichte würken — Eine mehr als 9 Köpfige Hydra bekämpfen, und habe nichts in den Händen und auf den Leibe. Vor Schaam mögte ich öfters vergehen — dringend bitte ich schicken Sie gnädiger Herr nur 100 # sonst muß ich hungern — B halt mir 50 # geliehen, und die sind in wenigen Tagen ganz weg — soll indes dieser wahre Freund nicht ermüden, und ferner trauen, so muß ich ihm das Geld abgeben, den er hat die Seinen in Berlin zu versorgen daher ist er selbst besonders zum neuen Jahre es benötiget — Schicken Ewer Durchlaucht nur also ja die 100 # desgleichen die umstehend gerügten Papiere, und unterstüzgen meine Kinder gemäß meiner Bitte in Breslau — Aus beigehendes Buch ist ein großer Theil entlehnt, wie es für die Zukunft im Würtemberge gehalten werden soll.
zu treuester Anhänglichkeit und höchster Ehrerbietigkeit ersterbe Ewr Durchlaucht
Wien den 20ten Decbr.
1814.
treu gehorſamſter Diener
v Triebenfeld
- Der K[önig]. von Würt[emberg] geht in ein paar Tage ab, sein Aussehen deutet auf der übelsten Laune —
- Nur zwischen den Coulissan im Casperln Theater soll sich das Allerhöchste Angesicht jedoch
- manchmahl im verklärtem Glanze zeigen
- Übrigens steht in der heutigen Wiener Zeitungen daß der König von Bayern seinen Unterthanen anfordert sich
- zumelden wann irgend jemand Forderungen in Frankreich es sey am König oder
- Staat habe — Wer zu schwach sey dies bey der Französischen Comission zu thun solle sey,
- bey einen von ihm niederzusezzenden Commission anbringen — die Nation hat soll,
- die Schulden des Königes zu bezahlen übernommen —
- würde es nicht gerathen sein, daß Meyer, oder Ewr Durchlaucht selbst dem Fürsten
- Hardenberg, die dem König von Brandreich vorgeschoßene und nach Coblenz durch
- Meyern gesandte 100/m Fr. d'or in Andenken brächten — Meyer hat das Geld
- doch würklich dorten an den König und Pr. Artois gebracht und hat dafür 1000 rt. be-
- kommen — Meyers sein Revers von Pr. Artois auf 240/m Livres könte dabey geltend
- gemacht werden — dH. Mininst von Humboldt Exc[ellenz]. werde gewiß alles thun, und
- kräftig helfen — Schnell aber müste die Erinnerung geschehen, weil man den
- bey dh M v Humboldt Exc die Sache noch bestens einleiten könte —
- den 19ten § des Pariser Friedens sind alle Forderungen zu bezahlen festgesezt
- und der Staat hat sich ex post anheischig gemacht die Königl. Schulden welche er im
- seiner Unglücks Periode Contratirt hatt mit circa 22 Millionen zu bezahlen.
Der K[önig]. von Würt[emberg] geht in ein paar Tage ab, sein Aussehen deutet auf der übelsten Laune — Nur zwischen den Coulissan im Casperln Theater soll sich das Allerhöchste Angesicht jedoch manchmahl im verklärtem Glanze zeigen Übrigens steht in der heutigen Wiener Zeitungen daß der König von Bayern seinen Unterthanen anfordert sich zumelden wann irgend jemand Forderungen in Frankreich es sey am König oder Staat habe — Wer zu schwach sey dies bey der Französischen Comission zu thun solle sey, bey einen von ihm niederzusezzenden Commission anbringen — die Nation hat soll, die Schulden des Königes zu bezahlen übernommen — würde es nicht gerathen sein, daß Meyer, oder Ewr Durchlaucht selbst dem Fürsten Hardenberg, die dem König von Brandreich vorgeschoßene und nach Coblenz durch Meyern gesandte 100/m Fr. d'or in Andenken brächten — Meyer hat das Geld doch würklich dorten an den König und Pr. Artois gebracht und hat dafür 1,000 rt. bekommen — Meyers sein Revers von Pr. Artois auf 240/m Livres könte dabey geltend gemacht werden — dH. Mininst von Humboldt Exc[ellenz]. werde gewiß alles thun, und kräftig helfen — Schnell aber müste die Erinnerung geschehen, weil man den bey dh M v Humboldt Exc die Sache noch bestens einleiten könte — den 19ten § des Pariser Friedens sind alle Forderungen zu bezahlen festgesezt und der Staat hat sich ex post anheischig gemacht die Königl. Schulden welche er im seiner Unglücks Periode Contratirt hatt mit circa 22 Millionen zu bezahlen.


