Document 240 · Letter
20 June 1813
Neustadt
Peter Friedrich von Triebenfeld, Councillor of War and Forests, Hohenlohe-Ingelfingen's agent → Prince Friedrich Ludwig of Hohenlohe-Ingelfingen
Triebenfeld reports that Austria wants to stay neutral and only mediate. Russian troops and generals, he says, were grumbling about the armistice. Köckritz, he says, has fallen out with Hardenberg and mocked his confidence in front of the monarch. Supplies, he says, are uncertain, grain scarce and the roads bottomless. Zastrow is to command the militia at Nysa (55,000 men), while Ortel lies ill. Triebenfeld intends to travel by way of Nysa to Ząbkowice Śląskie, to the headquarters and to Świniary, to bring up produce and raise money.
Triebenfeld berichtet, Österreich wolle neutral bleiben und nur vermitteln. Russische Truppen und Generäle murrten über den Waffenstillstand. Köckritz habe sich mit Hardenberg überworfen und vor dem Monarchen dessen Zuversicht verspottet. Die Verpflegung sei ungewiss, Getreide knapp, die Wege grundlos. Zastrow soll die Landwehr in Nysa (55000 Mann) kommandieren, Ortel liege krank. Triebenfeld will über Nysa nach Ząbkowice Śląskie, in die Hauptquartiere und nach Świniary reisen, um Produkte heranzubringen und Geld zu beschaffen.
- 240
- Durchlauchtigſter Fürſt
- Gnädigſter Fürſt und Herr!
- Ganz gewiß ist es und bis zur höchsten evidenz erwieſen, daß Österreich nicht mitſchlägt
- es will Neutral bleiben und als Vermittler würken, das heiß wohl im trüben fischen
- weiter aber nichts thun — dem Volcke werden die Vortheile davon so glänzend
- geſchildert daß dies in ſeinen Eyfer ſchon ſo ermüdet —
- das traurigste und für uns das Gefahr volleste ist, daß die Ruße Truppen ſehr murren
- und selbst die Generäle den Waffenstillstand verwünschen; mann mögte lieber bis an
- der Weichsel zurükkehren. Unſere Lage iſt jezt ſehr Kritisch.
- der Herr Gen Leut v. Köck[ritz]: hat ſich mit dem Minſter Hard[enberg]: ſehr überworfen
- der Min[ister]: fragt dH v K[öckritz] in Gegenwart des Monarchen. — Von freuen Sie sich nicht das
- alles so gut geht?
- K[öckritz]: Worüber?
- Mitt nun es steht alles sehr gut, der stolze Nap[oleon]: hatt den Waffen stillstand erbettet,
- müßen —
- K[öckritz]: Herr! ich müste aus den Tollhause entlaufen ſind, wenn ich mir darüber
- freute — Es ist umsonst so viel unschuldiges Blut vergoßen — wir laufen
- bis an der Oder, geben Sachsen und unsere Länder Theilweise preiß
- Brönen denn die Sache, schließen einen Waffen ſtilleſtand auf 6 Wochen ziehen
- unſere Truppen, welche die verteilhafteste Stellung hätten, zurück, geben
- N Zeit, um sich Soutien zu verschaffen, und laßen uns nun bis hinter
- der Weichsel zagen, und unsere Länder total ruiniren. Nein aus dem Toll
- Hause muß der entsprungen sind, der sich über alle diese Ereigniße freut —
- H[ardenberg]: Nun machen Sie es beßer —
- K[öckritz]: ich kan die klugen Herrn nicht überſchreien.
- H[ardenberg]: Ach Ewr Excellenz sehen alles ſchwarz — Es ſteht dennoch alles sehr gut und wir erhalten
- gewiß einen sehr vorteilhaften Frieden —
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Durchlauchtigſter Fürſt
Gnädigſter Fürſt und Herr!
Ganz gewiß ist es und bis zur höchsten evidenz erwieſen, daß Österreich nicht mitſchlägt es will Neutral bleiben und als Vermittler würken, das heiß wohl im trüben fischen weiter aber nichts thun — dem Volcke werden die Vortheile davon so glänzend geſchildert daß dies in ſeinen Eyfer ſchon ſo ermüdet — das traurigste und für uns das Gefahr volleste ist, daß die Ruße Truppen ſehr murren und selbst die Generäle den Waffenstillstand verwünschen; mann mögte lieber bis an der Weichsel zurükkehren. Unſere Lage iſt jezt ſehr Kritisch. der Herr Gen Leut v. Köck[ritz]: hat ſich mit dem Minſter Hard[enberg]: ſehr überworfen der Min[ister]: fragt dH v K[öckritz] in Gegenwart des Monarchen. — Von freuen Sie sich nicht das alles so gut geht?
K[öckritz]: Worüber?
Mitt nun es steht alles sehr gut, der stolze Nap[oleon]: hatt den Waffen stillstand erbettet, müßen — K[öckritz]: Herr! ich müste aus den Tollhause entlaufen ſind, wenn ich mir darüber freute — Es ist umsonst so viel unschuldiges Blut vergoßen — wir laufen bis an der Oder, geben Sachsen und unsere Länder Theilweise preiß Brönen denn die Sache, schließen einen Waffen ſtilleſtand auf 6 Wochen ziehen unſere Truppen, welche die verteilhafteste Stellung hätten, zurück, geben N Zeit, um sich Soutien zu verschaffen, und laßen uns nun bis hinter der Weichsel zagen, und unsere Länder total ruiniren. Nein aus dem Toll Hause muß der entsprungen sind, der sich über alle diese Ereigniße freut — H[ardenberg]: Nun machen Sie es beßer — K[öckritz]: ich kan die klugen Herrn nicht überſchreien. H[ardenberg]: Ach Ewr Excellenz sehen alles ſchwarz — Es ſteht dennoch alles sehr gut und wir erhalten gewiß einen sehr vorteilhaften Frieden —
- Ich habe hier das erſte wohl wieder ſagen höhren. Wolte Gott fürſt Hohenlohe ſtände
- an der Spitze da würde es doch beßer gehen —
- Wie es mit der Verpflegung ferner hin werden wird, ist ein problem — die Rußen wollen
- nichts damit zu thun haben, und fordern mit ungestüm verpflegt zu sein
- Nun ist im Lande nicht viel mehr Getreide — die Wege sind Grundlos und liegen schon
- mit todten Pferden bedeckt, das grüne Futter bringt die Pest unter sie, Gott weit
- allein wie das enden soll —
- General Zastrow ist wieder sehr wohl gelitten, Er wird die Landwehr Commendiren
- die jezt in Neisse zusammen gezogen wird, und aus 55000 Mann besteht —
- General Lieut[enant]. Ortell liegt hier in Neustadt an ein garstiges Fieber sehr krank
- und miſcht ſich jezt in Nichts, ich gehe daher morgen von hier über Neisse nach Fran-
- ckenstein, von da in die Haupt Quartiere, dann nach Schweinern um zu sehen
- ob ich die Producte heran bringen und mich Geld verschaffen kan —
- von jener Seite aus ſchreibe ich nur erſt wieder.
- Ehrfurchtsvoll verharre ich als
- Euer Hochfürstliche Durchlaucht
- Neustadt
- den 20ten Juny
- 1813.
- unterthänigſter Diener
- v Triebenfeld
Ich habe hier das erſte wohl wieder ſagen höhren. Wolte Gott fürſt Hohenlohe ſtände an der Spitze da würde es doch beßer gehen — Wie es mit der Verpflegung ferner hin werden wird, ist ein problem — die Rußen wollen nichts damit zu thun haben, und fordern mit ungestüm verpflegt zu sein Nun ist im Lande nicht viel mehr Getreide — die Wege sind Grundlos und liegen schon mit todten Pferden bedeckt, das grüne Futter bringt die Pest unter sie, Gott weit allein wie das enden soll — General Zastrow ist wieder sehr wohl gelitten, Er wird die Landwehr Commendiren die jezt in Neisse zusammen gezogen wird, und aus 55,000 Mann besteht — General Lieut[enant]. Ortell liegt hier in Neustadt an ein garstiges Fieber sehr krank und miſcht ſich jezt in Nichts, ich gehe daher morgen von hier über Neisse nach Franckenstein, von da in die Haupt Quartiere, dann nach Schweinern um zu sehen ob ich die Producte heran bringen und mich Geld verschaffen kan — von jener Seite aus ſchreibe ich nur erſt wieder. Ehrfurchtsvoll verharre ich als
Euer Hochfürstliche Durchlaucht
Neustadt
den 20ten Juny
1813.
unterthänigſter Diener
v Triebenfeld

