Document 239 · Letter
19 June 1813
Nysa (Neisse)
Peter Friedrich von Triebenfeld, Councillor of War and Forests, Hohenlohe-Ingelfingen's agent → Prince Friedrich Ludwig of Hohenlohe-Ingelfingen
Having arrived late at Nysa because of his gout, Triebenfeld reports that the King left after three days for Teplitz, where the Russian Emperor is staying with his sister; he says it is doubted that Emperor Franz will come. He says Austria wants to remain neutral and that Napoleon has hurried to Paris. The government, he says, is moving to Ząbkowice Śląskie. Triebenfeld intends to go to General Ortel at Neustadt, and says his plan has met with approval. Letters for Mrs. v. Hahn and Chief Forest Master v Kleist have been seen to.
Wegen seines Podagras verspätet in Nysa angekommen, berichtet Triebenfeld, der König sei nach drei Tagen Richtung Teplitz abgereist, wo der russische Kaiser bei seiner Schwester sei; dass Kaiser Franz komme, werde bezweifelt. Österreich wolle neutral bleiben. Napoleon sei nach Paris geeilt. Die Regierung gehe nach Ząbkowice Śląskie. Triebenfeld will zu General Ortel nach Neustadt, sein Plan habe Beifall. Briefe für Frau v. Hahn und Ober Forst Meister v Kleist seien besorgt.
- 239
- Durchlauchtigster Fürst
- Gnädigster Fürst und Herr
- Mein Podagra behinderte mich vorgestern bis nach Neisse zu kommen
- ich müste in der Nacht, weil der Weg Boden los war unter freiem
- Himmel hinter Steine bivouaquiren, da es um so fürchterlich
- regnete so exponirte ich meinen Fuß völlig der Traufe — der
- Schmerz ward nach und nach minder so daß ich heut schon den Stiefel
- angepreßt habe — der König war 3 Tage hier fuhr eben als
- ich hier eintraff mich Holz ab um in der Gegend nach Toplitz
- zu gehen, wo der Rußische Kayser Ihm bey seiner Schwester ist
- man spricht K[aiser]. Franz würde auch dort eintreffen, denckende
- Männer aber zweifeln daran — so viel man hier weiß
- und übel zur höchsten eodem vergewißert ist, so bitt Osterreich
- nicht zu — Es fängt alles im Lau zu werden, doch verspricht
- es völlig neutral zu bleiben, daher auch in den Osterreichschen Staats
- allewege die Zeichen der Neutralität öffentlich angeschlagen und
- bekannt gemacht ſind — die Combinirten Mächte ſind durch den
- Waffenstillstand schrecklich duplirt — Bülow und Czerniszeff
239
Durchlauchtigster Fürst
Gnädigster Fürst und Herr Mein Podagra behinderte mich vorgestern bis nach Neisse zu kommen ich müste in der Nacht, weil der Weg Boden los war unter freiem Himmel hinter Steine bivouaquiren, da es um so fürchterlich regnete so exponirte ich meinen Fuß völlig der Traufe — der Schmerz ward nach und nach minder so daß ich heut schon den Stiefel angepreßt habe — der König war 3 Tage hier fuhr eben als ich hier eintraff mich Holz ab um in der Gegend nach Toplitz zu gehen, wo der Rußische Kayser Ihm bey seiner Schwester ist man spricht K[aiser]. Franz würde auch dort eintreffen, denckende Männer aber zweifeln daran — so viel man hier weiß und übel zur höchsten eodem vergewißert ist, so bitt Osterreich nicht zu — Es fängt alles im Lau zu werden, doch verspricht es völlig neutral zu bleiben, daher auch in den Osterreichschen Staats allewege die Zeichen der Neutralität öffentlich angeschlagen und bekannt gemacht ſind — die Combinirten Mächte ſind durch den Waffenstillstand schrecklich duplirt — Bülow und Czerniszeff
- gar nicht anerkennen wollen, indes haben sie sich fügen müßen, und stehe
- jezt in Berlin — das Corps was nach Hannover gegangen ist, in
- sich in Embden zu debarquiren, wird nun auch unwürksam bleiben, oder
- gar aufgerieben werden, den Napoleon ist nach Paris geeilt —
- die guten Alte, und zum Theil kluge Männer prochezenen nicht viel
- Gutes.
- Von hier unß alles fort und auf seinen Posten morgen geht auch
- die Regierung nach Franckenstein ab — Merckel war hier — und
- bricht einige früh dahin auf — die Post oder der Posten Cours ist schon
- vor 8 Tagen retablirt — ich sende daher diesen Brief durch der Post
- Gen Gneisenau ist im Hauptquartier auch dH. Valentini — ich muß heute
- nach Neustad zum Gen[eral]. Ortel / den mein Plan hatt Beifall / so
- wie ich von da retournire gehe ich nach Franckenstein pp. Min[ister].
- Hard[enberg]: sucht in der Meinung aller Güte sehr —
- Ew Durchlaucht geruhen der Frau v. Hahn zu sagen, daß ihr Brief nach
- Breslau besorgt ist — eben so habe ich den an Ober Forst Meister
- v Kleist, der aber vereist war, an seinen bleßirten Sohn abge-
- geben — Die tiefste Ehrfurcht ist es in der ich ersterbe
- Ewr Durchlaucht
- Neisse
- 19 Juny 1813
- unterthäniger Diener
- v Triebenfeld
gar nicht anerkennen wollen, indes haben sie sich fügen müßen, und stehe jezt in Berlin — das Corps was nach Hannover gegangen ist, in sich in Embden zu debarquiren, wird nun auch unwürksam bleiben, oder gar aufgerieben werden, den Napoleon ist nach Paris geeilt — die guten Alte, und zum Theil kluge Männer prochezenen nicht viel Gutes.
Von hier unß alles fort und auf seinen Posten morgen geht auch die Regierung nach Franckenstein ab — Merckel war hier — und bricht einige früh dahin auf — die Post oder der Posten Cours ist schon vor 8 Tagen retablirt — ich sende daher diesen Brief durch der Post Gen Gneisenau ist im Hauptquartier auch dH. Valentini — ich muß heute nach Neustad zum Gen[eral]. Ortel / den mein Plan hatt Beifall / so wie ich von da retournire gehe ich nach Franckenstein pp. Min[ister]. Hard[enberg]: sucht in der Meinung aller Güte sehr — Ew Durchlaucht geruhen der Frau v. Hahn zu sagen, daß ihr Brief nach Breslau besorgt ist — eben so habe ich den an Ober Forst Meister v Kleist, der aber vereist war, an seinen bleßirten Sohn abgegeben — Die tiefste Ehrfurcht ist es in der ich ersterbe Ewr Durchlaucht
Neisse
19 Juny 1813
unterthäniger Diener
v Triebenfeld

