Document 208 · Letter
5 October 1810
Wrocław (Breslau)
Peter Friedrich von Triebenfeld, Councillor of War and Forests, Hohenlohe-Ingelfingen's agent → Prince Friedrich Ludwig of Hohenlohe-Ingelfingen
v. Triebenfeld says he cannot yet travel to Poland for lack of money. In the Schlieben matter his Świniary rent money has been placed under seizure, and an execution for 48 Rthl 6 Groschen in costs has been sent to him. Triebenfeld asks the Prince to instruct Lombardini to pay the 48 Rthl 6 Groschen. He also reports news: the King's manoeuvres near Potsdam and Berlin, the confiscation of colonial goods on the Elbe, rumours of 60,000 Frenchmen, 30 arrests in Berlin, and that things are beginning to go badly with Kalckreuth.
v. Triebenfeld kann aus Geldmangel noch nicht nach Pohlen reisen. In der Sache Schlieben wurde Arrest auf seine Schweinernschen Pachtgelder gelegt, und man schickte ihm eine Execution über 48 Rthl 6 g Kosten. Triebenfeld bittet den Fürsten, Lombardini zur Zahlung der 48 Rthl 6 g anzuweisen. Außerdem berichtet er Neuigkeiten: Manöver des Königs bei Potsdam und Berlin, Beschlagnahme von Colonialwaaren an der Elbe, Gerüchte über 60000 Franzosen, 30 Verhaftungen in Berlin, mit Kalckreuth fange es an zu hinken.
- 208
- Durchlauchtigster Fürst
- Gnädigster Fürst und Herr!
- Noch habe ich die Reise nach Pohlen nicht antreten können, der Mangel an Gelde legt mich
- dermalen noch die Einzige Hindernis im Wege. Ich hoffe diese, obgleich kostspielig,
- dennoch in Kurzem zu beheben und den reise ich so gleich. Die Auszählen sind nicht
- übel ja ich hoffe die Sache soll glänzender enden, als es Anfangs schien. Ein Dritten,
- außer Knobelsdorff und Strachwitz, am Mann dem Ewr Durchlaucht sehr genau kennen, und
- auf den Sie nie rathen würden, will auch täuschen. Ließe der Himmel dies geschehen
- den wäre das Glück über groß —
- Übrigens muß ich in Ewr Durchlaucht Angelegenheiten oft den Leidens Kelch bis auf die Hoofen
- leeren. So solte ich dieser Tage wegen die Schlieben ausgepfändet werden. Ich mußte
- mir gefallen laßen, daß man Arrest auf meine Schweinernsche Pacht Gelder, die mir nach
- den Zinsen bleiben, schlug, bis die Sache, nach dem Versprechen des General v. Köckritz, von
- Potsdam aus wiederöfen wird — ich kan inzwischen aus meine Güter nicht einen denien
- ziehen, demohngeachtet schickte man nur Execution um 48 rt. 6 g. Kosten und wolte mich
- auspfänden laßen, ich hatte kaum einen d Münze im Hause, ich wies in der Angst
- dem Executor Schöck an dem p Lombardini, dieser jagte den Menschen mit dem
- Ausdruck fort.
- "Er habe wieder an ihm oder an mir, noch weniger auf meiner Ordre das
- geringste zu bezahlen, würde auch nie einen heller hergeben, und wies den Mann
- ohnerachtet ich Lombardini schriftlich Bath, dem Schoch nur durch 3 rt. zu besänf-
- tigen, die Thüre und an mich zurück."
- Dies hat mich sehr wahr gethan, und ich bitte Ewer durchlaucht dem Lombardini anzuweisen
- daß er nun absolut die 48 rt 6 g an den Executor ohne allen Anstand abführt —
- Ich will und mag nichts, nur daß einzige mann Brandmarke mich nicht —
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Durchlauchtigster Fürst
Gnädigster Fürst und Herr!
Noch habe ich die Reise nach Pohlen nicht antreten können, der Mangel an Gelde legt mich dermalen noch die Einzige Hindernis im Wege. Ich hoffe diese, obgleich kostspielig, dennoch in Kurzem zu beheben und den reise ich so gleich. Die Auszählen sind nicht übel ja ich hoffe die Sache soll glänzender enden, als es Anfangs schien. Ein Dritten, außer Knobelsdorff und Strachwitz, am Mann dem Ewr Durchlaucht sehr genau kennen, und auf den Sie nie rathen würden, will auch täuschen. Ließe der Himmel dies geschehen den wäre das Glück über groß — Übrigens muß ich in Ewr Durchlaucht Angelegenheiten oft den Leidens Kelch bis auf die Hoofen leeren. So solte ich dieser Tage wegen die Schlieben ausgepfändet werden. Ich mußte mir gefallen laßen, daß man Arrest auf meine Schweinernsche Pacht Gelder, die mir nach den Zinsen bleiben, schlug, bis die Sache, nach dem Versprechen des General v. Köckritz, von Potsdam aus wiederöfen wird — ich kan inzwischen aus meine Güter nicht einen denien ziehen, demohngeachtet schickte man nur Execution um 48 rt. 6 g. Kosten und wolte mich auspfänden laßen, ich hatte kaum einen d Münze im Hause, ich wies in der Angst dem Executor Schöck an dem p Lombardini, dieser jagte den Menschen mit dem Ausdruck fort.
"Er habe wieder an ihm oder an mir, noch weniger auf meiner Ordre das geringste zu bezahlen, würde auch nie einen heller hergeben, und wies den Mann ohnerachtet ich Lombardini schriftlich Bath, dem Schoch nur durch 3 rt. zu besänftigen, die Thüre und an mich zurück." Dies hat mich sehr wahr gethan, und ich bitte Ewer durchlaucht dem Lombardini anzuweisen daß er nun absolut die 48 rt 6 g an den Executor ohne allen Anstand abführt — Ich will und mag nichts, nur daß einzige mann Brandmarke mich nicht —
- ich dulde mehr als ich zu ertragen vermag, nur Behandlungen der Art kann ich nicht erdulden
- Neues ist hier mancherley, wichtige Auftritte aber lauſchen in ſehr naher Ferne —
- Der König Manövirirt jezt in und bey Potsdam, oft ist in der Stadt selbst maneuvre mit
- einem gewaltigen Kanonen Feuer vergeſellſchaftet wodurch die Glaßer in guter Nahrung
- gesezt werden. Von Dienstag bis zum 6ten Dauren die Maneuvres zwischen Berlin an
- Köpnick fort — den Bäut der König wieder nach Charlottenbourg wo er sich einige
- Zeit aufhalten und täglich das Man solerem der König in beſuchen wird.
- Kuralien hält sich seit seiner retour vom Paris in Berlin auf und giebt große Elten —
- ohne Grund ist das nicht —
- Labaye der in Paris Leinwand und Eysen für die noch zu zahlende Contribution an
- geboten hat — ist noch um keinen Schritt damit vorgerückt — ob er was guts negociren
- wird steht zu erwarten.
- Von Dessau ab ist die Elbe mit tra[?]g[?] Jagern besezt, so von Magdeburg bis Hamburg, wo
- alle Schiffe angehalten und alle Colonial Waaren conficirt werden.
- Breslauer Geschwäze nach — sollen 60000 Mann Franzosen eilig durch Berlin gehen, wohin ist
- noch unbekannt — An 30 Personen sind in Berlin auf Requisition des Franz Gesandten
- arretirt, weil sie die Säge verbreitet haben, daß es zwischen Frankreich und Rußland
- zum Bruche kommen würde.
- Übrigens fängt es mit den F[eld]. M[arschall] Kalckreuth an zu hinken. Mann wird lau —
- Mann glaubt es wird sich im kurzen wieder vieles anderen
- In tiefsten Respect ersterbe
- Euer Hochfürstliche Durchlaucht
- Breslau
- den 5ten 8br
- 1810
- unterthänigster treuer Diener
- v Triebenfeld
ich dulde mehr als ich zu ertragen vermag, nur Behandlungen der Art kann ich nicht erdulden Neues ist hier mancherley, wichtige Auftritte aber lauſchen in ſehr naher Ferne — Der König Manövirirt jezt in und bey Potsdam, oft ist in der Stadt selbst maneuvre mit einem gewaltigen Kanonen Feuer vergeſellſchaftet wodurch die Glaßer in guter Nahrung gesezt werden. Von Dienstag bis zum 6ten Dauren die Maneuvres zwischen Berlin an Köpnick fort — den Bäut der König wieder nach Charlottenbourg wo er sich einige Zeit aufhalten und täglich das Man solerem der König in beſuchen wird. Kuralien hält sich seit seiner retour vom Paris in Berlin auf und giebt große Elten — ohne Grund ist das nicht — Labaye der in Paris Leinwand und Eysen für die noch zu zahlende Contribution an geboten hat — ist noch um keinen Schritt damit vorgerückt — ob er was guts negociren wird steht zu erwarten.
Von Dessau ab ist die Elbe mit tra[?]g[?] Jagern besezt, so von Magdeburg bis Hamburg, wo alle Schiffe angehalten und alle Colonial Waaren conficirt werden. Breslauer Geschwäze nach — sollen 60,000 Mann Franzosen eilig durch Berlin gehen, wohin ist noch unbekannt — An 30 Personen sind in Berlin auf Requisition des Franz Gesandten arretirt, weil sie die Säge verbreitet haben, daß es zwischen Frankreich und Rußland zum Bruche kommen würde.
Übrigens fängt es mit den F[eld]. M[arschall] Kalckreuth an zu hinken. Mann wird lau — Mann glaubt es wird sich im kurzen wieder vieles anderen
In tiefsten Respect ersterbe
Euer Hochfürstliche Durchlaucht
Breslau
den 5ten 8br
1810
unterthänigster treuer Diener
v Triebenfeld

